07. Juli 2020 / 12:37 Uhr

Aue nun der einzige Ost-Vertreter in der 2. Liga - Präsident Leonhardt: „Wird zu viel gejammert“

Aue nun der einzige Ost-Vertreter in der 2. Liga - Präsident Leonhardt: „Wird zu viel gejammert“

dpa
Aue-Präsident Helge Leonhardt bereitet der Ligen-Absturz vieler Ostteams Sorgen.
Aue-Präsident Helge Leonhardt bereitet der Ligen-Absturz vieler Ostteams Sorgen. © PICTURE POINT
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Während RB Leipzig und Union Berlin in der kommenden Saison den Osten in der Bundesliga vertreten, ist Erzgebirge Aue der einzige zweitklassige Ost-Vertreter. Boss Helge Leonhardt beklagt das Selbstmitleid bei einigen Clubs.

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Aue. Helge Leonhardt bemüht das Bild der Landkarte. „Von der Ostsee bis nach Oberwiesenthal bleibt alles weiß. Bis auf Aue. Wir halten die Fahne des Ostens hoch“, sagt der Präsident des FC Erzgebirge mit Stolz in der Stimme. Der sächsische Rivale Dynamo Dresden ist abgestiegen, der FC Hansa Rostock schaffte es nicht nach oben. Somit ist Aue der einzige ostdeutsche Vertreter in der kommenden Saison der 2. Fußball-Bundesliga.

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Leonhardt hat aber auch die Ligen darunter im Blick. Dass sich mit dem FC Carl Zeiss Jena und dem Chemnitzer FC zwei weitere Traditionsclubs aus der 3. Liga und damit aus dem Profifußball verabschiedet haben, macht dem Aue-Boss Sorgen. „Es ist einerseits schade, andererseits wird mir im Osten mitunter zu viel gejammert und sich zu sehr selbst bemitleidet“, meint Leonhardt.

Fast durchgängig in 2. Bundesliga

Dass die Fußballstandorte das oft zitierte Spiegelbild der Gesellschaft und das der regional begrenzten wirtschaftlichen Möglichkeiten abbilden sollen, lässt Leonhardt nicht als Argument gelten. „Zu uns ist auch keiner gekommen und hat einen Scheck ausgestellt. Wir sind eher in einer strukturschwächeren Region angesiedelt, haben uns den Erfolg über Jahre selbst hart erarbeitet“, betont der 61-Jährige.

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Seit 2003 spielt das 16.000 Einwohner zählende Aue mit wenigen Unterbrechungen fast durchgängig in der 2. Bundesliga. Doch noch nie gingen die Sachsen als einzige Ost-Mannschaft in eine Saison. „Ich bin ein bisschen traurig darüber und hoffe, dass sich dieses Bild im Spieljahr 2021/22 wieder ändert. Man wünscht sich schon Vereine wie Rostock, Magdeburg oder Dresden. Das sind für mich vom Potenzial her Minimum Zweitligisten“, erklärte Trainer Dirk Schuster. „Auf der anderen Seite erfüllt es uns mit sehr viel Stolz und Freude, dass wir es wieder geschafft haben, weiter in der 2. Liga zu bleiben.“ Aue schloss die vergangene Saison auf dem siebten Tabellenplatz ab.

November 2019: Kooperation mit Spartak Moskau

Ein Patentrezept, wie es andere Clubs aus dem Osten dem FC Erzgebirge nachmachen könnten, hat Leonhardt freilich nicht: „Jeder Verein hat andere Strukturen und Voraussetzungen. Ich kann nur für uns sprechen. Wir geben nur das Geld aus, was uns zur Verfügung steht. Und zweitens müssen der Verein und die Profiabteilung wie ein Wirtschaftsunternehmen knallhart geführt und nicht nur verwaltet werden.“

Das bei den Konkurrenten gefürchtete und gern als „Gallische Dorf“ bezeichnete Aue will auch auf der Suche nach potenziellen Neuzugängen eigene Wege gehen. Im November 2019 startete der FC Erzgebirge eine Kooperation mit dem russischen Spitzenclub Spartak Moskau. Bislang wurden noch keine Spieler von dort verpflichtet. Doch das könnte sich in diesem Sommer ändern. „Ich bin mit den Spartak-Verantwortlichen und Trainer Domenico Tedesco regelmäßig im Austausch. Vielleicht entwickelt sich für die kommende Saison das eine oder andere Leihgeschäft“, sagte Leonhardt.