11. April 2020 / 11:21 Uhr

"Auf Jahre" für Konstanz sorgen: Hannover 96 bekommt die Kocak-DNA

"Auf Jahre" für Konstanz sorgen: Hannover 96 bekommt die Kocak-DNA

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Kenan Kocaks Spielphilosophie soll künftig nicht nur bei den 96-Profis Anwendung finden. 
Kenan Kocaks Spielphilosophie soll künftig nicht nur bei den 96-Profis Anwendung finden.  © Florian Petrow
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Martin Kind plant mit Kenan Kocak und Gerhard Zuber: Die neuen Verträge der beiden sollen nach Ostern rechtskräftig werden. Der 96-Trainer soll sein System und seine Philosophie auf alle Junioren-Teams übertragen. Dazu suchen er und Sportchef Zuber das Gespräch mit NLZ-Leiter Michael Tarnat.

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Die Fußballwelt durchlebt eine Krise, die ans Eingemachte geht – um im Fußballsprech zu bleiben. Doch eine ganz kleine 96-Welt ist schwer in Ordnung, wenn man Martin Kind glauben darf. Der 96-Profichef traf sich erneut mit Trainer Kenan Kocak und Sportchef Gerhard Zu­ber, „um die neue Saison zu planen. Wir haben dabei auch Hausaufgaben verteilt.“ Danach lobte Kind „die unglaublich leistungsfördernde personelle Zu­sam­men­ar­beit“ im Führungszirkel. Die sei „ge­prägt von Offenheit, Vertrauen und gegenseitiger Akzeptanz. Das ist ein gu­ter Grundstein für die Zu­kunft.“

"Auf Jahre" für Konstanz sorgen

Kind hofft nun, dass es kein 96-typisches Verfallsdatum für diese Personalien gibt. Kocak und Zuber sollen „auf Jahre“ für die Konstanz sorgen, die stets gewünscht und (fast) nie erreicht wurde. Die Vorgänger – Sportchef Jan Schlaudraff und Trainer Mirko Slomka – blieben nur konstant unter den Erwartungen. Nach einem halben Jahr waren sie Geschichte.

Die neuen Verträge von Kocak und Zuber sollen in der Woche nach Ostern rechtskräftig werden. Im Fall Zuber braucht 96 noch eine vom Gericht bestätigte Übereinkunft, um ein Urteil des Arbeitsgerichts aus der Welt zu schaffen – danach ist Zuber unbefristet beschäftigt. „Ich hoffe, wir kriegen das zeitnah vor Gericht hin“, sagt Kind.

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Kocaks DNA und Philosophie implementieren

Zweifel sind nicht mehr erlaubt, Trainer und Sportchef planen nicht nur den Umbau der Mannschaft. Wichtiges Thema des Gipfels war auch das Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) – beziehungsweise die Verbindung zu den Profis. Kocak soll sein 96-Spielsystem nicht nur bei den Profis perfektionieren, sondern auch einheitlich bei allen NLZ-Teams einführen. So wie die Profis sollen auch die Reserve, die U19 und die U17 spielen. „Top down“ soll das künftig funktionieren, erklärt Kind. Dazu soll „Kocak seine DNA und Philosophie im­ple­men­tie­ren“.

Trainer und Sportchef suchen jetzt das Gespräch mit Michael Tarnat, dem NLZ-Leiter. „Beide sollen mitreden und sich im NLZ einbringen“, erläutert Kind, „Ko­cak, der für den Fußball steht, ist dabei besonders wichtig.“

„Ich will etwas bei 96 entwickeln“

Der 75-Jährige setzt großes Vertrauen in den Trainer, der die Aufgabe auch annimmt. „Ich will etwas bei 96 entwickeln“, sagt Kocak und kündigt an: „Wir werden uns das jetzt gemeinsam anschauen.“

Über die drei wichtigsten Verträge von Tarnat so­wie Reserve-Trainer Christoph Dabrowski und U19-Trainer Stephan Schmidt wurde bei dem Dreiergipfel nicht gesprochen. Tarnat, zurzeit in Kurzarbeit, soll bleiben. „Er scheint in Hannover angekommen zu sein“, lobt Kind.

Kocak soll aber nicht nur seinen Bauplan weitertragen, sondern auch „passende Trainertypen“ finden.

Diese Eigengewächse konnten sich bei Hannover 96 nicht durchsetzen - und das machen sie heute

<b>Fynn Arkenberg (Abwehr, fünf Profieinsätze für 96):</b> Seine Karriere startete der Verteidiger beim TSV Havelse. Von dort aus ging es 2011 in die Jugend von Hannover 96, in der Arkenberg die U17 und die U19 durchlief. Im Jahr 2016 dann der bisherige Höhepunkt seiner Karriere: Gegen die TSG Hoffenheim und gegen den FC Bayern München wurde der damals 20-Jährige zu den Profis berufen. Insgesamt absolvierte er fünf Partien für die erste und 69 Partien für die zweite Mannschaft der Roten, bis er Hannover 96 in Richtung Halle verließ. Zur Galerie
Fynn Arkenberg (Abwehr, fünf Profieinsätze für 96): Seine Karriere startete der Verteidiger beim TSV Havelse. Von dort aus ging es 2011 in die Jugend von Hannover 96, in der Arkenberg die U17 und die U19 durchlief. Im Jahr 2016 dann der bisherige Höhepunkt seiner Karriere: Gegen die TSG Hoffenheim und gegen den FC Bayern München wurde der damals 20-Jährige zu den Profis berufen. Insgesamt absolvierte er fünf Partien für die erste und 69 Partien für die zweite Mannschaft der Roten, bis er Hannover 96 in Richtung Halle verließ. ©

Blitzangriffe à la RB Leipzig?

Wie sieht denn nun die Kocak-DNA aus? Die Basis ist eine modifizierte RB-Leipzig-Spielvariante. Mit hohem Attackieren und Pressing, laufintensiv auch in der Qualität der Sprints – und mit Blitzangriffen. Am nächsten kam die 96-Mannschaft bisher Kocaks Wunschbild in der ersten Halbzeit des Heimspiels gegen Stuttgart, als es viele Torchancen über die 1:0-Führung hinaus gab. Die Partie endete kurz vor Weihnachten 2:2.

Nun soll die Saison am zweiten Maiwochenende wieder aufgenommen werden. Kind ist „optimistisch, dass es dann losgeht“. Ko­cak hat neben der Vorbereitung darauf jetzt noch die Hausaufgabe, seine Erbinfos an die 96-Jugend weiterzugeben.