07. Oktober 2021 / 16:16 Uhr

FC Hansa Rostock: Auf Kurs Klassenerhalt

FC Hansa Rostock: Auf Kurs Klassenerhalt

Sebastian Lindner
Ostsee-Zeitung
Durchaus Grund zur Freude bei Hansa: Nach dem ersten Viertel der Saison ist das Team von Trainer Jens Härtel (M.) auf Kurs Klassenerhalt.
Durchaus Grund zur Freude bei Hansa: Nach dem ersten Viertel der Saison ist das Team von Trainer Jens Härtel (M.) auf Kurs Klassenerhalt. © Lutz Bongarts
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Nach dem ersten Viertel der Saison ist Hansa Rostock knapp im Soll und steht über dem Strich. Optimal läuft aber noch längst nicht alles. Eine Zwischenbilanz.

Ein gutes Viertel seiner ersten Saison in der 2. Bundesliga nach neun Jahren Drittklassigkeit hat der FC Hansa Rostock bereits absolviert. Die Bilanz des verlängerten Saisonstarts fällt dabei durchaus den Erwartungen des Clubs entsprechend aus. Das vor der Spielzeit definierte, über allem stehende Ziel Klassenerhalt scheint erreichbar zu sein.

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Hansa ist in der 2. Liga angekommen, das lässt sich ohne Zweifel so feststellen. Drei Siege, ein Unentschieden und fünf Niederlagen machen in Summe zehn Punkte aus neun Spielen. Die klassische 40-Punkte-Marke, die jeder Abstiegskandidat anpeilt, um ein weiteres Jahr in der Liga zu bleiben, ist bei gleichbleibendem Schnitt in Reichweite.

Lehrgeld ist bezahlt

Dabei haben sich die Rostocker bisher unter Wert verkauft. Oder mit anderen Worten: Nicht die Zähler gesammelt, die, den Spielverlauf zu Grunde gelegt, vielleicht möglich gewesen wären. Das viel zitierte Lehrgeld musste Hansa zahlen. Zum Auftakt etwa gegen Karlsruhe (1:3). Aber auch gegen Nürnberg (0:1) oder Schalke (0:2) war das Team von Trainer Jens Härtel mindestens ebenbürtig, stand am Ende jedoch mit leeren Händen da.

Vor dem bis dato letzten Spiel gegen Kiel erklärte Hansa-Verteidiger Thomas Meißner, es sei nun genug bezahlt. So sah es offenbar die gesamte Mannschaft und fuhr gegen Holstein drei Punkte ein, bevor sie in die Länderspielpause ging. Mindestens zwei davon waren glücklich. Dass die Rostocker auch Matches für sich entscheiden können, in denen sie nicht besser als der Gegner sind, haben sie zur Genüge im letzten Drittliga-Jahr gezeigt. Eine Etage weiter oben könnte das im Kampf gegen den Abstieg zur entscheidenden Qualität werden.

Allerdings war ein deutlicher Unterschied im Leistungsniveau in den bisherigen Spielen kaum zu erkennen. Nur bei der Niederlage in Bremen (0:3) lief Hansa hoffnungslos hinterher. Dabei hat die Kogge mit den beiden Absteigern aus der Bundesliga, Werder und Schalke, Heidenheim, Hannover und den immer noch unbesiegten Nürnbergern bereits allerhand Gegner bespielt, die alle im Kampf um die vorderen Plätze in der Tabelle mitspielen oder zumindest diesen Anspruch haben.

Chancentod Mamba, Omladic spielfreudig

Was Hansa im letzten Jahr ausgezeichnet hat, war die mannschaftliche Geschlossenheit. Das trifft leistungstechnisch auch für diese Saison wieder zu. Was auf den ersten Moment zwar in erster Linie positiv klingt, kann aber auch anders ausgelegt werden. Denn Hansa fehlt ein Unterschiedsspieler, der auch mal kritische Spielstände zu Gunsten Rostocks beeinflussen kann.


Streli Mamba könnte das sein. Zumindest in der Theorie. Als schnellster Spieler der Liga hat sich der Sommer-Neuzugang bereits einige Großchancen herausgespielt, doch bisher fast alle (1 Tor) vergeben. Ihm fehlt die Kaltschnäuzigkeit. Am ehesten trifft die Bezeichnung noch auf Nik Omladic zu. Dem kleinen Slowenen kommt der Aufstieg am meisten zu Gute, sind in der 2. Liga die technischen Fertigkeiten doch noch eher gefragt als eine weiter unten. Seine Dribblings haben schon öfter für Gefahr gesorgt, im Abschluss fehlte dann aber meist das Glück. Als Standardschütze ist er aber unersetzlich.

