23. Juli 2022 / 13:11 Uhr

Aufbruchstimmung bei Borussia Mönchengladbach: Statt Favre kam Farke – und mit ihm die Euphorie

Aufbruchstimmung bei Borussia Mönchengladbach: Statt Favre kam Farke – und mit ihm die Euphorie

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Gladbach-Trainer Daniel Farke (links) hat bei den Profis um Lars Stindl einen guten ersten Eindruck hinterlassen.
Gladbach-Trainer Daniel Farke (links) hat bei den Profis um Lars Stindl einen guten ersten Eindruck hinterlassen. © IMAGO/Revierfoto/Moritz Müller (Montage)
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Der neue Trainer Daniel Farke hat bei Borussia Mönchengladbach eine Euphorie entfacht, dabei soll er den Klub erst mal stabilisieren. Und eigentlich sollte er gar nicht da sein. Dass es anders gekommen ist, freut nicht nur Routinier Lars Stindl, der die Arbeit des neuen Chefcoachs im RND-Gespräch lobt. 

Alle Beteiligten waren einverstanden, Details besprochen, der Vertrag lag bereit – und dann kam alles anders. Und nun heißt der Trainer, mit dem Borussia Mönchengladbach in die neue Saison geht, nicht Lucien Favre, sondern Daniel Farke.

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Tatsächlich sollte der Schweizer Coach, der am Niederrhein Heldenstatus genießt, sein Kunststück von 2011 wiederholen, als er aus einem Abstiegskandidaten einen Champions-League-Teilnehmer formte. Doch der wankelmütige Favre sagte in letzter Sekunde ab und stürzte viele Gladbacher Anhänger damit ins Tal der Tränen. Gut sechs Wochen später ist aus der Skepsis aber fast schon so etwas wie Aufbruchstimmung geworden rund um den Borussia-Park – dank Farke.

"Die Stimmung in der Mannschaft und auch um den Verein herum, bei den Fans, empfinde ich als sehr gut, und ich denke, dass man angesichts des Trainerwechsels durchaus von einer Art Neuanfang sprechen kann." Das sagt einer, der es wissen muss, Kapitän Lars Stindl, der im Gespräch mit dem Re­dak­tions­Netz­werk Deutschland (RND) feststellt, "dass Farke schon jetzt eine Bereicherung für die Borussia ist".

Tatsächlich hat es der 45-Jährige geschafft, Spieler, Mitarbeiter und Fans abzuholen. Bei seiner Vorstellung antwortete er auf die Frage, ob er sich nach der Favre-Absage wie eine B-Lösung fühle: "A, B, C – vielleicht werde ich ja die D-Lösung. D wie Dauerlösung."

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Das wäre wohl nicht nur der Wunsch des Mannes, über den Jürgen Klopp sagte, er würde ihn und Pep Guardiola mit auf eine einsame Insel nehmen, wenn er sich zwei Trainer aussuchen dürfte. Wie die Weltcoaches ist auch Farke ein Typ, der sein Ding durchzieht. Mit Norwich City stieg er zweimal in die Premier League auf und rückte nie von seinem Stil ab: Pressing, Ballbesitz, schnelles Umschaltspiel – selbst wenn es auf die Mütze gab, sogar im Abstiegsjahr. Der Ostwestfale macht klare Ansagen und ist auf dem Trainingsplatz gern mit Trillerpfeife unterwegs. Sich selbst beschreibt er als "Workaholic", er sei "penibel."

Bei Stindl klingt das so: "Der Trainer ist sehr direkt, sehr professionell, sehr akribisch, und es ist schon bewundernswert, wie detailversessen er ist."

Noch viele Fragezeichen bei der Kaderplanung

Nach einer Achterbahnsaison, die nach Irrungen und Wirrungen, dem Rücktritt von Sportdirektor Max Eberl und der Entlassung von Trainer Adi Hütter auf Platz zehn endete, soll Farke Borussia zunächst mal wieder stabilisieren.

Mit Matthias Ginter sowie Breel Embolo gibt es bislang zwei namhafte Abgänge. Doch was ist mit Torhüter Yann Sommer, mit DFB-Überflieger Jonas Hofmann, dem Bundestrainer Hansi Flick bereits eine WM-Garantie gab? Und was mit den Offensiven Marcus Thuram und Alassané Plea? Bei allen ist offen, ob sie am ersten Spieltag noch die Raute auf der Brust tragen.

Neben dem 18-Jährigen Toptalent Oscar Fraulo (FC Midtjylland) ist es Eberl-Nachfolger Roland Virkus gelungen, einen Wunschspieler des neuen Übungsleiters zu verpflichten – Ko Itakura, der zuletzt von Manchester City an Schalke 04 ausgeliehen war und 5 Millionen Euro kostete. Der Japaner soll Borussias Gesicht der Zukunft werden. Geht es nach Virkus, neben Sommer, Hofmann – und Daniel Farke.

Prognose des Autors: Die Euphorie um Coach Farke ist groß in Mönchengladbach. Gleichwohl ist der neue Trainer von der Besetzung seines Kaders abhängig – und da gibt es noch einige Fragezeichen. Ein einstelliger Tabellenplatz sollte aber das Mindestziel sein.

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