01. Mai 2018 / 16:32 Uhr

Aufsichtsrats-Chef Witter: "Horst Heldt hätte gut zum VfL Wolfsburg gepasst"

Aufsichtsrats-Chef Witter: "Horst Heldt hätte gut zum VfL Wolfsburg gepasst"

Tim Lüddecke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Frank Witter sprach über die Lage beim VfL Wolfsburg
Frank Witter sprach über die Lage beim VfL Wolfsburg © Boris Baschin
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Krisenzeiten beim VfL Wolfsburg: Ab Mittwoch bezieht der abstiegsbedrohte Bundesligist ein Kurz-Trainingslager und bereitet sich in Teistungen auf die Partie in Leipzig vor. Am Rande des Trainings am Dienstag nahm der neue Aufsichtsratsvorsitzende Frank Witter zur Lage des VfL ausführlich Stellung.

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Am Tag der Arbeit nahm der neue VfL-Aufsichtsratsvorsitzende Frank Witter erstmals auch direkten Kontakt zu der Wolfsburger Mannschaft auf. Nach der Einheit am Dienstagmorgen ließ er sich in der Kabine blicken, um auf die Profis einzuwirken - und um nichts unversucht zu lassen, den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga zu sichern. "Es war interessant, bei der Mannschaft gewesen zu sein und die Jungs mal live und in Farbe zu sehen", sagte der 58-Jährige. Dabei äußerte sich Witter auch erstmals ausführlich zu...

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...seiner Person: Ich bin der Neue. Es war auch nicht geplant, dass ich das so spontan übernehme. Aber ich habe gesagt, ich mach's, weil die Umstände aktuell schwierig und anspruchsvoll sind und mir war wichtig, dass hier Kontinuität reinkommt, nachdem Francisco Garcia Sanz leider seinem Leben eine andere Richtung gegeben hat, was er sich natürlich verdient hat nach so vielen Jahren an vorderster Front. Ich habe ja auch mal ein bisschen gekickt in der 2. Liga und Fußball war und ist wichtig für mich.

...der Situation beim VfL: Die Umstände sind sicherlich schwierig. Ich kenne solche Situationen auf niedrigerem Niveau. Und von daher weiß ich, dass es jetzt vor allem auf Fokus ankommt und alles, was der Mannschaft hilft – das sollten wir tun. Wenn man glaubt, der Witter muss jetzt in Zwecksoptimismus machen – dann ist das so, das muss er auch. Aber ich glaube ja auch selbst dran. Ich kann ja nicht anfangen, als Erster abzuwinken und sagen: Das schaffen wir nicht. Es gibt auch keinen Grund, warum wir es nicht schaffen können. Doch dazu gehören eine mannschaftliche Geschlossenheit und der Glaube. Ich denke aber, diese Mannschaft hat Potenzial.

Das sind die Bilder zum Spiel VfL Wolfsburg gegen den Hamburger SV:

Josuha Guilavogui (links) lässt Lewis Holtby aussteigen. Zur Galerie
Josuha Guilavogui (links) lässt Lewis Holtby aussteigen. ©

...der Psyche im Abstiegskampf: Es geht im Grunde darum, was zwischen den Ohren passiert. Und das ist schwierig, da ist viel Druck, zum einen über die Öffentlichkeit und man macht sich den Druck ja auch selbst. Wir haben auch am Samstag gesehen, dass eine Mannschaft, wenn sie über Zeit Mut gewinnt, wie der HSV ein gutes Spiel machen kann. Das konnte man am Samstag besichtigen – und deren Situation war ja noch viel schlimmer und schwieriger. Insofern muss man da auch einfach den Glauben gewinnen und das Quäntchen Glück haben für solch ein Erfolgserlebnis. Wenn man als Mannschaft geschlossen auftritt, dann kann viel passieren. Das habe ich selber erlebt und dann geht auch was gegen Mannschaften, die vermeintlich übermächtig sind. Das ist das Schöne am Fußball – aber auch das Schwierige. Aber am Ende des Tages zählt nicht, was ich hier erzähle, sondern was auf dem Platz passiert. Wir haben noch alle Chancen selbst in der Hand, nicht mehr und nicht weniger. Alles andere wäre unrealistisch.


...einem neuen Anlauf bei Horst Heldt: Herr Kind hat doch alles gesagt, dem habe ich nichts hinzuzufügen. Es war von vornherein klar, dass Herr Heldt einen langfristigen Vertrag unterschrieben hat und damit liegen alle Karten bei Hannover 96. Ich kenne Herrn Kind und respektiere ihn seit vielen Jahren. Hannover 96 wäre vielleicht gar nicht mehr da ohne ihn, er ist eine Institution in der Branche und wir haben seine Entscheidung zu respektieren. Und ich habe keine andere Information, dass sich daran was ändern wird.

