12. März 2022 / 22:12 Uhr

Aus der Quarantäne zum Sieg: Göppingen schlägt SC DHfK Leipzig nach Corona-Pause

Aus der Quarantäne zum Sieg: Göppingen schlägt SC DHfK Leipzig nach Corona-Pause

Tilman Kortenhaus
Leipziger Volkszeitung
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Maciej Gebala und der SC DHfK Leipzig verlieren in Göppingen. © Klaus Trotter
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Schade! Die Leipziger Bundesliga-Handballer können den Schwung vom Sieg gegen Flensburg nicht mitnehmen und müssen sich knapp den Göppingern in der "Hölle Süd" geschlagen geben.

Leipzig. Die Ausgangssituation war eindeutig. Die Handballer des SC DHfK Leipzig waren am Samstagabend mit mächtig Rückenwind nach Göppingen gereist. Sechs Partien in Folge hatte man gepunktet, zuletzt gegen Flensburg einen Sieg in der Schlusssekunde errungen - Frisch Auf Göppingen hingegen hatte drei Wochen lang mit immer neuen Corona-Fällen zu kämpfen. Knapp 3.300 Fans verfolgten in der EWS-Arena bei der 28:29 (14:16) Auswärtsniederlage der Grün-Weißen dennoch ein packendes Duell auf Augenhöhe. Denn trotz der Zwangspause war zu erkennen, dass hier der Tabellensiebte gegen den Achten spielte und damit zwei Vereine, die durchaus noch vom internationalen Geschäft träumen dürfen.

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Mohamed El-Tayar von Beginn an

„Der Großteil der Spieler ist wieder belastbar“, versprach Göppingen-Coach Hartmut Mayerhoffer vor dem Anpfiff am Sky-Mikrofon, musste aber zugeben: „Wir waren jetzt drei Wochen raus und hatten keinen geregelten Trainingsbetrieb.“ Kaum überraschend also, dass die Frisch-Auf-Truppe schnell ins Hintertreffen geriet. Doch nach dem 3:5 (7. Minute) drehte Göppingen auf, legte einen 4:0-Lauf hin und eröffnete einen spannenden Schlagabtausch.

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Der SC DHfK Leipzig verliert das Spiel in der Hölle Süd bei Frisch Auf Göppingen knapp mit 29:28. Zur Galerie
Der SC DHfK Leipzig verliert das Spiel in der "Hölle Süd" bei Frisch Auf Göppingen knapp mit 29:28. ©

Die offensichtliche Schwachstelle des SC DHfK brachte Coach André Haber in seiner ersten Auszeit auf den Punkt. „Die gehen nur über den Kreis“, machte der 35-Jährige seiner Sieben klar, doch auch im Anschluss wurden die Grün-Weißen nicht Herr der Lage und kassierten weitere Treffer durch Kreisläufer Kresimir Kozina. Einer der Gründe für diese Misere: die Grün-Weißen mussten auf Abwehrchef Marko Mamic verzichten, der aufgrund von Schulterproblemen nicht mit nach Baden-Württemberg gereist war.

Zum ersten Mal seit seinem Wechsel in der Winterpause durfte Mohamed El-Tayar im Kasten der Leipziger beginnen, obwohl Stammkeeper Kristian Saeveras beim Hinspiel (42 Prozent gehaltene Bälle) mehr als bewiesen hatte, dass er die Wurfgewalt von Sebastian Heymann, Marcel Schiller und Co. stoppen kann. Der Ägypter tat sich schwer, machte erst ab der 21. Minute eine bessere Figur - als seine Mannschaft in doppelte Unterzahl geriet – ist aber sicherlich (noch) nicht auf dem Niveau seines Positionskollegen.

Per 4:0-Lauf zum Sieg

Das starke Spiel der Hausherren über den Kreis und mehrere Zeitstrafen der Gäste waren kurz vor dem Halbzeitpfiff der ausschlaggebende Grund, dass Spielführer Luca Witzke mit den Seinen mit 14:16-Rückstand in die Kabine musste.

Wieder heraus kam eine Truppe, die im Angriff neue Lösungen suchte und im Tor wieder auf Keeper Kristian Saeveras vertrauen konnte – der abermals sein Spitzenniveau unter Beweis stellte. Nach sechs Minuten war die Partie ausgeglichen und bis in die Schlussphase offen. Physisch hätten die Sachsen hier dominanter sein müssen, waren sie doch die viel frischere Mannschaft.


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Doch mit 3300 Klatschpappen und Stimmen im Rücken bewies Göppingen jede Menge Kampfgeist, legte ab der 54. Minute einen weiteren 4:0-Lauf auf die Platte und ging damit in Front. 110 Sekunden vor dem Schlusspfiff (28:29) warf Marcel Schiller einen Siebenmeter via Heber an den Pfosten, verschenkte fast den Sieg. Doch im entscheidenden Gegenangriff ist Torhüter Urh Kastelic zur Stelle und hielt Göppingen den Sieg fest.

Im Schwabenländle war man sehr glücklich über die zwei Punkte. Kresimir Kozina: "Ich könnte weinen vor Glück. Ich hatte fast vergessen, wie schön es ist vor so vielen Fans zu spielen. Die Mannschaft hat heute alles gegeben, hat bis zum Ende gekämpft, aber die Fans haben das Spiel gewonnen.“ Leipzigs Lukas Binder hadert mit liegengelassenen Gelegenheiten: "Wir hätten die letzte Aktion besser spielen können, haben das Spiel aber schon früher verloren. Unsere Abwehr ist eigentlich unsere Stärke, aber wir haben sie nicht ganz in den Griff bekommen. Wir wussten, dass die Hölle Süd gut gefüllt sein würde, dass die Jungs richtig Bock auf Handball haben würden, nach drei Wochen ohne. Wir wollten sie eigentlich über die Spieldauer kaputt laufen, wussten dass wir fitter sein würden. Das hat auch bis zu einem gewissen Punkt gut geklappt, aber wir konnten uns nicht die drei, vier Tore absetzen und haben Göppingen immer wieder eingeladen – dann kommt am Ende diese Niederlage bei raus."