30. Dezember 2020 / 14:55 Uhr

Axel Möller gab dem Hamburger SV einen Korb

Axel Möller gab dem Hamburger SV einen Korb

Michael Felke
Kieler Nachrichten
Sommer 1999: Axel Möller als Trainer des TSV Flintbek.
Sommer 1999: Axel Möller als Trainer des TSV Flintbek. © Reinhard Gusner
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Bundesligaprofi. Ein Traum, den viele träumen. Und er hätte für Axel Möller in Erfüllung gehen können. Der Vertrag lag auf dem Tisch. Laufzeit zwei Jahre bis Sommer 1979. Das Jahr in dem der HSV Deutscher Meister werden sollte. Ein verlockendes Angebot für einen jungen Mann, der beim FC Mielkendorf und dem TSV Flintbek das Fußballspielen erlernt hat. Doch wie war der damals 21-Jährige in den Fokus des späteren Europapokalsiegers geraten?

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Axel Möller, der mit 16 Jahren zur KSV Holstein Kiel wechselte, wurde bereits als A-Jugendlicher freigeholt und durfte bei den Herren mittrainieren. „Das war schon eine große Sache. Anfangs allerdings mit ganz viel Schweiß verbunden. Der damalige Liga-Trainer, Werner Banasch, ließ mich oft mit dem Medizinball unter dem Arme meine Runden drehen. Aber die Kraft und Kondition haben mir dann sehr geholfen“, so Möller, der für den Eifer und seine Disziplin belohnt wurde. Im zweiten Herrenjahr kam mit Trainer Gerd Koll der Durchbruch. Holstein startete schlecht in die Saison 1976/77, ehe Axel begann, beinahe nach Belieben zu treffen.

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„Ich habe es auf 22 Tore gebracht. Das war schon toll. Nur Mohamed Amiq von Bremerhaven war besser“, schildert der Torjäger, der einige entscheidende Treffer erzielte. Tore, die Holstein in die Aufstiegsrunde hievten. Ganz wichtig war der 1:0-Heimsieg gegen den Mitbewerber Preußen Hameln auf schneebedecktem Geläuf. „Auf dem tiefen Boden haben wir mit Lederstollen gespielt. Da guckten schon mal die Nägel raus. Technik war da nicht gefragt. Es zählte allein die Ausdauer und Kraft. Die hatten wir, und davon haben wir profitiert. Oft brachte das den Sieg“, erinnert sich Möller aber auch mit einem weinenden Auge zurück: „Es gab zu der Zeit keine Winterpause. Wir haben durchgespielt. Deshalb konnte ich nie in den Skiurlaub. Das habe ich schon bedauert.“

Impressionen aus der Fußballkarriere von Axel Möller

Holstein Bundesligaspieler sorgten 1979 für Andrang, als sie im Rahmen des Kieler Umschlags in der Kieler Bank für Gemeinwirtschaft Autogramme gaben. Gleichzeitig wurde die Schallplatte der Mannschaft, die im Zusammenarbeit mit einer Kieler Discothek herausgebracht wurde, vorgestellt. Unser Foto zeigt (v.l.) Torsten Landsberg, Axel Möller und Manfred Jochimiak, die gerade Schreibdienst haben. Zur Galerie
Holstein Bundesligaspieler sorgten 1979 für Andrang, als sie im Rahmen des Kieler Umschlags in der Kieler Bank für Gemeinwirtschaft Autogramme gaben. Gleichzeitig wurde die Schallplatte der Mannschaft, die im Zusammenarbeit mit einer Kieler Discothek herausgebracht wurde, vorgestellt. Unser Foto zeigt (v.l.) Torsten Landsberg, Axel Möller und Manfred Jochimiak, die gerade "Schreibdienst" haben. ©

Möller setzte mit den Kieler Störchen zu einem Höhenflug an. Am Ende belegte Holstein Platz drei in der Amateuroberliga und qualifizierte sich damit für die Aufstiegsrunde zur zweiten Bundesliga. Ein toller Erfolg und für Axel Möller gab es obendrein noch ein verlockendes Angebot. „Der HSV-Nachwuchstrainer Jockel Krause hat mit mir Kontakt aufgenommen und mich zu einem Gespräch in deren Geschäftsstelle am Rothenbaum eingeladen. Spielerberater gab es damals noch nicht. Also bin ich mit meinem Schwager hingefahren. In Hamburg traf ich mich dann mit dem HSV-Präsidenten Dr. Peter Krohn. Die wollen mich zur nächsten Saison haben“, erinnert sich der Stürmer auch noch an eine Bemerkung, die ihn auch heute noch ein wenig amüsiert. „Dr. Krohn meinte, dass ich mit meinen blonden Haaren gut in das HSV-Trikot passen würde. Das hat er tatsächlich gesagt.“

Nach reiflicher Überlegung schlug Möller das Angebot aus. Er hätte seinen Beamtenstatus bei der Post aufgeben müssen, was er nicht wollte. Der HSV wurde ohne ihn dann 1979 Deutscher Meister. Eine vergebene Chance? „Nein. Ich habe alles richtig gemacht. Und mit Holstein habe ich doch ganz tolle Zeiten erlebt“, meint der Postbeamte, der in zwei Jahren das Pensionsalter erreicht.


Nach 1977 zog er mit den Störchen 1978 ein zweites Mal in die Aufstiegsrunde zur zweiten Bundesliga ein. Und durch einen 1:0-Sieg im letzten Spiel gegen Wacker 04 Berlin gelang der ersehnte Aufstieg. „Das war schon großartig. 15000 Zuschauer im Holstein-Stadion. Als Wölfi Hansen dann den Siegtreffer schoss und das Spiel abgepfiffen wurde, brachen alle Dämme“, hebt Möller noch die große Kameradschaft in einer Mannschaft hervor, deren Spieler alle aus der Region stammten. Libero Jochen Aido war der einzige, der aus Lübeck und damit von etwas außerhalb kam. „Bei Auswärtsspielen haben wir Jochen immer an einer Raststätte aufgesammelt. Nur einmal haben wir ihn vergessen. Das war peinlich. Aber er wurde dann von Fans mitgenommen und kam noch rechtzeitig zum Spiel“, erinnert sich der Angreifer an so einige Momente seiner Laufbahn.

Der 5:2-Sieg im DFB-Pokal 1978 gegen den Karlsruher SC als Axel Möller nach einer Stunde beim Stand von 2:2 eingewechselt wurde und in der Schlussminute das 5:2 markierte - an tollen Momenten hat es nicht gemangelt. Auch nicht in der späteren Trainerlaufbahn. Mit dem FC Süd Kiel gelang ihm der Aufstieg in die Bezirksliga, und beim TSV Flinbek zeigte Möller mit 43 Jahren noch einmal, was er draufhat. Im Bezirksligaspiel gegen den späteren Meister FT Eider Büdelsdorf wechselte sich Möller in den Schlussminuten selbst ein. Bei einem Freistoß aus dem Halbfeld von Maik Lisner schraubte sich Axel in bekannter Manier in die Luft und bugsierte den Ball mit dem Hinterkopf zum 2:1-Siegtreffer über die Linie“. Heute jedoch bleibt ihm das Fußballspielen verwehrt. Einsätze bei den Alten Herren oder in der Holstein Traditionself sind nach einer Hüft-Operation nicht mehr möglich. „Das ist das was mich am meisten stört. Aber die Erinnerungen an die vielen schönen Momente kann mir keiner mehr nehmen“, blickt Axel Möller auf eine erfüllte Karriere zurück, auch wenn er nie das HSV-Trikot getragen hat.