25. Februar 2022 / 20:46 Uhr

Ausgerechnet Spartak Moskau: Schwieriges und persönliches Los für RB Leipzig

Ausgerechnet Spartak Moskau: Schwieriges und persönliches Los für RB Leipzig

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Mai 2021: Der heutige RB-Trainer Domenico Tedesco (r.) jubelt den Spartak-Fans mit seinem Assistenten Andreas Hinkel zu.
Mai 2021: Der heutige RB-Trainer Domenico Tedesco (r.) jubelt den Spartak-Fans mit seinem Assistenten Andreas Hinkel zu. © Imago Images
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Die Roten Bullen treffen in der Europa League auf den Ex-Club von Domenico Tedesco. Das Hinspiel findet am 10. März in Leipzig statt, das Rückspiel eine Woche später ist auf neutralem Boden geplant.

Leipzig. Beginnen wir sportlich und mit der prächtigen RB-Bilanz von Cheftrainer Domenico Tedesco: Zwölf Pflichtspiele, zwei Niederlagen, ein Remis, neun Siege. Der neunte Erfolg, das hochverdiente 3:1 (1:0) in San Sebastian, führte Tedesco und Co. am Donnerstag ins Achtelfinale der Europa League. An dieser Stelle wurde es mit Blick aufs Weltgeschehen und der EC-Auslosung in Lyon am Freitag sportpolitisch, brisant und diskussionswürdig: Die Roten Bullen spielen gegen Tedescos Ex-Verein Spartak Moskau. Ausgerechnet Moskau. Darf man, soll man, muss man antreten? Welche Signale sind die richtigen? Welche wirken verstörend? Wen trifft man mit welcher Entscheidung?

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„Das ist für mich ein besonderes Spiel“

DFB-Vizepräsident Hermann Winkler aus Grimma meint: Lasst den Ball rollen. Der 58-Jährige sagte dem SPORTBUZZER: „Boykotte haben die Lage noch nie verändert. Sie würden viel mehr die Spieler und Fans treffen als den Staat. Sport und Kultur sind momentan vielleicht die einzigen Möglichkeiten, im Dialog zu bleiben. Putins Politik ist durch nichts zu rechtfertigen. Aber wir können die Menschen in Russland doch jetzt nicht über Jahre isolieren.“ Spartak kam nur deshalb in den Topf der Gesetzten und der potenziellen RB-Gegner, weil sich das Team an den letzten beiden Spieltagen der Gruppenphase noch vom letzten auf den ersten Platz empor kämpfte und mit zehn Punkten den SSC Neapel sowie Leicester City noch hinter sich ließ.

DURCHKLICKEN: Einige Eindrücke vom Rückspiel in San Sebastian

Achtelfinale!!! RB Leipzig setzt sich nach einer souveränen Leistung mit 3:1 bei Real Sociedad durch. Zur Galerie
Achtelfinale!!! RB Leipzig setzt sich nach einer souveränen Leistung mit 3:1 bei Real Sociedad durch. ©

Stand der Dinge: Die Rasenballer folgen den Terminen und Anweisungen der Europäischen Fußball-Union Uefa. Am 10. März – soll – in der Leipziger Red-Bull-Arena gespielt werden. Knapp 25.000 Zuschauer sind erlaubt. Das Rückspiel – soll – am 17. März stattfinden. Laut Freitag-Beschluss der Uefa wird diese Partie nicht auf russischem, sondern neutralem Boden ausgetragen. Eine Reaktion von Spartak Moskau ist nicht bekannt. Zuvor hatte die Uefa das Champions-League-Finale (28. Mai) von St. Petersburg nach Paris verlegt.

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Tedesco, der knappe zwei Jahre lang erfolgreich für Spartak unterwegs war, über die sprichwörtlich brutal gewachsene Bedeutung der Partie: „Das ist für mich ein besonderes Spiel. Ich hatte eine tolle Zeit bei Spartak, in der ich viele tolle Menschen kennengelernt und Freundschaften geschlossen habe. Aber natürlich hätte ich mir andere Umstände für das Wiedersehen gewünscht. Ich hoffe wirklich, dass alles dafür getan wird, um doch noch schnell eine friedliche Lösung zu finden. Sportlich ist es alles andere als eine leichte Aufgabe. Ich kenne die Mannschaft gut und weiß, zu welchen Leistungen sie fähig ist. Trotzdem ist es unser Ziel, weiterzukommen.“

Planen Tedescos Fußballer schon fürs Spiel in Bochum (Sonntag, 15.30 Uhr) eine wie auch immer geartete Aktion? RB-Urgestein Yussuf Poulsen sagte nach der Landung aus San Sebastian: „Ich habe zwei Stunden geschlafen, habe noch keine Zeit gehabt, mit meinen Mitspielern aus dem Mannschaftsrat zu reden, ob wir etwas machen.” Spielen gegen Spartak? „Sie haben sich sportlich qualifiziert. Solange sich die Uefa nicht anders entscheidet und wir auf einem anderen Platz spielen, ist es einfach so.“

„Jeder arbeitet für den anderen“

Poulsens Kollege Willi Orban hatte schon in San Sebastian über den Tellerrand geschaut, schrieb, dass das Ergebnis zweitrangig, er geschockt über die kriegerischen Entwicklungen und mit den Gedanken bei den Menschen in der Ukraine sei. Dazu muss man wissen, dass politische Äußerungen von Red-Bull-Sportlern in Fuschl am See ungern gesehen werden.

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Es wird weiter Fußball gespielt. In Leipzig unter dem Motto: Alle rudern, keiner angelt! „Es ist nicht selbstverständlich, wie jeder seinen Beitrag zum Erfolg leistet“, sagte Tedesco nach dem 3:1 (1:0) in San Sebastian. „Jeder arbeitet für den anderen.“ Bei den unterlegenen Basken schraubt Emil Forsberg, der seit 2015 RB-Mann für die besonderen Momente ist, den Deckel drauf. Forsbergs Handelfmeter zum 3:1 ist ein sporthistorisch wertvoller. „Ich habe schon das 500. Tor gemacht. Jetzt das 1000., auch nicht schlecht.“ Die Rede ist vom 1000. Pflichtspieltor der Rasenballer. Das erste Tor der 2009 Geschlüpften fiel am 31. Juli 2009 beim 5:0 im Landespokal gegen Blau-Weiß Leipzig.

In Spanien setzt Willi Orban den Zug aufs Gleis, hetzt vor allen anderen dem gehaltenen Elfmeter von André Silva hinterher und schiebt zum 1:0 ein. Apropos Elfmeter: Nach dem Gerangel um die Ausführung beim Heim-2:2 gegen San Sebastian und Silvas zweiter Fahrkarte könnte Bewegung in die E-Frage kommen. Bisherige Verabredung: Silva und Forsberg wechseln sich ab. Der Weisheit letzter Schluss? Eher weniger.