04. Juli 2021 / 14:17 Uhr

Auf den letzten Drücker: VfL-Sprinter Almas schnappt sich das Olympia-Ticket

Auf den letzten Drücker: VfL-Sprinter Almas schnappt sich das Olympia-Ticket

Maik Schulze
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Demnächst geht's nach Japan! VfL-Sprinter Deniz Almas.
Demnächst geht's nach Japan! VfL-Sprinter Deniz Almas. © Imago Images/DPA
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Wäre die Olympia-Nominierung ein Flugzeug, dann war der Flieger Richtung Tokio quasi schon auf der Startbahn, als Deniz Almas doch noch auf den letzten Drücker auf seinen Sitzplatz hechtete! Der Sprinter des VfL Wolfsburg wurde neben seinem Teamkollegen Niels Giese vom Deutschen Olympischen Sportbund für die 100-Meter-Staffel nominiert.

Die Gefühlsachterbahn der vergangenen Monate hat ein Happy End gefunden! Deniz Almas, Sprinter des VfL Wolfsburg, gehört neben seinem Teamkollegen Niels Giese zum Aufgebot der 100-Meter-Staffel, die Nominierung vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) gab's am Samstag. "Da hatte ich es dann schwarz auf weiß", so der 23-Jährige glücklich.

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Almas zählt neben Giese, Owen Ansah, Lucas Ansah-Peprah (beide Hamburger SV), Julian Reus (LC Top Team Thüringen) und Marvin Schulte (SC DHfK Leipzig) zum Aufgebot der deutschen Staffel, die sich noch bis Mittwoch im Trainingslager in Kienbaum befindet. Sechs Namen für vier Plätze. Nur Almas hat aus dem Sextett den Zusatz "Alternate Athlet" (Ersatz) in der Nominierungsliste vermerkt. "Das ist nur rein formell. Ich bin ja der Letzte, der noch reingerutscht ist", sagt der Wolfsburger.

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Denn während Teamkollege Giese 2021 durchstartete, kämpfte sich Almas erst wieder zurück. 2020 war er noch Deutschlands Sprint-Shootingstar, holte nationale Titel über 60 m (Indoor) und 100 m (Outdoor), schraubte seine Bestzeit auf 10,08 Sekunden.

Da durfte der VfLer sogar noch von der Quali-Norm (10,05 Sek.) für einen Einzelstart in Tokio träumen. Doch mit den sensationellen Erfolgen des Vorjahres im Rücken stiegen auch die Ansprüche an sich selbst: "Die Probleme begannen schon in der Halle. Ich wollte so schnell wie möglich rennen, war nie zufrieden, machte mir Druck und stand mir selbst im Weg."

Das zog sich auch bis in die Sommersaison hinein. "Es hat lange gedauert, das zu akzeptieren, sich auch über kleine Erfolge freuen zu können." Immerhin: Bei den World Relays in Chorzow, den inoffiziellen Staffel-Weltmeisterschaften, hatte er vor rund zwei Monaten mit Joshua Hartmann (Köln), Schulte und Reus im Vorlauf mit einer Zeit von 38,70 Sekunden der deutschen 4x100-Meter-Staffel das Ticket für die Olympischen Spiele in Tokio gesichert. Doch dann bremsten ihn zuletzt Zehprobleme, er musste pausieren, verlor seinen Outdoor-Titel kampflos an Schulte. Der Traum von einem möglichen Einzel-Start in Tokio erfüllte sich nicht, plötzlich geriet auch das Staffel-Ticket in Gefahr. Denn die Teilnahme am entscheidenden Quali-Rennen war nicht gleichbedeutend mit der endgültigen Nominierung - wie das Beispiel Hartmann zeigt.

Doch nachdem die Schmerzen weg waren, wurden die Zeiten wieder besser. Almas hatte dann auf den letzten Drücker noch mal ein starkes Statement gesetzt. Bei der Charlottenburger Mittsommernacht gewann der 23-Jährige unter der Woche die 100 Meter in 10,30 Sek. VfL-Trainer Werner Morawietz: "Damit hat er sich ins Rampenlicht gestellt." Es war trotz nicht einfacher Bedingungen mit wenig Rückenwind und bei leichtem Regen seine persönliche Jahresbestzeit, Almas schob sich in der deutschen Jahres-Bestenliste auf Rang vier - gemeinsam mit Teamkollege Giese, der diese Zeit mit etwas weniger Rückenwind gelaufen war - und wurde vom DOSB auf die Nominierungsliste gesetzt. "Ich denke, wenn ich in Berlin nicht diese Zeit gelaufen wäre, hätte es mit der Nominierung nicht geklappt", sagt der 23-Jährige. Ein Happy End. All die vergangenen Monate, die Zeit vom Shootingstar bis zum Last-Minute-Olympia-Nominierten, sie haben ihn "auch vom Kopf her super viel Kraft gekostet".


Doch er steht mit im Aufgebot. "Durch die besondere Situation einer Staffel-Vorbereitung und den damit verbundenen Wechsel-Trainingseinheiten im Staffel-Team wird Almas, abweichend zu den 'Alternate Athleten' in den Einzeldisziplinen auch in das Pre-Camp und nach Tokio anreisen", heißt es vom Deutschen Leichtathletik-Verband auf SPORTBUZZER-Nachfrage. Dort hat er letztlich die gleichen Chancen wie die anderen fünf Nominierten. "Es sind noch ein paar Wochen hin bis zum Start, alle haben das Potenzial, sich zu verbessern. Ich möchte gesund bleiben, mich weiter steigern und im Staffel-Training zeigen, dass ich bereit bin, aufgestellt zu werden. Die besten Vier zu dem Zeitpunkt werden dann versuchen, den Final-Lauf bei Olympia zu erreichen."

Als Nächstes stehen am 10. Juli aber erst einmal Staffel- und Einzelstarts in Wetzlar an. Am 19. Juli geht es dann ins Pre-Camp nach Myasaki (Japan), um die Zeit- und Klimaanpassung für die Olympischen Spiele in Tokio zu gestalten, wo die Leichtathletik-Wettbewerbe vom 30. Juli bis zum 8. August stattfinden. Am 5. August steigen die Vorläufe mit der Sprint-Staffel, tags darauf dann das Finale.