30. Mai 2017 / 23:54 Uhr

Aus von Thomas Tuchel beim BVB: Wir beantworten die wichtigsten Fragen

Aus von Thomas Tuchel beim BVB: Wir beantworten die wichtigsten Fragen

Sebastian Harfst
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Vorgänger und Nachfolger? Lucien Favre soll heißer Kandidat auf die Nachfolge von Thomas Tuchel bei Borussia Dortmund sein.
Vorgänger und Nachfolger? Lucien Favre soll heißer Kandidat auf die Nachfolge von Thomas Tuchel bei Borussia Dortmund sein. © imago
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Dem Aus folgte Watzkes Abrechnung: So lief die 21-minütige Trennung des BVB von Trainer Tuchel. Wie geht es jetzt weiter bei Borussia Dortmund? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Dass da etwas im Busche ist, war spätestens gestern Vormittag klar. Plötzlich hatte Thomas Tuchel, der zu dem Zeitpunkt offiziell noch Trainer des Fußball-Bundesligisten und Pokalsiegers Borussia Dortmund war, einen Twitter-Account. Das Versprechen: „Hier gibt es ab sofort Infos aus erster Hand.“

Zwei Stunden später folgte bereits die erste Info aus erster Hand durch den 43-Jährigen. „Ich bin dankbar für zwei schöne, ereignisreiche und aufregende Jahre. Schade, dass es nicht weitergeht.“ Was daran so prekär ist: Tuchel war den Klubbossen, mit denen er seit Monaten über Kreuz gelegen hatte, mit der Bekanntgabe der Trennung zuvorgekommen. Ein letzter Seitenhieb des geschassten Trainers?

Tuchels Bruch mit dem BVB, es ist die eiskalte Scheidung einer zweijährigen Zusammenarbeit. Nur 21 Minuten soll das Gespräch der BVB-Oberen mit ihm gedauert haben.

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Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum BVB-Aus von Thomas Tuchel!

Wie äußerte sich Vereinschef Hans-Joachim Watzke?

Entgegen der Klubankündigung, sich nicht im Detail zu den Gründen der Trennung äußern zu wollen, sorgte Geschäftsführer Watzke dann doch mit einem offenen Brief „an alle Fans und Mitglieder von Borussia Dortmund“ für Aufsehen. Der Brief liest sich einerseits wie eine Rechtfertigung, andererseits wie eine Generalabrechnung mit Tuchel.

„Es geht bei der Wahrnehmung von Führungsverantwortung (...) nicht ausschließlich um das Ergebnis. Es geht immer auch um grundlegende Werte wie Vertrauen, Respekt, Team- und Kommunikationsfähigkeit, um Authentizität und Identifikation. Es geht um Verlässlichkeit und Loyalität“, schreibt Watzke. Und spricht diese Werte dem Ex-Trainer damit ab. Seine Erkenntnis: „Wir haben in der gegenwärtigen personellen Konstellation leider keine Grundlage mehr für eine auf Vertrauen ausgelegte und perspektivisch erfolgreiche Zusammenarbeit gesehen.“ Harter Tobak. Die Fans sind in der Causa Watzke/Tuchel inzwischen gespalten.


Kommentar: Das ist die Rolle von Hans-Joachim Watzke beim Rauswurf von Thomas Tuchel

*Was war der Auslöser für die Trennung? *

In einer Mitteilung von gestern legt der BVB „großen Wert auf die Feststellung, dass es sich bei der Ursache der Trennung keinesfalls um eine Meinungsverschiedenheit zwischen zwei Personen handelt“.

Klar, dass damit auf den Ärger zwischen Tuchel und Watzke angespielt wird. Der BVB-Boss hatte vor einigen Wochen mit seinem viel beachteten „Dissens“-Interview öffentlich gemacht, was zuvor bereits als offenes Geheimnis durch die Szene geisterte: Das Verhältnis zwischen dem Geschäftsführer (plus der restlichen Führungsebene) und dem Cheftrainer war zerrüttet.

*Einige Auslöser, die zum Zerwürfnis geführt haben dürften? *

Im Januar 2016 geriet Tuchel mit Chefscout Sven Mislintat aneinander. Mislintat wurde trotzdem (oder gerade darum?) zum Leiter Profifußball befördert – ein Affront. Den Verlust von Leistungsträgern im Sommer 2016 bezeichnete Tuchel als „riskant“, Watzke als „ambitioniert“. Beim Transfer des Schweden-Talents Alexander Isak fühlte sich Tuchel zu spät informiert. Nach dem Sprengstoffattentat auf den BVB-Bus vor dem Champions-League-Spiel gegen Monaco und den Umgang damit kam es im April schließlich zum offenen Bruch im Verhältnis Tuchel–Watzke.

Weil er einige Male seine Mannschaft öffentlich maßregelte, soll Tuchel zudem den Rückhalt von Teilen des Teams verloren haben. Zuletzt sichtbar, als Kapitän Marcel Schmelzer nach dem Pokalsieg die Ausbootung Nuri Sahins kritisierte.

*Wer folgt auf Tuchel? *

Die Borussia schweigt zu Gerüchten. Eine heiße Spur führt weiter zum ehemaligen Mönchengladbacher Trainer Lucien Favre. Mit dem Schweizer soll sich der BVB bereits einig sein, der 59-Jährige möchte gerne zurück in die Bundesliga. Der Vertrag von Favre bei OGC Nizza läuft noch bis 2019, eine Ablösesumme wäre daher fällig. Was ist Favre Watzke wert? Auch der Name Paulo Sousa fällt im Umfeld des BVB. Der Portugiese gewann als Spieler mit Dortmund 1997 die Champions League, trainiert aktuell den AC Florenz. Sein Vertrag läuft aus.