17. August 2021 / 19:01 Uhr

RB Leipzig auf der Suche nach den Fans: Warum das Stadion nicht voll wird

RB Leipzig auf der Suche nach den Fans: Warum das Stadion nicht voll wird

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
14.06.2021, Sachsen, Leipzig: Fußball: Bundesliga, RB Leipzig. Zwei Kräne und jede Menge Baufahrzeuge stehen an der Red-Bull-Arena. Die Heimspielstätte der Rasenballer wird umgebaut. Die Zuschauerkapazität steigt von 42.558 auf 47.069 auf Steh- und Sitzplätzen. Die Außenseite des Stadions wird mit einer Schallschutzfassade eingehaust. Der die Arena umfassende Damm des ehemaligen Zentralstadions wurde hinter dem historischen Glockenturm aufgeschnitten um Platz für einen neuen Zugang zu schaffen. RB Leipzig investiert bis 2022 gut 60 Millionen Euro in den Umbau. (Luftaufnahme mit Drohne) Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Nicht nur die Red-Bull-Arena wird am Wochenende leerer sein, als es sein könnte. Auch die anderen Bundesliga-Vereine haben Schwierigkeiten dabei ihre Fans ins Stadion zu locken. © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa
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Ganz wie früher oder gar nicht? Die Fans dürfen zurück ins Stadion, dennoch bleiben Tausende Sitzplätze unbesetzt - auch in Leipzig.

Leipzig. Während Jesse Marsch seine Gram gebeugten RB-Fußballer begradigt und die Heimpartie gegen den VfB Stuttgart (20.30 Uhr) mit Elan und Zuversicht anzugehen gedenkt, wird hinter den Kulissen an einer möglichst vollen Bude gewerkelt. 23.500 Fans dürften dabei sein, bisher sind 18.000 Tickets an Männlein/Weiblein gegangen. Ja, ausbaufähig. Ja, bis Freitag soll/wird die 20.000-Grenze fallen. „Ausverkauft“ wird das Kräftemessen zwischen den Auftakt-Verlierern (0:1 in Mainz) und den Tabellenführern (5:1 gegen Greuther Fürth) aber auch dann nicht sein, wenn der gewiefte Club-Boss Oliver Mintzlaff eine Bratwurst pro Karte spendiert.

Weil sich die 31.000 RB-Dauerkarten-BesitzerInnen längst nicht alle mit Tickets versorgt haben (und versorgen), hat der Vizemeister den freien Verkauf gestartet. Notausgang für Helden im Kampf um Zuschauer und Atmosphäre. Beileibe kein Alleinstellungsmerkmal beim jungen Club (seit 2009 auf Gottes Erden), sondern auch bei leibhaftigen Traditionsvereinen wie Borussia Dortmund (1909 geboren) und Borussia Mönchengladbach (1900 gegründet) zu beobachten. Der BVB hat 55.000 (!) Fußball-verrückte Dauerkarteninhaber – und brachte die gegen Frankfurt erlaubte 25.000-Zuschauer-Kulisse erst auf den letzten Freiverkaufs-Pfiff zusammen. Auch den Gladbachern rannten die sonst so treuen Borussen nicht die Bude ein. Obwohl gegen die großartigen Bayern und Julian Nagelsmann gespielt wurde. In Augsburg (Restbestand: 1576 Karten), Wolfsburg (4219), Stuttgart (4392) und Mainz (3000) führte auch der freie Verkauf nicht zur erhofften Kapazitätsgrenze.

Die Gründe fürs Daheim-Bleiben sind vielschichtig. Für die einen gehören Stehplätze zum Stadionerlebnis zwingend dazu. Aktuell wird – wie in der Champions League Usus – gesessen. Anderen ist der Aufwand beim Einlass zu groß (3-G, geimpft, genesen, getestet, Time Slots), das Sitzen in Clustern (Gruppen) und die Maskenpflicht beim Bier-Holen und Wasser-Lassen ein Gräuel. Dass die Karten digitaler Natur sind und in Leipzig via der neuen RBL-Ticket-App viral gehen, korrespondiert nicht mit den Gewohnheiten aller Fans.

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Verfahren viele Anhänger nach dem Motto: Ganz oder gar nicht? Entweder alles unbeschwert wie früher oder Sofa? Und was sagt RB Leipzig zur Schieflage? Das: „Dass die zugelassenen Kapazitäten nicht ausgefüllt werden, ist ein bundesweites Problem, das nicht nur den Fußball, sondern auch Kultur- und Musikveranstaltungen betrifft. Manchen Menschen gehen die bestehenden Regelungen nicht weit genug, anderen ist das alles vielleicht zu kompliziert. Gemeinsames Ziel mit der Politik muss es sein, den Menschen das Vertrauen zurückzugeben, dass Stadionbesuche sicher sind und sich gut anfühlen.“

Durfte nicht auf geliebte „Süd“

Passend zum Thema: ein Erlebnisbericht aus dem Pott. Jürgen Zielinski, langjähriger Chef des Theaters der jungen Welt und glühender BVB-Fan, fährt zu jedem Heimspiel seiner Borussen. Der jung gebliebene 67-Jährige war auch beim 5:2 seiner Herzblätter gegen Frankfurt dabei. „Das Spiel war top, alles andere so lala“, blickt Zielinski auf allerhand Gewöhnungsbedürftiges. „Es gab einen Time Slot (Zeitfenster; Red.), ich musste zwischen 17.15 und 17.30 Uhr rein.“ Am Einlass mussten Zielinski und Co. Impfausweis, Personalausweis und Ticket zücken, danach kam die übliche Leibesvisitation. Weil zeitiges Kommen überlebenswichtig war, der Planet brannte und das DAB-Bier schmeckte, hatten nicht wenige Besucher beim Anpfiff einen sitzen.

Weniger schmackhaft: Zielinski durfte nicht auf seine geliebte „Süd“, sondern saß ohne seine im Rund verstreuten Kumpels in Reihe vier der Ost-Tribüne. Vorteil: Der Mann mit der unverwechselbaren Stimme saß in Hörweite zu BVB-Coach Marco Rose und ist heute noch der Überzeugung, dass Rose den Sportkameraden Hazard wegen qualifizierter Zwischenrufe aus Reihe vier rund wie einen Bus-Lenker gemacht hat.


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Prost: Ur-Krostitzer, seit 2010 Partner der Roten Bullen, zapft weiter. Bis 2025.