20. Dezember 2019 / 09:57 Uhr

Dresdner Aufstiegsheld Franke feiert bei Dynamo-Fans

Dresdner Aufstiegsheld Franke feiert bei Dynamo-Fans

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Christoph Franke bejubelt als Cheftrainer von Dynamo Dresden am Ende der Saison 2004/05 Platz acht in der 2. Bundesliga. Dabei war die Mannschaft nur mit dem Ziel Klassenerhalt in ihre erste Saison im Bundesliga-Unterhaus gestartet.
Christoph Franke bejubelt als Cheftrainer von Dynamo Dresden am Ende der Saison 2004/05 Platz acht in der 2. Bundesliga. Dabei war die Mannschaft nur mit dem Ziel Klassenerhalt in ihre erste Saison im Bundesliga-Unterhaus gestartet. © imago images/Frank Dehlis
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Der frühere SGD- und CFC-Trainer Christoph Franke wird heute 75 Jahre alt und trifft sich mit Freunden in Chemnitz.

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Dresden. Er spielte mit Lok Leipzig im Europapokal, führte den FC Karl-Marx-Stadt an der Seite von Hans Meyer ins internationale Geschäft, formte als Trainer den jungen Michael Ballack zum Profi und stieg je zweimal mit dem Chemnitzer FC und Dynamo Dresden auf – Christoph Franke hat eine sehr erfolgreiche Fußballkarriere hinter sich. Heute feiert der noch immer dienstälteste Dynamo-Trainer seit der Wende seinen 75. Geburtstag. Vorab konnten die DNN etwas mit dem aus Mülsen St. Jacob stammenden Sachsen plaudern.

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1. Juli 1986 bis 3. April 1990: Eduard Geyer Zur Galerie
1. Juli 1986 bis 3. April 1990: Eduard Geyer ©
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Erst als Dreizehnjähriger haben Sie 1958 aktiv in einem Verein mit dem Fußball begonnen. Wer hat Sie damals zur BSG Aktivist „Martin Hoop“ Mülsen gelotst?

Ich war ein Allrounder, habe Leichtathletik, Schwimmen und Fußball ausgeübt. Mein inzwischen verstorbener Klassenlehrer Herr Kühn hat dann gesagt, ich solle mich entscheiden, was ich endgültig machen möchte. Da habe ich Fußball gewählt. Kühn war zwar nicht der Sport-, sondern der Mathelehrer, aber er war sportbegeistert und hat bei der BSG „Martin Hoop“ die Nachwuchsmannschaften trainiert. Bei den Schülern und in der B-Jugend war er auch mein Trainer.

Wer war damals Ihr fußballerisches Vorbild?

Da gab es eigentlich keines, aber natürlich haben wir zur Zwickauer Oberliga-Mannschaft geschaut, wo es mit Leuten wie Alois Glaubitz oder Albert Beier gute Spieler gab. Früher bin ich noch mit meinem Vater nach Zwickau gefahren, habe gern Heinz Satrapa und den anderen Zwickauern zugeschaut. Es waren ja nur sieben Kilometer bis dorthin.

Peter Henschel (Zwickau, rechts) im Kopfballduell mit Leipzigs Christoph Franke.
Peter Henschel (Zwickau, rechts) im Kopfballduell mit Leipzigs Christoph Franke. © Frank Kruczynski

Waren Sie schon mal im neuen Zwickauer Stadion?

Ja. Ich nehme mir vor, ab und zu nach Zwickau, Aue oder Dresden zu fahren. Aber kontinuierlich verfolge ich die Heimspiele in Chemnitz.

Ihre erfolgreichste Zeit als Spieler hatten Sie in Leipzig. Was ist da besonders haften geblieben?

Nachdem ich in Zwickau zwei Jahre bei den Junioren gespielt hatte, sollte ich dort bleiben. Aber mein Vater hat gesagt: Geh lieber nach Leipzig zum Direktstudium! Ich habe es nicht bereut, weil Leipzig automatisch für den Messecup gesetzt war. Wir hätten uns aber sicher auch qualifiziert, waren Zweiter, Dritter, Vierter. So oder so: Die EC-Spiele waren ein Erlebnis, wir konnten ins westliche Ausland, was sonst nicht möglich war. Wir sind gegen Benfica Lissabon weitergekommen, waren in Belfast, sogar mal zehn Tage zum Trainingslager in Schweden. Auch sonst bot die Messestadt Leipzig natürlich ein anderes Milieu, als wir es bei uns auf dem Dorf gewohnt waren.

Ihr Lebensmittelpunkt war immer Sachsen. Hat es Sie nie woanders hingezogen?

