01. Juni 2019 / 18:47 Uhr

Auf den Spuren seines Bruders Volkan: Sevkan Bulut übernimmt Can Mozaik

Auf den Spuren seines Bruders Volkan: Sevkan Bulut übernimmt Can Mozaik

Marcel Seniw
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Möchte mit seinem Herzensverein wieder Erfolge feiern: Sevkan Bulut wird neuer Trainer des FC Can Mozaik.
Möchte mit seinem Herzensverein wieder Erfolge feiern: Sevkan Bulut wird neuer Trainer des FC Can Mozaik. © Privat
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Der FC Can Mozaik erlebte unter der Leitung Volkan Buluts, ehemaliger Co-Trainer von Hannover 96 und Assistent von André Breitenreiter, eine sehr erfolgreiche Zeit. Nach dem Abrutschen in die 1. Kreisklasse will der Verein nun wieder angreifen und Erfolge feiern. Und wer könnte dafür besser geeignet sein als der jüngere Bruder des einstigen Erfolgscoaches?  

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Ab der kommenden Saison steht beim FC Can Mozaik wieder ein Bulut an der Seitenlinie. Dieses Mal ist es nicht Volkan, der vor seiner erfolgreichen Zusammenarbeit mit André Breitenreiter (TSV Havelse, SC Paderborn, FC Schalke 04 und Hannover 96) als Trainer von Mozaik auf sich aufmerksam machte. Ab der Saison 2019/20 übernimmt Volkans jüngerer Bruder Sevkan das Traineramt beim FC.

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Knorpelschäden zwingen Bulut in die Knie

Er spielte vor drei Jahren noch selbst aktiv Fußball. Der 33-Jährige kickte in seiner Karriere für den TSV Havelse, SC Langenhagen und SV Ramlingen/Ehlershausen höherklassig, musste aufgrund seines Jobs mit dem Sport aber kürzertreten und wechselte in die Bezirksliga zu Can Mozaik. Zuletzt war Bulut beim FC Stern Misburg am Ball. Vor gut zwei Jahren musste er das Fußballspielen aufgeben: Knorpelschäden in beiden Knien zwangen den Innenverteidiger zum verfrühten Karriereende. „In Misburg war ich eigentlich nur ein Jahr lang Spieler, wurde dann aber direkt Co-Trainer unter meinem Cousin Mahir Bulut“, erklärt Sevkan seinen kurzen Weg ins Trainergeschäft.

Im Frühjahr 2019 trennten sich jedoch die Wege des Duos und Stern Misburg. „Es gab ja schon im Winter Gespräche. Dann kam am Sonntagmorgen vor dem Spiel Hannover gegen Leverkusen ein Anruf vom Präsidenten und danach war klar, dass es das war“, verrät Bulut, der nach seinem Wechsel zu Misburg trotzdem die ganze Zeit mit Mozaik in Kontakt stand.

Eine „Herzensangelegenheit“ sei der FC Can für die Bulut-Brüder, schon als kleiner Junge fieberte Sevkan bei Spielen des Vereins mit, damals noch auf dem Vereinsgelände von BV Werder Hannover. Dennoch blieb er zunächst Co-Trainer in Misburg: „Wir waren zwar immer irgendwie in Kontakt, aber da ich damals gerade ein Haus baute, war es mir zeitlich nicht möglich, einen Cheftrainerposten zu übernehmen. Präsident Ali Gündas und Manager Zekeriya Günal wollten mich aber unbedingt und nun, wo die Zeit es zulässt, freue ich mich auf die neue Herausforderung“, berichtet der 33-Jährige.

Die Bilder der Saison 2018/2019 in Hannovers Amateurfußball:

Kirchdorfs Dennis Lattmann kracht nach einem Foul von Björn Fischer in die Bande und bekommt direkt noch eine Bierdusche. Zur Galerie
Kirchdorfs Dennis Lattmann kracht nach einem Foul von Björn Fischer in die Bande und bekommt direkt noch eine Bierdusche. ©

Nächster Schritt: Trainerlizenz

Wichtig sei für ihn gewesen, dass die alte Vereinsführung um Gündas und Günal wieder die Vereinsgeschicke leiten würden, denn als diese zwischenzeitlich aufhörten, ging es mit Mozaik sportlich bergab. Das Abrutschen in die 1. Kreisklasse und der Verlust diverser Spieler tat den alten Machern und Ex-Spieler Bulut weh, Gündas und Gündal sahen sich in der Pflicht. „Volkans Arbeit hier war erfolgreich, wohin diese ihn und den Verein führte, hat man ja gesehen. Nun hofft der Klub, dass mit dem nächsten Bulut auch wieder der Erfolg kommt“, erklärt der ehemalige Verteidiger.

