05. Juli 2017 / 16:25 Uhr

Aufregung im Fanlager: Hannover 96 lehnt rund 120 Mitgliedsanträge ab

Aufregung im Fanlager: Hannover 96 lehnt rund 120 Mitgliedsanträge ab

Carsten Bergmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Martin Kind plant für den Fall eines Nichtaufstiegs von 96 zweigleisig.
Martin Kind bei der Mitgliederversammlung im April 2017. © Lobback
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Hannover 96 hat etwa 120 Mitgliedsanträge aus dem Umfeld der Fanbewegung "IG Rote Kurve" abgelehnt. Martin Kind: "Im Interesse des Vereins."

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Große Aufregung im Fanlager von Hannover 96. Der Verein hat circa 120 Mitgliedsanträge abgelehnt, die die Fanbewegung „IG Rote Kurve“ beim Auswärtsspiel in Sandhausen gesammelt hat – ohne Begründung.

„Vielen Dank für Ihren Mitgliedsantrag, den wir erhalten und satzungsgemäß geprüft haben. Wir haben uns dazu entschieden, Ihren Aufnahmeantrag abzulehnen.“ Diese Worte erreichten die 96-Fans und lösten Entsetzen aus. „Die wirklichen Motive kann man nur erahnen. Ich halte das für einen großen Eingriff in die Vereinskultur und alles andere als richtig“, sagt ein Antragsteller, der nicht namentlich genannt werden will.

Am 24. Mai erreichten Hannover 96 die Anträge, bisher erhielten die Mitglieder mit Verweis auf die Urlaubszeit vertröstende Worte, warum sie so lange auf eine Antwort warten mussten. Auch 96-Aufsichtsratsmitglied Ralf Nestler schaltete sich in den Prozess ein, forderte eine schnelle Genehmigung und eine Entschuldigung. Beides gibt es von 96 nicht. Im Gegenteil: Gestern folgte die Absage.

Tiefe Risse zwischen 96-Vorstand und Teilen der Fanszene

Martin Kind sagte dazu einzig: „Wir bestätigen, dass wir im Interesse des Vereins Hannover 96 die Entscheidung getroffen haben, 119 Mitgliedsanträge abzulehnen.“ Das war's. Keine Begründung, dafür viele offene Fragen.

Es klaffen tiefe Risse zwischen 96-Vorstand und Teilen der Fanszene. Streitpunkt ist vor allem die Abschaffung der 50+1-Regelung, die 96-Präsident Martin Kind vorantreibt. Die Anhänger fürchten einen Identitätsverlust. Auf der vergangenen Mitgliederversammlung scheiterte ein Antrag auf Satzungsänderung zum Schutz der Klausel nur knapp. Allerdings stimmte die Versammlung für einen Vorstoß, der besagt, dass Martin Kind seinen Übernahmeantrag noch einmal den Mitgliedern zur Abstimmung und Freigabe vorlegen müsse. Fest steht: Der Großteil der 120 Neuantragsteller will die Investorenregel behalten. War das ein Grund für die Ablehnung?

Die Bilder von der Mitgliederversammlung von Hannover 96 im April 2017:

96-Präsident Martin Kind auf der Jahreshauptversammlung im April 2017. Zur Galerie
96-Präsident Martin Kind auf der Jahreshauptversammlung im April 2017. ©
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In einem offenen Brief im Nachgang an die hitzige Mitgliederversammlung wandte sich der 96-Vorstand an seine Mitglieder, forderte einen fairen Umgang und gegenseitigen Respekt. Nach dem Ablehnungsbescheid nun stellt Fananwalt Andreas Hüttl die Glaubwürdigkeit des 96-Appells infrage. „Es hat den Anschein, dass kritische Fans nicht aufgenommen werden sollen. Und das ist gerade im Kontext des offenen Briefes, in dem Debattenkultur und Respekt vor verschiedenen Meinungen propagiert wurde, sehr merkwürdig.“

Der Jurist wartet gespannt auf die Begründung für das Nein. In der Satzung von Hannover 96 habe er nämlich keine Ausschlusskriterien gefunden. Er befürchtet ein „möglicherweise undemokratisches Vorgehen. Es ist widersprüchlich, auf der einen Seite große Kampagnen zur Gewinnung neuer Mitglieder zu fahren und auf der anderen Seite Fans, die mitgestalten möchten, abzulehnen.“

Die Reaktionen auf Twitter fallen sehr negativ aus: "Sehr schwach von meinem Verein", schreibt etwa User Follix und wirft Hannover 96 eine "Meinungsgleichschaltung" vor. "Ich dachte so etwas gibt es nur in Nordkorea ...".

Mit einem Simpsons-Gif und einem erfundenen Zitat eines 96-Angestellten ätzt User "Strohhut" über den Fall. "Herr Kind, die neuen Mitgliedsanträge wurden wie geplant abgeleht. Ihrem Machterhalt bei #H96 steht damit nichts mehr im Wege!" heißt es in dem Tweet.

Verärgert äußert sich auch User "96er": Er glaubt, dass nun "Streit und Eskalation" bei der nächste Jahreshauptversammlung von Hannover 96 "vorprogrammiert" sei. In einem weiteren Tweet schreibt er, dass dieses Vorgehen für ihn "vereinsschädigend" wirke.

Viele User glauben, dass es sich nicht um einen Zufall handelt. Stattdessen wird vermutet, dass so die Anzahl der Kritiker der Übernahmepläne von Martin Kind bewusst klein gehalten werden sollen.

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