Es hat mich nicht weggezogen und es hat sich auch nicht ergeben. Ich habe von 1963 bis 1969 mein Studium in Leipzig gemacht, 1967 dort meine Frau kennen gelernt. Sie war aus Burkhardtsdorf, fünf Kilometer von Chemnitz entfernt. Beim FCK hatten sie damals Bedarf auf der rechten Abwehrseite, da hat sich das dann ergeben, dass ich nach Chemnitz gegangen bin. Ich hätte zwar in Leipzig bleiben können, aber als mit Sekora und Fritsche zwei junge Außenverteidiger kamen, hatten sie nichts dagegen, dass ich ging. Ich war 26 und die Chemnitzer froh, dass einer kam, der noch nicht zu alt und auch nicht ganz schlecht war (lacht).

Wenn Sie an Ihrem Jubiläum zurückschauen – wären Sie lieber noch einmal Spieler oder Trainer?

Das kann ich nicht sagen, es war beides schön. Als Spieler hast du weniger Verantwortung, bist einer von vielen, aber als Trainer hast du die Hauptverantwortung zu tragen. Da ist es nicht besonders schön, wenn du verlierst.

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Einer Ihrer Nachfolger in Dresden ist derzeit nicht zu beneiden. Tut Ihnen Markus Kauczinski Leid, wenn Sie Dynamos Tabellenplatz, die letzten Spiele und die Personalsituation betrachten?

Er hat die Herausforderung angenommen. Das hat er sicher nicht getan, weil er sich gesagt hat: Ich steige ab! Er hat es bestimmt nicht leicht, denn man hat den Eindruck, dass sich bei Dynamo gerade das Negative potenziert. Er muss jetzt sehen, dass er es irgendwie auf die Reihe bekommt. Wenn er es schafft, ist er der große Hero.

Hätten Sie bei Saisonbeginn gedacht, dass die Dynamos solche Probleme bekommt?

Nein, das habe ich nicht gedacht. Die Art und Weise, wie sie zuletzt gespielt haben, war aber nicht gut. Dennoch: Weit weg sind sie nicht! Wenn du ein, zwei Spiele hintereinander gewinnst, dann bist du wieder voll im Geschäft. Nur ein Beispiel: Der CFC war so gut wie weg, jetzt haben sie nach dem Trainerwechsel den Anschluss an die Nichtabstiegsplätze hergestellt. An Leuten wie Philipp Hosiner können sich die anderen Spieler hochziehen. Dynamo ist da ein bisschen ein Trauerfall, denn Chris Löwe spielt unter den Erwartungen, Marco Hartmann ist verletzt. Als bei mir 2005 Karsten Oswald und Mariusz Kukielka auf einen Schlag ausfielen, da hatte ich als Trainer auch die Brille auf. Es läuft eben im Leben nicht immer optimal.

Wie geht es Ihnen gesundheitlich?

Ich klopfe auf Holz, alles ist okay. Die eine oder andere kleine Verschleißerscheinung vom Leistungssport merke ich aber schon.

Haben Sie schon ein künstliches Gelenk wie viele andere Ex-Fußballer Ihrer Generation?

Nein, zum Glück nicht. Ich habe als Verteidiger meist die anderen getroffen (lacht).

Können Sie noch etwas Sport machen, lange Spaziergänge mit dem Hund?

Ja, mit dem Hund. Über zehn Kilometer ist aber nichts mehr für mich. Luna, ein Mischling aus Husky und weißem Schäferhund, bewegt sich wegen des Husky-Bluts gern. Da muss ich eben auch mit los.

Christoph Franke als Trainer vom Chemnitzer FC.
Christoph Franke als Trainer vom Chemnitzer FC. ©

Wie viele Hasen haben Sie denn noch im Stall. Musste einer vor Weihnachten dran glauben?

Im Sommer hatte ich 30, das waren zu viele. Jetzt habe ich noch zwei Häsinnen und schöne Weihnachtsgeschenke für meine Freunde.

Wie feiern Sie Ihren Ehrentag?

Mit einigen Freunden im Wasserschloss Klaffenbach. Die Chefs Silke und Ralf Langer sind große Dynamo-Fans, ich habe sie während meiner Zeit in Dresden kennen gelernt. Sie waren früher im Fichtelberghaus aktiv, hatten meine Frau Maria und mich damals mal eingeladen, als wir aufgestiegen sind.

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Kommt auch Hans Meyer zur Feier?

Nein, aber wir haben uns verabredet, wollen uns allein treffen. Dann sind nicht so viele Leute da und wir haben mehr Zeit zum Reden.

75 Jahre haben Sie geschafft, was wünschen Sie sich für die nächsten 25?

Ich glaube nicht, dass es noch so viele werden. Ich wünsche mir einfach ein gemütliches, geruhsames und friedvolles Weiterleben.

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