01. Mai 2022 / 23:07 Uhr

Aus der Traum: BG Göttingen verspielt gegen Gießen die letzte Playoff-Chance

Aus der Traum: BG Göttingen verspielt gegen Gießen die letzte Playoff-Chance

Andreas Fuhrmann
Göttinger Tageblatt
Enttäuschung pur: Göttingens Philipp Hartwich, Harper Kamp und Jeff Roberson nach Spielende.
Enttäuschung pur: Göttingens Philipp Hartwich, Harper Kamp und Jeff Roberson nach Spielende. © Swen Pförtner
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Das war’s: Die BG Göttingen hat ihre letzte Chance, doch noch die Playoffs in der Basketball-Bundesliga zu erreichen, verspielt. Gegen Absteiger Gießen verloren die Veilchen am Sonntagabend 87:90 (49:45). Ein Krimi ohne Happy End.

Der Traum ist geplatzt: Die BG Göttingen hat die Chance, die Playoffs in der Basketball-Bundesliga doch noch zu erreichen, verpasst. In einem engen Spiel verloren die Veilchen am Sonntag nach bärenstarkem Beginn gegen Absteiger Jobstairs Gießen 46ers mit 87:90 (49:45). Am Ende wurde es dramatisch.

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Konkurrent Crailsheim hatte zuvor 90:100 nach Verlängerung in Ulm verloren und sich damit aus dem Kampf um den letzten Playoff-Platz verabschiedet. Alles war eigentlich bereitet für den Showdown am nächsten Sonntag zwischen Bamberg (zu Hause gegen Hamburg) und der BG Göttingen (in München). Und dann das.

Die Veilchen zeigten am Sonntag in der Sparkassen-Arena vor 2574 Zuschauern zu Beginn, wie heiß sie auf dieses Spiel waren. Vor allem Harper Kamp und Haris Hujic drückten dem ersten Durchgang ihren Stempel auf. Dem Center gelang das Kunststück, die ersten elf Punkte seines Teams zu erzielen. Als Kamp nach knapp fünf Minuten zum Stand von 13:4 traf, bebte die S-Arena zum ersten Mal. Auszeit Gießen.

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Harper Kamp überragt alle bei der BG Göttingen

Das konnte die Spiellaune der Veilchen aber nur kurz stoppen. Nachdem die Gäste auf 13:8 verkürzt hatten, brach die Zeit von Haris Hujic an. Drei Dreier schraubte der Mann mit der Nummer 10 bis zum Ende des ersten Viertels in die Reuse und war neben Kamp der Garant dafür, dass die BG mit einem deutlichen 24:15 in die erste kleine Pause ging. Weiteres Highlight: Die erste Auswechslung von Kamp. Als der Center für Philipp Hartwich Platz machte, stand die Halle zum zweiten Mal an diesem Abend Kopf. Standing Ovations für den Publikumsliebling.

BG Göttingen - Gießen 46ers

Die BG Göttingen verliert nach starkem Beginn gegen Gießen - und verspielt damit die letzte Chance auf die Playoffs. Zur Galerie
Die BG Göttingen verliert nach starkem Beginn gegen Gießen - und verspielt damit die letzte Chance auf die Playoffs. © Swen Pförtner

Berauscht von dieser Sahne-Leistung wurden die Veilchen im Laufe des zweiten Durchgangs aber plötzlich unvorsichtig – und die angezählten 46ers kämpften sich wieder ins Spiel. Vor allem in der Defensive ließen die Gastgeber jegliche Aggressivität und Cleverness vermissen – und bescherten den Gießenern leichte Körbe am Fließband.

Hatten Brown und Mönninghoff die BG anfangs noch mit zwei Dreiern die zweistellige Führung gesichert, lief in den letzten fünf Minuten nicht mehr viel zusammen bei den Gastgebern. Das war nicht nur für Trainer Roel Moors unerklärlich, der gleich mehrfach frustriert abwinkte. Auch die Fans rieben sich verwundert die Augen.

Gießen kämpft sich heran

So pirschte sich Gießen langsam, aber sicher immer weiter heran und verkürzte beim 35:31 auf nur noch vier Punkte. Wieder einmal war es Kamp, der sein Team mit einem erfolgreichen Dreier aufrüttelte. Jeremiah Martin und erneut Kamp bauten die BG-Führung wieder auf 42:33 aus – und doch fanden die Veilchen nicht zurück zu ihrer Dominanz aus dem ersten Viertel. Als die Gäste Sekunden vor der Halbzeit mit einem relativ offenen Dreier zum 49:45-Pausenstanfd trafen, kickte Moors entnervt gegen eine Box am Spielfeldrand. Es brodelte im Coach, das war nicht zu übersehen.