Bulut besitzt derzeit noch keine Trainerlizenz, „das Thema habe ich aber auch schon mit den Verantwortlichen besprochen: Sie melden mich zum Lehrgang an“. Offen ist aktuell noch, für welchen Lehrgang die sportliche Leitung den neuen Chefcoach meldet: „Die Frage ist gerade, ob man als ehemaliger Oberliga-Spieler die C-Lizenz braucht oder direkt ab der B-Lizenz starten kann. Die Info erwarte ich zeitnah, unsere Vereinsführung regelt das.“

Vor dem Erfolg steht harte Arbeit – nicht nur für den angehenden Cheftrainer und die Vereinsführung. Da Bulut aktuell nicht an der Seitenlinie eines Vereins steht, konnte er sein neues Team schon an Spieltagen unter die Lupe nehmen. „Vier bis fünf Spieler werden das Team verlassen. Der Kern wird bleiben. Wir sprechen da von zwölf bis 13 Spielern, die richtig was am Ball können, charakterlich einwandfrei sind“. Die charakterlichen Eigenschaften sind dem 33-Jährigen dabei besonders wichtig: „In dieser Saison steht Mozaik zwar gut in der Tabelle, in der Fairnesstabelle aber ganz unten – das wollen wir ändern und nächste Saison viel besser abschneiden.“

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"Da waren schon ein paar Plauzen dabei, die gilt es abzutrainieren“

Bulut achte bei den potenziellen Neuzugängen (fünf stehen bereits fest, bis zu fünf weitere sollen folgen) speziell auf deren Charakter. Lieber nehme er einen vielleicht etwas schlechteren Spieler im Team auf, „als einen Unruhestifter“. Qualität sei wichtig, Disziplin aber wichtiger: „Ich war als Spieler schon sehr deutsch, Disziplin und harte Arbeit zeichneten mich aus. Und das erwarte ich auch von meinen Spielern. Ich will nicht, dass wir auf die Dörfer fahren und es heißt: ‚die Ausländertruppe‘ oder ‚der hat sein Team nicht im Griff‘“, erklärt der neue Trainer. Und sollte einer seiner Spieler dennoch mal aus der Reihe tanzen? „Dann ist es egal, wer es war: Baut einer Mist, werde ich ihn knallhart rasieren“, untermauert Bulut seine autoritäre Linie.

Die harte Seite des Trainers werden die Spieler des FC Can Mozaik bereits in der Vorbereitung kennenlernen. „Ich hatte ja die Gelegenheit, mir ein paar Spiele anzuschauen, und ich muss sagen: Die Rückwärtsbewegung gefiel mir überhaupt nicht. Ab der 60., 70. Minute waren die Jungs platt. Da waren schon ein paar Plauzen dabei, die gilt es abzutrainieren“, scherzt Bulut, der sein Team für die 1. Kreisklasse gut aufgestellt sieht. In der kommenden Saison möchte der gelernte Defensivspezialist „erfrischenden Offensivfußball“ spielen lassen. Doch ob das überhaupt in der 1. Kreisklasse der Fall sein wird, steht noch gar nicht fest.

Can Mozaik hat sich als Tabellendritter für die Kreisliga-Relegation qualifiziert. Neben ihnen kämpfen auch noch der TSV Schulenburg, der FC Burgwedel sowie SV Eintracht Suttorf um den möglichen Aufstieg. Sevkan Bulut saß am Samstag in Schulenburg beim ersten von drei Relegationsspielen, das Mozaik mit 3:1 für sich entschied, als Spieler auf der Bank. "Bei meinem Abgang aus Misburg habe ich meinen Pass mitgenommen und Mozaik für absolute Notfälle gegeben. Heute fragte mich der Vorstand, ob ich aufgrund von Personalsorgen nicht zumindest bereit für die Bank wäre", berichtet Bulut. Zum Einsatz kam er nicht, "den Aufstieg schaffen die Jungs auch ohne mich", scherzt der neue Coach.

Bilder vom Kreisliga-Relegationsspiel zwischen dem TSV Schulenburg und FC Can Mozaik

Mozaiks Kapitän Erdal Aydogan (hinten) im Duell mit Schulenburgs Mohammed Sanogo. Zur Galerie
Mozaiks Kapitän Erdal Aydogan (hinten) im Duell mit Schulenburgs Mohammed Sanogo. ©

Sevkan Bulut hat einen Traum

Ob Aufstieg oder nicht: In welcher Klasse er Can Mozaik übernimmt, scheint für den 33-Jährigen eine eher untergeordnete Rolle zu spielen: „Wenn wir aufsteigen, wäre das schön. Das Ziel wäre dann zunächst einmal der Klassenerhalt. Sollten wir in der 1. Kreisklasse bleiben, wollen wir auf jeden Fall oben angreifen. Generell soll es wieder nach oben gehen mit Mozaik“, zeigt sich Bulut kämpferisch und verriet abschließend, wovon er insgeheim träumt: „Einmal zusammen mit meinem Bruder einen Profiverein zu trainieren, wie es die Kovac-Brüder machen, das wäre einfach das Größte für mich. Im Fußball kann es ja manchmal ganz schnell gehen, fragt mal meinen Bruder.“