28. Juni 2020 / 20:01 Uhr

Aufstiegsrelegation für 3. Liga: Macht es der 1. FC Lok wie RB Leipzig?

Aufstiegsrelegation für 3. Liga: Macht es der 1. FC Lok wie RB Leipzig?

Anton Kämpf
Leipziger Volkszeitung
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In Ostwestfalen soll der Aufstieg in Liga Drei für Lok Leipzig klargemacht werden: Genau wie bei RB Leipzig 2013. © Christian Modla
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2013 gewannen die Bullen die Aufstiegsrelegation um Liga drei gegen Lotte, in Ostwestfalen. 65 Kilometer weiter, in Bielefeld, könnte der Loksche 2020 gegen Verl ähnliches gelingen. Indes ruft die Lok-Fanszene auf, zum Rückspiel gegen Verl an die Schüco-Arena zu reisen.

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Leipzig. Es war der Beginn des kontroversen und kometenhaften Anstiegs in den deutschen und europäischen Spitzenfußball. Und der Startschuss einer Serie, die dem Noch-Viertligisten 1. FC Lok Leipzig Hoffnung für das Relegationsfinale am Dienstag gegen den SC Verl (16 Uhr; MDR, MagentaTV) machen kann.

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Der 1. FC Lok und der SC Verl trennen sich im Relegationshinspiel mit 2:2. Zur Galerie
Der 1. FC Lok und der SC Verl trennen sich im Relegationshinspiel mit 2:2. © Christian Modla

Als am 2. Juni 2013 die Verlängerung im Rückspiel zwischen den Sportfreunden Lotte und RB (2:2) abgepfiffen wurde, herrschte Jubel, Trubel, Heiterkeit bei den Bullen, die sich nach dem 2:0-Heimsieg zuvor mit 4:2 den Aufstieg sicherten. Parallelen zu Lok: Damals stand es nach 180 Minuten insgesamt 2:2, diesmal heißt es nach 90 Minuten 2:2. Es ist noch alles drin.

Ost-Teams setzten sich in Vergangenheit durch

In den darauffolgenden Jahren kam es zu fünf weiteren Relegations-Duellen zwischen den West- oder Südwest-Vertretern und dem NOFV-Meister. Zunächst scheiterte die TSG Neustrelitz 2014 an der Reserve des 1. FSV Mainz 05, danach setzten sich immer die Ost-Teams durch: 2015 der 1. FC Magdeburg gegen Kickers Offenbach, auf der FCM-Bank saß Lok-Angreifer Matthias Steinborn.

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Im Jahr darauf war es der FSV Zwickau gegen den SV Elversberg – der emsige Lok-Rechtsverteidiger Robert Berger absolvierte beide Matches für den FSV, Patrick Wolf stand immerhin im Kader. 2017 jubelte der FC Carl Zeiss Jena gegen Viktoria Köln sowie 2018 Energie Cottbus gegen SC Weiche Flensburg. Im Vorjahr stieg der Chemnitzer FC direkt auf.

Fans wollen nach Bielefeld reisen

Nicht in Verl, sondern in Bielefeld (20 Kilometer entfernt von Verl, 65 von Lotte) kann Lok am Dienstag diese Serie fortsetzen, es der RB-Elf von 2013 gleichtun und das Ticket zurück in den Profifußball ergattern. Dass der SC Verl, der sich bei der Ersatzstadion-Suche fast ein Dutzend Absagen einhandelte, nicht in seiner Sportclub-Arena spielen darf, sondern für sein „Heimspiel“ nach Bielefeld ausweichen muss, liegt am Lockdown im Kreis Gütersloh.

+++ AUF NACH BIELEFELD +++ Hallo Lokfans, am Dienstag um 16 Uhr kommt es zum wichtigsten Spiel seit der Neugründung....

Gepostet von Fanszene Lokomotive Leipzig am Samstag, 27. Juni 2020

Die Probstheidaer werden nicht alleine sein in Nordrhein-Westfalen. Am Samstag rief die organisierte Lok-Fanszene dazu auf, nach Bielefeld zu fahren und die Elf von Trainer Wolfgang Wolf anzufeuern. „Nachdem das Hinspiel leider ohne uns auskommen musste, werden wir in Bielefeld vor dem Stadion sein, um die Mannschaft als zwölfter Mann bestmöglich zu unterstützen. Nehmt Handys, Laptops und Tablets mit, damit wir das Spiel auch verfolgen können“, heißt es in einer Facebook-Mitteilung, die über 400 Gefällt-Mir-Angaben sammelte.

„Würden es besser finden, wenn sie zu Hause schauen“

Die in diesen Zeiten nicht gänzlich unbedenklich anmutende Auswärtsreise ist den Lok-Verantwortlichen bereits länger bekannt. Am vergangenen Mittwoch verriet Wolfgang Wolf beim SpiO-Talk: „Ich meine, dass ein paar Hundert Fans von uns mitkommen. Die lassen sich nicht aufhalten. Wir können in die 3. Liga aufsteigen, da wollen viele dabei sein.“ Verls Sportlicher Leiter und Präsident Raimund Bertels bezeichnete Wolfs Worte als „No Go“, hatte aber auch Verständnis. „Das gehört zum Fußball dazu.“

Lok-Präsident Thomas Löwe appelliert: „Wir können es nachvollziehen, würden es aber besser finden, wenn sie zu Hause schauen.“ Am Wochenende gab es insgesamt sechs Neuinfektionen in Bielefeld. Für die Fans, die in Leipzig bleiben, bietet das Autokino an der Alten Messe gemeinsam mit dem MDR ein Public Viewing an. Die Hälfte der Ticketerlöse geht an Lok, dessen Team am Dienstag gegen 24 Uhr ins Bruno-Plache-Stadion zurückkehrt – vielleicht als zweiter Leipziger Drittliga-Relegationssieger.