22. November 2020 / 16:43 Uhr

Aushilfstrainer-Duo ist machtlos: Hannover 96 blamiert sich ohne Kocak in Würzburg

Aushilfstrainer-Duo ist machtlos: Hannover 96 blamiert sich ohne Kocak in Würzburg

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Die 96-Aushilfstrainer Serhat Umar (links) und Asif Saric (Mitte) konnten nur zusehen, wie Jaka Bijol (rechts) und Co. das Auswärtsspiel in Würzburg aus der Hand gaben.
Die 96-Aushilfstrainer Serhat Umar (links) und Asif Saric (Mitte) konnten nur zusehen, wie Jaka Bijol (rechts) und Co. das Auswärtsspiel in Würzburg aus der Hand gaben. © imago images
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Die Auswärtsschwäche von Hannover 96 wird immer eklatanter. Beim Tabellenletzten Würzburger Kickers kassierte der Zweitligist die vierte Niederlage im vierten Spiel in der Fremde. Trainer Kenan Kocak konnte das Unheil nicht mal sehen, seine Assistenten Asif Saric und Serhat Umar waren an der Seitenlinie machtlos.

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Zwei Co-Trainer beratschlagten an den zwei Regiestühlen. Es gab viel zu besprechen, weil für Hannover 96 in Würzburg gerade ein völlig falscher Film ablief. Der Tabellenletzte Würzburg überfiel den haushohen Favoriten Hannover 96 förmlich. Schließlich schaltete sich Manager Gerhard Zuber an der Regie mit ein. Es half alles nichts. 96 verlor verdient 1:2 in Würzburg, einer Mannschaft, die 24 Spiele zuvor kein Zweitligaspiel gewonnen hatte.

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Kocak bricht im Hotel die Liveübertragung zusammen

Cheftrainer Kenan Kocak war als Retter in der Not nicht greifbar gewesen. Nach der Mannschaftsbesprechung im Hotel zog ein Schmerz ihm in den Rücken – ein so genannter Hexenschuss. Kocak sah im Hotel vor dem Fernsehschirm hilflos zu, bis die Liveübertragung noch vor dem ersten Gegentor zusammenbrach. Den 96-Horrorfilm konnte er nicht einmal live sehen.

Bilder vom Spiel der 2. Bundesliga zwischen den Würzburger Kickers und Hannover 96

Torhüter Michael Esser hat den Ball im ersten Versuch nicht richtig zu fassen bekommen. Zur Galerie
Torhüter Michael Esser hat den Ball im ersten Versuch nicht richtig zu fassen bekommen. ©

96 geht nach der Pause der Sprit aus

„Die Hexe hat ihn erwischt. Beim Kofferpacken im Hotel hat es ihn verrissen“, erklärte Zuber kurz vor der Partie. „Wir werden das Spiel auch für Kenan gewinnen.“ Es blieb reines Wunschdenken des Managers. Nach ordentlich strukturierter erster Hälfte und der Führung durch Marvin Ducksch (17.) spielte 96 wie verhext. „Unerklärlich, warum wir in der zweiten Hälfte so gespielt haben“, sagt Ducksch. "Da ist uns der Sprit ausgegangen", sagte Zuber.

 Patrick Sontheimer foppte Simon Falette mit einem Taschenspielertrick, ließ den Ball durch die Beine laufen, Ridge Mansy glich aus, Falette schaute verdutzt zu (53.). David Kopacz konterte 96 aus – 1:2 (74.). Kocak sah es nicht einmal live. „Wir hatten in der Halbzeitpause Kommunikation. Er hat in der zweiten Hälfte noch dreimal Kontakt zu uns gehabt“, erklärte Saric. Aber Zugriff zur Mannschaft bekamen die Trainer nicht mehr.

Fällt Schindler, sieht Würzburg-Keeper Giefer Rot

Es gehört zu den Details dieses peinlichen Debakels, dass Würzburg gar nicht elf Männern hätte so weit kommen dürfen. Wäre nämlich Kingsley Schindler gefallen, als Torwart Fabian Giefer ihn trat, dann hätte der Würzburg-Keeper wegen einer Notbremse Rot gesehen. Schindler rappelte sich aber auf und spielte weiter (13.). „Vorteil“, rief der glückliche neue Würzburger Trainer Bernhard Trares. Klar, Vorteil Würzburg. "Das hätte der Schiedsrichter pfeifen müssen", gab Trares nachher zu. 

96 verhielt sich selten clever. Im 4-2-3-1-System gab Genki Haraguchi gar keine Impulse, Jaka Bijol wirkte müde, Josip Elez und Simon Falette hinten unsicher und verursachten die Gegentreffer mit. „Trainings-Schwerpunkt in der Woche war die defensive Arbeit“, sagte Saric. „Trotzdem haben wir naive Tore gekriegt – das Gegenteil von dem, was wir trainiert haben.“ Anders gesagt: In der aktuellen Besetzung hilft auch das effektivste Training nichts.

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Twumasis Sternsekunde beim Startelfdebüt

Patrick Twumasis einzige Sternsekunde in seinem Startelfdebüt war der Freistoß vor dem Ducksch-Treffer. Endlich brach 96 den Fluch, nie nach Standards zu treffen. Und doch wirkte die Mannschaft schon fünf Minuten später so, als habe irgendein Zauber sämtliche klare Gedanken gestohlen.

Ohne Druck und Kommandos vom Cheftrainer an der Linie geht es offensichtlich nicht bei Hannover 96. Der gute Asif Saric (55), der vor 14 Jahren mit Thomas Tuchel die höchste Trainerlizenz erhielt, dirigierte am Spielfeldrand. Serhat Umar unterstützte Saric. Sie tüftelten und versuchten, Einfluss auf das Unheil zu nehmen. Umar hatte einen Funkknopf im Ohr, offensichtlich mit direktem Draht zu Kocak. Aber die komplette Mannschaft war in der zweiten Spielhälfte nicht auf Empfang.

Exakt ein halbes Jahr nach dem 4:2 in Osnabrück warten 96-Fans darauf, dass die Mannschaft auswärts mal aufwacht. Eine Kehrtwende ist nicht zu erwarten. Nach der Blamage beim Letzten hat 96 das nächste Auswärtsspiel beim Spitzenreiter Hamburger SV.