08. Januar 2021 / 16:16 Uhr

Auf Regen folgt Sonnenschein: Döbelner SC kennt sich mit Krisen aus

Auf Regen folgt Sonnenschein: Döbelner SC kennt sich mit Krisen aus

Marc Bohländer
Leipziger Volkszeitung
Still ruht aktuell auch der große Hauptrasenplatz des Döbelner SC.
Still ruht aktuell der große Hauptrasenplatz des Döbelner SC. © Sven Bartsch
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Der Döbelner SC musste schon so manche Krise bewältigen. Vor allem die Flutkatastrophen 2002 und 2013 trafen den Verein hart. Seitdem hat sich beim Kreisoberligisten viel getan und der Klub erstrahlt in neuem Glanz. Nun beschert die Corona-Pandemie viele Probleme, doch sind die Sachsen dadurch nicht erschüttert.

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Döbeln. Malerisch, weitläufig und momentan etwas verlassen – so präsentiert sich der Döbelner Heinz-Gruner-Sportpark im Januar 2021. Doch die allgemeine Gesamtsituation kann den hier ansässigen Döbelner SC nicht erschüttern, schließlich ist man durchaus krisenerprobt.

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Wer sich mit dem an der Mulde gelegenen Sportgelände beschäftigt, kommt an den beiden Jahreszahlen 2002 und 2013 einfach nicht vorbei. Diese Jahre markieren Flutkatastrophen, die auch Döbeln samt dem DSC mit voller Härte trafen. Präsident Thomas Kolbe erinnert sich: „Katastrophe ist der richtige Ausdruck. Das Wasser stand eine ganze Weile komplett auf dem Gelände. Die erste Zeit war geprägt von einem Gefühl der Hilflosigkeit, auch beim DSC.“

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Ruinös sah es danach Allerortens aus – auch dank des neu erbauten Muldendamms kam man 2013 etwas glimpflicher davon. Der DSC hatte aus dem Fiasko 2002 gelernt und die Infrastruktur merklich verbessert, wie Präsi Kolbe anmerkt: „Die Kabinen waren nun zum Beispiel gefliest. Außerdem war nicht alles auf dem Gelände ebenerdig, der neue Kunstrasen und der Zweitplatz liegen ja auf einer Anhöhe. Alles in allem ging es 2013 schneller weiter – man konnte besser mit der Situation umgehen.“

Dunkle Stunden passé

Eine Garantie dafür, dass eine solche Katastrophe den DSC nicht wieder trifft, gibt es aber nicht. „Der Damm ist ausreichend und hält, allerdings funktionieren Hochwasserschutzmaßnahmen auf lokaler Ebene nur zu einem gewissen Grad. Entscheidend für uns ist, wie im Fall der Fälle die Situation im Erzgebirge aussieht“, erklärt Kolbe.


Die dunklen Stunden liegen allerdings definitiv hinter dem Gruner-Sportpark, und das ist auch gut so. Seit der Renovierung und diversen Neubauten finden sich vor Ort zwei schicke Rasenplätze, ein Kunstrasen und ein Kleinfeldkunstrasen. Das Areal fasst rund 4.750 Stehplätze, die Tribüne am Hauptplatz 250 überdachte Sitzplätze.

Bevor Corona im Oktober dem Spiel- und Trainingsbetrieb ein zweites Mal den Stecker zog, herrschte auf den Plätzen Hochbetrieb. Und dabei ist die erste Männermannschaft nur die Spitze des Eisbergs – schließlich setzt der DSC seit geraumer Zeit erfolgreich auf das Pferd der Jugend.

Professionellere Strukturen aufgebaut

Aus jedem Desaster kann auch etwas Gutes entstehen. 2014 zog der DSC einen echten Fang an Land, Ulrich Löser wechselte als Leiter in das neugegründete Nachwuchsleistungszentrum. Der Inhaber der Trainer-B-Lizenz arbeitet seitdem erfolgreich mit den anderen Übungsleitern und sorgt dafür, dass der Döbelner Nachwuchs die bestmögliche Fußball-Ausbildung erhält.

Kolbe berichtet: „Wir wollten professionellere Strukturen aufbauen, und das ist uns gelungen. Uli Löser hat vieles etabliert, mittlerweile sind wir auch DFB-Stützpunkt für die Region. Wichtig war uns ein klares Konzept und eine Strategie, die Entwicklung einer Pyramide.“ Rund 14 Teams wollen vereinsweit auf die Weide gelassen werden, das sprengt auch die Kapazitäten des Gruner-Sportparks. Deshalb weichen diverse DSC-Truppen für ihre Punktspiele in das Stadion im Döbelner Bürgergarten aus.

Viele Jugendspieler nachgerückt

Eben dieses wurde in den vergangen Jahren bei Bedarf auch zur Heimstatt der ersten Männer bei Risikospielen, da Fan-Ströme vor Ort dank zweier Eingänge reguliert werden können. Randnotiz: Ligarivale Roßweiner SV nutzte 2019 während des Umbaus des eigenen Stadions den Bürgergarten als Spielort für seine Heimpartien.

Bei den Döbelnern sickern seit der vergangenen ersten Corona-Saison immer mehr Kicker aus dem eigenen Jugendbereich in die Erste. Nach schwierigen Jahren und zwei Abstiegen bis hinunter in die Kreisoberliga kicken aktuell unter Coach Thomas Henschel viele Jungspunde, die dieser bereits in den Juniorenteams betreute. Die Sonne, sie scheint wieder über dem Gruner-Sportpark.

Aktuell gastieren an der Mulde allerdings eher kleine Fische. Das war auch schon mal anders, in den späten Neunzigern und den 2000er-Jahren machten unter anderem die Uwe-Seeler-Traditionself, Dynamo Dresden und Energie Cottbus ihre Aufwartung in der Stiefelstadt. Der Döbelner Heinz-Gruner-Sportpark ist auf jeden Fall bereit für große Spiele und Aufgaben – sobald man nach Corona wieder von der Kette gelassen wird.