16. Januar 2020 / 15:39 Uhr

Auf der „Schwalbe“ ins Camp von Dynamo Dresden

Auf der „Schwalbe“ ins Camp von Dynamo Dresden

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Dynamo-Fan Heiko Borchert aus Offenbach hält der SGD seit 1971 die Treue.
Dynamo-Fan Heiko Borchert aus Offenbach hält der SGD seit 1971 die Treue. © Jochen Leimert
Anzeige

Die Profis der SG Dynamo Dresden erhielten im Trainingslager in Spanien unerwarteten Besuch. Der Exil-Elbestädter Heiko Borchert fuhr auf einem echten DDR-Kultgefährt am Trainingsplatz in Mijas vor. Dem SPORTBUZZER hat er seine schwarz-gelbe Geschichte erzählt.

Anzeige
Anzeige

Mijas. Wenn er am Trainingsplatz vorfährt, dann hört man ihn schon von weitem: Heiko Borchert knattert auf einer alten „Schwalbe“ den Berg herunter. Der 57 Jahre alte Dynamo-Fan aus Offenbach am Main zieht aber nicht nur wegen des markanten Zweitakt-Sounds alle Blicke auf sich – es ist auch das nicht weniger prägnante Aussehen des DDR-Kultgefährtes, das die anderen Dresdner Fans an alte Zeiten erinnert und die Einheimischen staunen lässt. Denn die Spanier kennen das Zweiradmodell, das von 1964 bis 1986 im Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk Suhl gebaut wurde, nicht. Immer wieder wird Borchert darauf angesprochen und um Fotos gebeten, der Roller ist für die Iberer ein echtes Unikum. Natürlich ist Borchert nicht von Hessen bis nach Andalusien auf der Simson gefahren: „Meine Frau und ich sind mit dem Hund hier vier Monate mit dem Wohnmobil unterwegs. Die ,Schwalbeʻ haben wir hinten drin, das geht gut.“

Fan der SG Dynamo Dresden fährt in Spanien mit der Schwalbe vor

Seit vier Jahren besitzt der passionierte Motorradfahrer die kleine „Zwieback-Säge“, die jeder DDR-Bürger kennt. „Die stand 24 Jahre in einer Scheune, ich habe sie wieder aufgebaut, die Elektrik neu gemacht.“ Er habe sich beim ersten Aufsteigen wieder gefühlt wie mit 17: „Ich bin Motorradfahrer, aber ich liebe meine ,Schwalbeʻ“, feixt er. Den Originallack und die schwarze Sitzbank hat er nicht verändert, denn die Farben erinnern den CNC-Programmierer, der jüngst von seinem Arbeitgeber in den Vorruhestand geschickt wurde, an die Vereinsfarben seines Lieblingsvereins. Der aus Dresden-Leuben stammende Sachse ist seit 1971 Fan der Schwarz-Gelben. Im Jahr des ersten Doubles nahmen ihn seine Kumpels mit ins Stadion, seither hat ihn die Faszination Dynamo nicht losgelassen. Selbst nach seiner Übersiedlung in den Westen nicht. „Ich wollte 1983 über Ungarn abhauen, da haben sie mich am Neusiedler See geschnappt“, erzählt der Fußballfan. Zehn Monate saß er wegen versuchter Republikflucht auf der Bautzner Straße und dann in Naumburg im Knast, ehe er 1984 von der Bundesrepublik freigekauft wurde.

DURCHKLICKEN: Eindrücke vom fünften Tag in Mijas

An der Straße zum Camp werden überall Golfbälle angeboten, Mijas ist bekannt für seine vielen Grüns. Zur Galerie
An der Straße zum Camp werden überall Golfbälle angeboten, Mijas ist bekannt für seine vielen Grüns. © Jochen Leimert
Anzeige

Von Offenbach aus reiste er den Schwarz-Gelben bei EC-Spielen nach. Nicht immer machte das Freude, abgesehen von den Treffen mit anderen Fans: „Ich habe das 0:5 in Wien miterlebt, auch das 3:7 in Uerdingen. In Krefeld habe ich zu Beginn das 1:0 von Ralf Minge aber verpasst, da kam ich erst mit einem Bier auf die Tribüne“, lacht Borchert. Gern erinnert er sich an das 1:2 im UEFA-Cup-Rückspiel beim KSV Waregem im November 1988: „Da waren 200 Ex-Dresdner mit in Belgien.“ Die durften sich trotz der Niederlage freuen, weil im Hinspiel ein 4:1 gelungen war. Noch heute reist der drahtige Borchert zu vielen Auswärtsspielen. Als er erfuhr, dass Dynamo während seiner Spanien-Winterreise nach Andalusien kommt, steuerte er natürlich Mijas an. „Wenn die da sind, muss man natürlich hin!“, so der Wahl-Hesse. Seine auch aus Dresden stammende Frau Mandy erklärt: „Wir waren schon letztes Jahr hier in der Gegend, aber da war Dynamo ja in der Türkei – diesmal passt es.“ Sie und Heiko sind zuversichtlich, dass die SGD den Klassenerhalt in der 2. Liga packt: „Ich bin guter Hoffnung, denke, das sind gute Leute, die wir geholt haben.“ Natürlich müsse das erste Spiel zu Hause gegen den KSC am 29. Januar unbedingt gewonnen werden: „Karlsruhe ist entscheidend – das wissen wir alle.“

Mehr zur SG Dynamo Dresden

Die aktuellen TOP-THEMEN
Anzeige
Sport aus Dresden
Sport aus aller Welt