Die Spieler des VfL Wolfsburg gegen den Hamburger SV in der Einzelkritik:

Koen Casteels: Der Belgier entschied sich beim Elfmeter von Wood für die falsche Ecke. Beim 0:2 chancenlos. Verhinderte zwar noch eine höhere Niederlage. Den zweiten Elfmeter hält er, der Nachschuss sitzt dann aber. Ist als Torwart einer desaströsen VfL-Mannschaft aber sonst einfach nur machtlos.  - Note: 4  Zur Galerie
Koen Casteels: Der Belgier entschied sich beim Elfmeter von Wood für die falsche Ecke. Beim 0:2 chancenlos. Verhinderte zwar noch eine höhere Niederlage. Den zweiten Elfmeter hält er, der Nachschuss sitzt dann aber. Ist als Torwart einer desaströsen VfL-Mannschaft aber sonst einfach nur machtlos. - Note: 4  ©

...der weiteren Geschäftsführer-Suche: Es wäre verwegen, die neue Saison ohne einen neuen sportlichen Leiter anzugehen. Natürlich suchen wir und werden wir die Position wieder füllen. Aber wir werden auch abwägen: Wer passt zu uns? Wer hilft uns weiter? Wer hat das Commitment zum Verein und passt zu der Linie, die wir fahren wollen. Natürlich ist das eine der Top-Personalien, die wir anzugehen haben.

...anderen Kandidaten: Ob wir nur auf die Karte Heldt gesetzt haben oder nicht, ist müßig. Wir werden auch nicht alle Karten auf den Tisch legen. Horst Heldt wäre jemand gewesen, der gut zu uns gepasst hätte. Und mehr kann ich dazu nicht sagen.

...möglichen Maßnahmen, auf die es ankommt: Der ganze Fokus gilt den zwei Spielen und da kommt es auf die Mannschaft an. Da ist die entscheidendste Personalie der Trainer und sein Stab. Die beeinflussen das, die haben das Sagen in der Kabine und sind die wesentlichen Ansprechpartner für die Spieler. Und denen den Rücken zu stärken und alles zu tun, dass sie ihre Arbeit bestmöglich machen können, das ist der Fokus.

​"Olaf Rebbe hat keine Schuld an der sportlichen Situation."

...das Aus von Olaf Rebbe: Ich glaube, Olaf Rebbe hat wirklich keine Schuld an der sportlichen Situation, wie sie sich im Moment darstellt. Im Endeffekt kann man für die letzten Spiele nichts mehr verändern, der Kader ist wie er ist. Eine weitere Veränderung? Ich glaube, es geht jetzt um Konstanz, um Ruhe und Zusammenhalt. Die Freistellung war nicht ideal, da rede ich auch nicht drumherum, dass das einen Tag vor dem Spiel so laufen musste. Aber es waren die Umstände und wir alle sind Menschen und der 30.6. wäre vom Timing sicherlich der bessere Termin gewesen. Am Ende des Tages sind es auch die Umstände, die solche Entscheidungen dann mittreiben.

...die Sportdirektor-Vakanz: Ich glaube nicht, dass wir jetzt ein Vakuum haben, was am Ende des Tages die Mannschaft beeinflusst. Entscheidend ist, wie der Trainerstab mit der Mannschaft funktioniert und wenn ich mal aus meiner eigenen Erfahrung sprechen darf: Wenn es auf den Platz geht, kommt es auf die Mannschaft an und nicht auf die Geschäftsstelle. Reizpunkte setzt der Trainer, und jetzt geht es ins Trainingslager.

...der Infragestellung von Trainer Bruno Labbadia: Ich kenne solche Diskussionen nicht. Wir haben bewiesen, dass Traineraustausche nicht immer zwangsläufig zum Erfolg führen und Bruno Labbadia hat die Mannschaft in einer sehr schwierigen Phase sehr spontan übernommen. Wir alle und er besonders hätten uns mehr Punkte gewünscht, aber das Leben ist kein Wunschkonzert. Da sind viele Faktoren ausschlaggebend. Die vielen Verletzten, aber auch der Druck, der hier auf allen lastet. Insofern gelten jetzt nur die letzten zwei Spiele. Und alle anderen haben sich dafür in den Hintergrund zu schieben.

...der Unruhe im Umfeld: Wir hätten uns alle einen anderen Erfolg gewünscht. Und in der sportlichen Punktekrise herrscht natürlich gerade mehr Unruhe. Aber ich wurde gefragt, ob ich hier einen Scherbenhaufen vorgefunden habe: Nein, ganz sicherlich nicht. Hier sind viele Leute, die viel Herzblut investieren, damit wir die Klasse halten. Und davon sind wir überzeugt. Dass es nicht garantierbar und kein Selbstgänger ist, ist ein Fakt.

Frank Witter spielte in der 2 Liga für den OSV Hannover
Frank Witter spielte in der 2 Liga für den OSV Hannover © Imago

...eigenen Erfahrungen als ehemaliger Zweitligaspieler (OSV Hannover): Ich habe den Spielern ein bisschen was erzählt, wie ich die Dinge sehe und welche Erfahrungen ich gesammelt habe. Druck machen und Draufhauen – das hilft hier keinem. Ich habe daran appelliert, daran zu glauben und den Mut nicht zu verlieren und als Mannschaft die letzten zwei Spiele anzugehen. Dafür hat die Mannschaft das Potenzial. Ich bin auch schon abgestiegen, deswegen weiß ich, was da mit den Spielern passiert. Ich weiß aber auch, was noch geht. Wenn sie als Mannschaft wachsen, dann kann man Berge versetzen und es kommen Ergebnisse zustande, die keiner glaubt.