Der dritte Durchgang war lange ausgeglichen, ehe die BG zum Ende hin erneut schwächelte. Die Nervosität war jetzt unübersehbar auf Seiten der Veilchen. Beispiel gefällig: In den letzten eineinhalb Minuten drehten die Gießener ein 70:66 in eine 72:70-Führung. In der S-Arena wurde es immer stiller.

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Das Spiel der BG besserte sich auch im letzten Durchgang nicht. Es dauerte geschlagene vier Minuten, ehe Kamp die ersten Punkte zum 72:74 gelangen. Und Frey legte zum 74:74 nach. Die Veilchen konnten sich angesichts dieser Durststrecke bei den Gästen bedanken, dass sie überhaupt noch im Spiel waren.

Die aber ließen auch jetzt keinesfalls nach. Immer wieder hatten sie eine Antwort parat, ließen die BG nicht davonziehen. Von 77:78 über 79:81 ging es zum 81:81 – die Spannung war kaum auszuhalten. 1 Minute und 23 Sekunden vor Schluss gelang Brown das umjubelte 85:83, doch Gießen konterte erneut per Dreier. Martin brachte die Veilchen wieder einen Punkt in Front (87:86).

Schiedsrichter schockieren alle BG-Fans

Und dann wurde es hektisch. Die Gäste konnten ihren Angriff nicht nutzen, die BG war am Zug, doch der Ball wurde von der Verteidigung ins Aus geklärt. Der BG blieben für den Angriff noch 0,7 Sekunden. Der Pass erreichte Frey, doch dessen Wurf ging ins Leere – auch, weil er hart angegangen wurde von McCullum. Die BG reklamierte, Gießen griff an – und Brown ging dazwischen.

Die Schiedsrichter pfiffen zum Entsetzen der BG nach Ansicht der Videobilder ein unsportliches Foul gegen Brown – und damit war das Spiel so gut wie entschieden. Gießen traf beide Freiwürfe, erhöhte danach auf 90:87. Der BG blieben noch 2,7 Sekunden, doch der letzte Versuch von Frey ging daneben.

Die Enttäuschung bei der BG war riesig, Moors schimpfte, beschwerte sich lautstark bei den Schiedsrichtern. Der Belgier musste von seinem Co-Trainer weggezogen werden, so sehr regte er sich auf. Aber es half nichts: Die BG hatte ihre letzte Playoff-Chance verspielt.

Versöhnlich am Ende: Die Fans feierten nach dem ersten Schock lautstark ihr Team, das sich bei den Zuschauern für die Unterstützung während der Saison bedankte. Die rauschende Party aber im letzten Heimspiel der Saison blieb aus.


BG-Trainer Moors kritisiert Leistung der Schiedsrichter

BG-Trainer Moors zeigte sich nach der Niederlage "sehr, sehr enttäuscht". Lange Zeit habe seine Mannschaft eine Siegermentalität gehabt, diese sei aber irgendwann im Laufe der Saison verloren gegangen. Die Niederlage sei nur schwer zu akzeptieren, erklärte Moors geknickt. Man habe die Chance auf den Showdown am letzten Spieltag leider verpasst.

Angesprochen auf die Leistung der Schiedsrichter sprach Moors Klartext. "Wir waren auch nicht gut heute", sagte er. Aber er habe ein klares Foul von McCullum an Frey gesehen. "Wenn man das nicht sieht... so etwas entscheidet ein Spiel." Aber, so Moors, die BG habe an diesem Abend eben auch keine gute Leistung abgerufen.

Statistik

BG Göttingen – JobStairs GIESSEN 46ers 87:90 (49:45)

Die Viertel im Überblick: 24:15, 25:30, 21:27, 17:18

Zuschauer: 2.574

BG Göttingen: Martin (18 Punkte/3 Dreier), Frey (2), Roberson (4), Vargas (3/1), Hujic (12/4), Wüllner (n.e.), Hartwich (7), Mönninghoff (8/2), Kamp (24/2, 8 Rebounds), Brown Jr. (7, 7 Assists), Grimes (2), Giotis (n.e.).

JobStairs GIESSEN 46ers: McCullum (15 Punkte/2 Dreier, 7 Assists), Omot (10/1), Kraushaar (11/3, 7 Assists), Laksa (6/1), Begue, Uhlemann (5/1), Binapfl (4/1), Miller (19/1, 7 Rebounds), Koch (8/2), Fayne II (12, 7 Rebounds).

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