29. Juli 2020 / 18:04 Uhr

Auch wegen Corona: Darum holen die Grizzlys Wolfsburg mehr Europäer als US-Boys

Auch wegen Corona: Darum holen die Grizzlys Wolfsburg mehr Europäer als US-Boys

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Statt Neuer aus Amerika: Die Grizzlys Wolfsburg setzen immer stärker auf die europäische Karte. Der Franzose Toto Rech blieb, der Däne Phillip Bruggisser und der Finne Matti Järvinen kommen.
Statt Neuer aus Amerika: Die Grizzlys Wolfsburg setzen immer stärker auf die europäische Karte. Der Franzose Toto Rech blieb, der Däne Phillip Bruggisser und der Finne Matti Järvinen kommen. © Gero Gerewitz (1) / City-Press, Grizzlys Wolfsburg (2)
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Profis aus Nordamerika - das war lange Trend im Eishockey-Oberhaus. Er hat sich gedreht. Und bei den Grizzlys Wolfsburg jetzt noch mehr. Nicht ohne Grund - einer davon heißt Corona, wie Manager Charly Fliegauf erklärt. Und: Am Wochenende dürfte der DEL-Starttermin stehen.

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Mit Toto Rech vom Liga-Konkurrenten Schwenningen einen Franzosen, dazu mit Alexander Johansson einen Schweden und mit Mathis Olimb einen Norweger: Schon vor der vergangenen Saison hatten die Grizzlys verstärkt auf die europäische Karte gesetzt. Mit Johansson, der letztlich enttäuschte, hatten sie zwar zum zweiten Mal (der andere war 2015/16 Daniel Widing, der nach furiosem Start in der zweiten Saisonhälfte nur noch ein Tor schoss) einen nicht überzeugenden Schweden geholt, die beiden anderen allerdings waren stark.

Für die neue Saison kommen der Däne Phillip Bruggisser von den Krefeld Pinguinen und Matti Järvinen aus Kuopio in Finnland. Wolfsburgs Manager Charly Fliegauf sagt: "Gut möglich, dass auch weitere Verstärkungen aus Europa kommen." Auch ein möglicher Zugang aus Nordamerika könnte einer sein, der schon in Europa gespielt hat. Oder kommt womöglich kein neuer Nordamerika-Import dazu? Fliegauf erklärt: "Die Pandemie hat einiges verändert." Bei den Grizzlys.

Fliegauf: "Wir haben uns natürlich Gedanken gemacht: Wie klappt das mit den Einreisen?" Doch auch für die möglichen Kandidaten hat sich manches verändert: Wollen sie überhaupt nach Europa. Wann könnten sie sich entscheiden? Viele Kandidaten warteten früher schon ab, ob es noch für eine Camp-Teilnahme Richtung NHL reicht oder für ein interessantes AHL-Angebot. Jetzt ist völlig offen, wie es in Nordamerika in eine neue Saison geht. Die aktuelle NHL-Saison wird am Samstag fortgesetzt.

Fliegauf erläutert: "Vor diesem Hintergrund haben wir uns unsere Anforderungsprofile angeschaut. Und entscheiden uns für Spieler aus Europa - wenn es passt." Mit Bruggisser war man sich früh einig, "Järvinen passt hundertprozentig", ist sich Fliegauf sicher. Hinter dem Finnen waren die Wolfsburger schon länger her und fast ein wenig überrascht, dass es nun geklappt hat.

"Vergangene Saison stand schon sein Wechsel im Raum, dann hat er eine überragende Saison in Finnland angehängt", sagt der Manager. Doch die Verhandlungen - auch in puncto möglicher Gehaltsverzicht - hätten gut geklappt. Der Trainerstab könnte auch eine Rolle gespielt haben. Fliegauf: "Mit unserem Torwarttrainer Ilari Näckel und unserem Co-Trainer Petteri Väkiparta hatte er schon in seiner Zeit bei den Espoo Blues gearbeitet."

Finanziell seien Spieler aus Skandinavien günstiger geworden, hinzu kommt vielleicht auch: US-Zugänge waren bei den Grizzlys zuletzt auch keine Kracher. Mike Sislo (bat um Vertragsauflösung), Nick Jones und Chris Casto hinterließen keinen bleibenden Eindruck.

Szenen und Tore vom Spiel zwischen den Grizzlys Wolfsburg und den Krefeld Pinguinen. Zur Galerie
Szenen und Tore vom Spiel zwischen den Grizzlys Wolfsburg und den Krefeld Pinguinen. © Tim Schulze

Einen routinierten Abwehr-Import brauchen die Grizzlys noch, dazu zwei Flügel und eventuell noch einen zehnten Import, um gut durch die vielen Spiele in kurzer Zeit zu kommen. Am Mittwoch war der Manager in einem Punkt erleichtert: "Jeff Likens ist mit seiner Familie schon da." Der Verteidiger ist momentan der einzige US-Amerikaner im Team. Die Einreise von Co-Trainer Tyler Haskins vor einigen Wochen war holprig gewesen, bei Likens lief es glatt. Vorsichtshalber hatte er sich früh auf den Weg gemacht, hatte zudem schon negative Corona-Tests im Gepäck.

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Am Wochenende wohl Klarheit zum DEL-Starttermin

Am Wochenende werden DEL und DEB sich verständigen, danach sollte es Klarheit geben, wann die DEL-Saison losgeht. Nicht nur Fliegauf würde gern schon mit Spielen am Sonntag, 1., und Dienstag, 3. November, loslegen, der Deutschland-Cup für Nationalteams vom 5. bis 8. November ist allerdings auch wichtig. Deshalb steht auch ein möglicher Liga-Start erst danach im Raum.

Ebenfalls noch offen: Wie viele Fans dürfen in die Hallen? Werden Gästefans zugelassen? "Ob 500 oder 2000 Fans zugelassen werden, dazu kann man jetzt überhaupt noch nichts sagen", so Fliegauf, der argwöhnisch die ansteigenden Infektionszahlen in Deutschland beobachtet, "auch wenn es bei uns in der Region und in der Stadt noch gut aussieht". Die zugelassene Kapazität wird von Standort zu Standort unterschiedlich ausfallen, über die Zulassung von Gästefans hingegen - möglicherweise erst ab einem bestimmten Zeitpunkt - erwartet er einen geschlossenen Liga-Entscheid.