17. August 2019 / 12:00 Uhr

Dank Ducksch-Doppelback: Hannover 96 bricht Auswärtsfluch beim SV Wehen Wiesbaden

Dank Ducksch-Doppelback: Hannover 96 bricht Auswärtsfluch beim SV Wehen Wiesbaden

Uwe von Holt
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Großer Jubel nach dem 2:0-Treffer von Florent Muslija.
Großer Jubel nach dem 2:0-Treffer von Florent Muslija. © imago images / Hartenfelser
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Nach 666 Tagen ohne Pflichtspiel-Sieg in der Fremde ist der Bann endlich gebrochen! Hannover 96 gewinnt beim SV Wehen Wiesbaden mit 3:0. Neuzugang Marvin Ducksch überzeugt auf ganzer Linie - und ist an allen drei Toren der "Roten" beteiligt.

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Die Schnapszahl ist Geschichte – nach 666 Tagen hat 96 wieder ein Auswärtsspiel gewonnen. Für Trainer Mirko Slomka war es gar der erste Dreier in der Fremde nach 2305 Tagen ohne. Beim SV Wehen Wiesbaden gab es ein souveränes und taktisch überzeugend herausgespieltes 3:0 - der erste Saisonsieg, wichtig für Tabelle und Euphorie. Gewinnt 96 auch am kommenden Sonnabend gegen Fürth, wäre die hannoversche Start-Panne weitgehend wieder ausgebeult.

1100 Fans unterstützen Hannover

Als der 96-Bus am Hintereingang der Brita-Arena geparkt hatte und die 96-Mannschaft ausspuckte, war 96 endgültig in der 2. Liga angekommen. Wellblech in den Gängen, die offene Stadion-Gegengerade von einem Bauzaun begrenzt, die 1100 hannoverschen Fans auf eine niedliche Stehtribüne schräg hinterm Tor gestopft, aber immerhin der Rasen ein Teppich.

Die Roten in Noten: Die 96-Einzelkritik nach dem Spiel in Wiesbaden

Ron-Robert Zieler, Note 2
: Behauptet sich im Luftkampf, muss einen Flachschuss halten und einen Kracher aus elf Metern von Dittgen. In der ersten Hälfte viel als Anspielstation gefragt, in der zweiten als Keeper, auch in der Nachspielzeit hält er die Null mit einer Parade.   Zur Galerie
Ron-Robert Zieler, Note 2 : Behauptet sich im Luftkampf, muss einen Flachschuss halten und einen Kracher aus elf Metern von Dittgen. In der ersten Hälfte viel als Anspielstation gefragt, in der zweiten als Keeper, auch in der Nachspielzeit hält er die Null mit einer Parade.   ©

4-4-2 statt Dreierkette

96-Trainer Mirko Slomka hatte auch seine Taktik den simpleren Bedingungen beim Aufsteiger angepasst, er ordnete sein Formation im klassisch-übersichtlichen 4-4-2. Erstmal vorbei die Phase mit der Dreierkette, die beim Pokal-Aus in Karlsruhe ein Sicherheitsproblem war. Hinten links spielte zwar erstmal nicht wie geplant der frisch aus Köln verpflichtete Verteidiger Jannes Horn, sondern Miiko Albornoz. Der Chilene hatte öfter als zweimal mit seiner Mannschaft trainiert, Slomka hielt Horns Einsatz offenbar noch für zu riskant.

SPORTBUZZER-Redakteur Dirk Tietenberg zum 96-Sieg in Wiesbaden

96 mit viel Ballbesitz und guten Chancen

Tatsächlich schien sich 96 wohl und sicher zu fühlen, wie erwartet gab es viel Ballbesitz und nach geduldigem Aufbauspiel auch Chancen, zumeist vorbereitet über die Flügel. Marvin Ducksch köpfte erst deutlich daneben (6.), im zweiten Versuch immerhin aufs Tor (8.). Der Einsatz stimmte, 96 suchte Zweikämpfe, Slomka hatte ja „Drecksäcke“ sehen wollen.

Er sah aber erstmal Blut, Edgar Prib war in der Luft unglücklich mit Paterson Chato zusammengerasselt. Der Wehener musste ausgewechselt werden, Prib wurde von 96-Doc Axel Partenheimer dreimal an seiner Kopfwunde getackert und spielte einfach weiter.

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Vor dem Tor biss 96 auch weiter die Zähne zusammen, Cedric Teuchert setzte auf der rechten Seite konsequent nach und brachte den Ball scharf in die Mitte, wo Kollege Ducksch mit links sein erstes Pflichttor für 96 erzielte - ganz lässig und konzentriert (28.). Teuchert hätte fünf Minuten später beinahe nachgelegt, wie einst Gerd Müller wühlte er sich durch den Strafraum und schob den Ball im Fallen nur knapp vorbei.

Zieler sicher, Anton souveräner

Slomka reckte den Daumen, und auch in der Defensive hatte er nicht viel zu meckern. Ron-Robert Zieler packte sicher zu, vor ihm ordnete Waldemar Anton deutlich souveräner als zuletzt die letzte Reihe, allerdings stellten die biederen und fantasiearmen Wehener 96 auch vor keine unlösbaren Defensivaufgaben. Teuchert verdaddelte noch eine Chance (43.). die zweite Hälfte sollte nur kurz dramatischer werden.

Die Bilder zum Spiel SV Wehen Wiesbaden gegen Hannover 96

Wiesbadens Sebastian Mrowca (links) schaut 96-Kapitän Marvin Bakalorz und dem Ball nach. Zur Galerie
Wiesbadens Sebastian Mrowca (links) schaut 96-Kapitän Marvin Bakalorz und dem Ball nach. ©

Wehen blüht auf, aber Muslija legt nach

Wehen attackierte mit hilfloser Verzweiflung, Anton musste vor der Linie das 1:1 verhindern, doch dann schlugen die „Drecksäcke“ erneut zu. Einen flotten Gegenzug über Teuchert und Ducksch schloss Florent Muslija überlegt mit rechts links unten zum 0:2 (57.) ab. Slomka applaudierte wieder begeistert. Es war Muslijas letzter Ballkontakt, für ihn kam Genki Haraguchi. Wehen gab zwar nicht auf, wollte einen Handelfmeter (Anton hatte klar mit der Brust abgewehrt) und einen Foulelfmeter (Moritz Kuhn bekam Gelb für den Schwalben-Versuch gegen Haraguchi), aber es blieb bei Versuchen. Zieler lenkte einen Schuss von Maximilian Dittgen stark übers Tor, mehr klare Chancen für die Gastgeber gab es nicht.

Aber noch für 96: Sascha Mockenhaupt blockte einen Freistoß-Ball von Ducksch in der Mauer mit dem Arm, es gab Gelb und Elfmeter. Ducksch, ganz cool, verwandelte unten links (76.). Die 96-Fans sangen glücklich vom „Europapokal“, das wird aber trotz des erstes Sieges in dieser Saison noch ein bisschen dauern.

Der Liveticker zum Nachlesen!

Das ist die 96-Startaufstellung beim SV Wehen Wiesbaden:

Ron-Robert Zieler
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