16. Juli 2021 / 17:18 Uhr

Aus Gildenhall nach Mali: Steven Rogge hört als Trainer bei Union Neuruppin II auf

Aus Gildenhall nach Mali: Steven Rogge hört als Trainer bei Union Neuruppin II auf

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Kann immer auf die Unterstützung seiner Liebsten zählen: Ur-Unioner Steven Rogge (Mitte) mit Ehefrau Janine und Sohnemann Raphael.
Kann immer auf die Unterstützung seiner Liebsten zählen: Ur-Unioner Steven Rogge (Mitte) mit Ehefrau Janine und Sohnemann Raphael. © Verein
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Kreisoberliga Prignitz/Ruppin: Wegen eines Bundeswehr-Einsatzes im Ausland räumt der 36-Jährige schweren Herzens seinen Posten.

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Abschied nehmen ist meist nicht einfach. Steven Rogge fällt es sogar „unglaublich schwer“, seinen Trainerposten beim Fußball-Kreisoberligisten SV Union Neuruppin II aus freien Stücken zu räumen. „Ich bin kein Mann der halben Sachen. Ich kann von meinen Spielern nicht 100 Prozent einfordern, wenn ich nicht mindestens die gleiche Energie entfache“, erklärt der 36-Jährige.

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Vor einigen Wochen informierte er seine Schützlinge von Angesicht zu Angesicht über seine Zukunftspläne, die ein Trainer-Dasein mit zwei werktäglichen Einheiten und einem Spiel am Wochenende nicht mehr ermöglichen. Der Knackpunkt: die berufliche Tätigkeit als Fallschirmjäger bei der Bundeswehr. Seit 16 Jahren ist Steven Rogge nunmehr Soldat, genauer gesagt Luftlandeaufklärer. „Und jetzt ist klar, dass ich von Oktober 2022 bis März 2023 wieder zum Auslandseinsatz nach Mali gehe“, verrät der Ur-Unioner.

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Seit fast drei Dekaden fühlt sich Rogge beim Verein aus Gildenhall pudelwohl, bis auf zwei Intermezzi beim MSV Neuruppin (ein Jahr) und TuS Dabergotz (zwei Jahre) blieb er stets eiserner Unioner: „Das wird sich auch nicht ändern, ich muss die eigenen Ambitionen aber leider runterschrauben.“ Denn der Einsatz im Camp Castor, einer Militärbasis in Westafrika nahe der malischen Stadt Gao, bedarf einer monatelangen Vorausbildung. In dieser Zeit ist Steven Rogge nur am Wochenende daheim – zu selten, um den nötigen Fokus auf den Fußball zu halten.

Außerdem weiß der zweifache Familienvater, dass es in solchen Lebensabschnitten weitaus wichtigere Dinge gibt als den Sport. Die gemeinsame Zeit mit Ehefrau Janine, dem vierjährigen Sohn Raphael und Tochter Helena, die vor neun Monaten das Licht der Welt erblickte, sei deutlich mehr Wert, betont Steven Rogge: „Wir sind auch kürzlich erst ins Eigenheim nach Kränzlin gezogen, wo noch hin und wieder Arbeit anfällt.“

Nachfolge noch nicht geklärt

Bis Ende Juli oder gar Anfang August ist der gebürtige Fontanestädter in Amt und Würden, die Landesklassen-Reserve will er fit für die Saison machen. „Wenn ich dienstags und freitags dann aber nicht mehr den Weg zum Sportplatz antrete, wird das schon komisch“, ist sich Rogge sicher. Emotional wurde es für ihn bereits am letzten Sonntag. Am Rande des Pokal-Viertelfinals gegen den MSV Neuruppin II (1:4) verabschiedeten sich die Union-Kicker unter anderem mit einer Collage von ihrem Coach, der in den letzten Jahren als Spielertrainer agierte.

„Da war ich nicht drauf vorbereitet und sehr ergriffen. Meine Frau meinte sogar, dass ich emotionaler war als bei unserer Hochzeit“, erklärt Rogge schmunzelnd. Seine Mitstreiter wird er vermissen: „Es wäre einfacher für mich, wenn die Truppe nur Blödsinn machen würde. Aber die Jungs sind großartig.“ Wer die Nachfolge an der Seitenlinie antritt, ist noch offen: „Egal wer es wird, derjenige bekommt eine intakte Gruppe.“