28. Dezember 2019 / 09:51 Uhr

Aufstieg "nicht mehr realistisch"? Hannover 96 steckt im Selbstfindungsprozess

Aufstieg "nicht mehr realistisch"? Hannover 96 steckt im Selbstfindungsprozess

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Hannovers Trainer Kenan Kocak steckt Hannovers Waldemar Anton einen Zettel zu.
Hannovers Trainer Kenan Kocak steckt Hannovers Waldemar Anton einen Zettel zu. © Swen Pförtner/dpa
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An Heiligabend haben sich die 96-Verantwortlichen um Profichef Martin Kind zu einem ersten Gespräch getroffen. Entscheidungen gab es keine. Trotzdem hat sich seit der Verpflichtung von Trainer Kenan Kocak einiges im Verein getan - vor allem, was die Machtverhältnisse angeht.

Wo will 96 hin, welche Fehler sollen vermieden werden, und wer be­stimmt im sportlichen Be­reich – es gibt vieles zu klären zwischen den Jahren. Den Anfang haben 96-Profichef Martin Kind, Trainer Kenan Kocak und Sportchef Jan Schlaudraff mit ihrem Dreiergespräch an Heiligabend gemacht – mehr aber noch nicht. Entscheidungen wurden nicht getroffen. 96 steckt im Selbstfindungsprozess, vieles bleibt offen.

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96 bleibt hinter den Erwartungen zurück

Das neue Ziel: „Unser Ziel ist der Wiederaufstieg“ , mit der Vorgabe schickte Kind die Mannschaft in die Saison. „Wir gehören zu den vier Teams mit dem höchsten Haushalt, das muss auch mit den Erwartungen korrespondieren.“ 22 Millionen Euro lässt sich 96 die Mannschaft kosten, nur die Teams in Stuttgart (40 Millionen) und beim HSV (25 Millionen) sind teurer. Während der VfB und der HSV unter den Top 3 sind, korrespondiert Rang 13 nicht mit den 96-Erwartungen. Wie auch in Nürnberg nicht (Rang 16/18 Millionen).

Jetzt seid ihr gefragt: Kann Hannover 96 den Aufstieg in dieser Saison noch schaffen?

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Aufstieg "nicht mehr realistisch"

Aber mit welchem Ziel soll die Mannschaft ins neue Jahr gehen? Während Schlaudraff offenbar mit einem Mittelfeldplatz zufrieden wäre, will Kocak mehr. Der Trainer will versuchen, so viel wie möglich aus der teuren Mannschaft herauszuholen. Kind sieht den Aufstieg aktuell als „nicht mehr realistisch“ an. Kocak soll vorrangig die Mannschaft entwickeln. Heimliches Ziel ist wohl dennoch Platz drei, was bei aktuell zehn Punkten Rückstand jedoch eine ambitionierte Aufgabe bleibt – aber warum nicht trotzdem versuchen?

Die Kompetenzen: Vor der Saison hat Schlaudraff auf seine Weisungsbefugnis gegenüber Mirko Slomka ge­pocht. „Die Situation ist natürlich speziell, dass ein ehemaliger Spieler von Mirko jetzt zu seinem Chef geworden ist“, sagte Schlaudraff bei ihrer Vorstellung. Slomka wurde schon gefeuert, auch Schlaudraff steht wegen der ungenügenden Zusammenstellung der Mannschaft stark in der Kritik.

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Die Machtverhältnisse haben sich geändert

Dadurch haben sich auch die Machtverhältnisse in der sportlichen Leitung verändert. Ein Indiz dazu ist das auf Betreiben von Kocak abgesagte, aber von Schlaudraff geplante Trainingslager in Spanien. Entscheidendes Argument war die viel zu umständliche Anreise. Das Trainerwort gilt jetzt bei Kind mehr als das von Schlaudraff. Gegen Kocaks Veto wird künftig keine Entscheidung mehr getroffen. Ob das Modell dauerhaft trägt – oder sogar ein neuer Sportchef verpflichtet wird, muss sich finden.

Stammspieler statt Jugendspieler

Die Transfers: Bei der Frage, wie viele und welche Spieler in der Winterpause kommen sollen, zeigen sich die neuen Verhältnisse. Schlaudraff hat seine Liste präsentiert, Ko­cak verfolgt seine eigenen Ideen. Erstes Ziel dabei: Stabilität hinten, Schnelligkeit vorne. Ein Innenverteidiger und/oder defensiver Mittelfeldspieler, dazu ein Tempomacher auf der Außenbahn – das wären zwei bis drei Spieler, die ge­fun­den werden sollen. Vorgabe dabei – sie müssen sofort einsetzbar sein. Stammspieler statt Jugendspieler, das ist das Motto. Ein zusätzlicher Stürmer wäre die Zugabe. Valmir Sulejmani könnte ein Thema werden, auch die Rückkehr des ablösefreien Artur Sobiech wurde diskutiert. Schlaudraff hat ja mal als sein Berater gearbeitet. Dynamo Dresden ist stark an dem 29-jährigen Stürmer aus Danzig interessiert.

Das sind die restlichen Spiele von Hannover 96 in der Saison 2019/20 in der 2. Bundesliga nach der Corona-Zwangspause:

28. Spieltag (Mittwoch, 27. Mai, 18.30 Uhr): Karlsruher SC (H) Zur Galerie
28. Spieltag (Mittwoch, 27. Mai, 18.30 Uhr): Karlsruher SC (H) ©

Kind will "keine Alibi-Entscheidungen"

Die Finanzen: Kind scheint bereit, weiter in die Mannschaft zu investieren. Aber nur, wenn die Transfers ein Vorgriff auf die nächste Saison wären. Dann steht der nächste Umbruch bevor, viele Verträge laufen aus. Kind will „keine Alibi-Entscheidungen“ finanzieren. Wie viel Geld ausgegeben wird, hängt vom Angebot ab – noch ist das überschaubar. Der Spielerbasar öffnet erst im Januar und ist auch noch in der Findungsphase.

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