Behrens noch nicht der erhoffte Leitwolf, Lichtblick Schumacher

Neben dem wieder aufblühenden Omladic ruft auch John Verhoek konstant seine Leistung ab. Zwar ist er mit seinen fünf Toren nicht der beste Torschütze der Liga, wohl aber der effektivste, da er dafür nur elf Versuche benötigte. Ziel der Mannschaft muss es sein, den Niederländer häufiger in Abschlussposition zu bringen.

Torgefahr sollte auch aus der Distanz hervorgehen, dazu wurde in Hanno Behrens einer der treffsichersten Mittelfeldspieler der Liga geholt. Diese Stärke hat der Ex-Nürnberger aber noch nicht unter Beweis stellen können. Auch der erfahrene Leitwolf, den sich Coach Härtel auf dem Platz wünscht, ist Behrens noch nicht in dem Maße, wie er es in seiner Vergangenheit schon war. Solide ist das, was der 31-Jährige anbietet, aber allemal.

Das trifft auch auf die weiteren Neuzugänge wie Lukas Fröde, Calogero Rizzuto, Ridge Munsy und Svante Ingelsson zu, wenngleich die Erwartungen an den Schweden höher waren. Das gilt auch für Thomas Meißner, der im Abwehrzentrum noch nicht die gewünschte Souveränität ausstrahlt. Und Jonathan Meier, der als Linksverteidiger und Ersatz für den Langzeitverletzten Lukas Scherff (Kreuzbandriss) überhaupt noch nicht angekommen ist. Ein Lichtblick unter den Neuen ist Kevin Schumacher, dessen Wechsel aus der Regionalliga direkt in die 2. Bundesliga anfangs etwas belächelt wurde. Doch der 23-Jährige Flügelflitzer hat bereits acht Einsätze auf dem Konto und zumindest die Anlagen dazu, dass daraus mehr werden könnten.

Fazit: Obwohl noch nicht alles optimal läuft, steht Hansa nach dem ersten Saisonabschnitt im Soll. Der Kurs Klassenerhalt ist damit gesetzt.

Statistiken

Laufleistung:

Hansa: 1035 km (Platz 9), zum Vergleich: Hamburger SV 1058 km (1)

Einzelspieler: ​Damian Roßbach 88,1 km (45), Hanno Behrens 87,1 km (53), Thomas Meißner 85,1 km (60), Ron Schallenberg 107 km (1, SC Paderborn)  

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Sprints

Hansa: ​1941 (3), Heidenheim 2165 (1)

Einzelspieler: ​John Verhoek 215 (14), Bentley Baxter Bahn 187 (31), Calogero Rizzuto 173 (43), Tim Kleindienst 311 (1, Heidenheim)

Schnellster Spieler

Streli Mamba 35,97 km/h (1), Ridge Munsy 34,67 km/h (9.), Kevin Schumacher 34,58 (14)

Ballbesitz

Hansa: ​47 Prozent (14), Hamburger SV 65 Prozent (1)

Passquote

Hansa: ​74,1 Prozent (17), Hamburger SV 87,4 Prozent

Einzelspieler: ​Thomas Meißner 85,67 Prozent (36), Damian Roßbach 81,6 Prozent (58), Streli Mamba 74,49 Prozent (95), Jasper van der Werff 94,02 (1, Paderborn)

Zweikämpfe gewonnen

Hansa: ​911 (12), Schalke 04 1019 (1)

Einzelspieler: ​John Verhoek 99 (21), Hanno Behrens 79 (59), Calogero Rizzuto, Damian Roßbach, Thomas Meißner 71 (77)

Fouls

Hansa: ​108 (4), Erzgebirge Aue 117 (1)

Einzelspieler: ​Bentley Baxter Bahn, Svante Ingelsson 12 (20), John Verhoek 11 (30)

Karten

Hansa: ​25 (1), Fortuna Düsseldorf 23 (2)

Einzelspieler: ​Calogero Rizzuto 4, Thomas Meißner, Lukas Fröde 3

Torschüsse

Hansa: ​95 (17), Fortuna Düsseldorf 149 (1)

Einzelspieler: ​Streli Mamba 18 (21), Nik Omladic 15 (30), Hanno Behrens, John Verhoek 11 (54)

Tore

Hansa: ​10 (12), Darmstadt 21 (1)

Einzelspieler: ​John Verhoek 5 (6), Nik Omladic, Streli Mamba, Ridge Munsy, Lukas Fröde, Hanno Behrens 1 (45), Simon Terodde 11 (1)

Gehaltene Torschüsse

Markus Kolke 36 (3), Jannik Huth 49 (1, Paderborn)

Quelle: www.bundesliga.com