21. April 2020 / 18:40 Uhr

WM-Duell gegen Foreman – Axel Schulz: "Das war der Boxkampf meines Lebens"

WM-Duell gegen Foreman – Axel Schulz: "Das war der Boxkampf meines Lebens"

Peter Stein
Märkische Allgemeine Zeitung
Las Vegas vor 25 Jahren: Herausforderer Axel Schulz (r.) aus Deutschland landet mit seiner Rechten einen Kopftreffer bei Titelverteidiger George Foreman.
Las Vegas vor 25 Jahren: Herausforderer Axel Schulz (r.) aus Deutschland landet mit seiner Rechten einen Kopftreffer bei Titelverteidiger George Foreman. © dpa
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Profiboxer Axel Schulz aus Frankfurt (Oder) verlor vor 25 Jahren das WM-Duell gegen George Foreman. Der Brandenburger erinnert sich.

Dieser Abend des 22. April 1995 hat für immer das Leben von Axel Schulz verändert. Im legendären Grand Garden des MGM-Hotels von Las Vegas im US-Bundesstaat Nevada, damals mit über 5000 Zimmern das größte Hotel der Welt, war die große Bühne bereitet für den unbekannten Deutschen im Schwergewichts-WM-Kampf gegen die Box-Legende George Foreman (USA). Im Spielerparadies standen die Wetten 1:10 gegen den Enkel Schmelings, doch der „Sanfte Riese“, so sein Kampfname, brachte „Big George“ ins Wanken und wurde nach allen Künsten des Profibox-Geschäfts verschaukelt. Während der unbekümmerte Blondschopf aus Frankfurt (Oder) über zwölf Runden über sich hinauswuchs, behielt der 20 Jahre ältere Champion nach einem Skandal-Urteil den WM-Gürtel des Weltverbandes IBF.

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Türöffner für ein traumhaftes Leben

Schulz verstand zwar die (Box-)Welt nicht mehr, aber dieser Kampf war, so sagt er heute, „der Türöffner für ein traumhaftes Leben danach“. Damals war er gerade 26, nun also ist er 51 und möchte die zweite Hälfte des Lebens nicht missen. „Immer wieder werde ich auf diesen Kampf gegen Foreman angesprochen, egal, wo ich bin, ob in Amerika oder zu Hause in Brandenburg“, sagt Schulz. Obwohl er, wie sich hinterher herausstellte, nur durch Bestechungsgelder der US-Veranstalter auf die Setzliste der IBF und zu dem Kampf kam, weil man einen vermeintlich harmlosen Kontrahenten für den 46-jährigen Box-Opa Foreman suchte, empfand das Schulz von Anbeginn als Chance seines Lebens, als ihm Promoter Wilfried Sauerland diese Offerte mitteilte. „Und ich wollte wirklich gewinnen“, bekräftigt er bis heute.

Als moralischer Sieger und Weltmeister der Herzen durfte er sich schon damals fühlen. Auf die Frage, was ihm am meisten von diesem legendären Box-Kampf in Erinnerung blieb, antwortet er sofort: „Die Fahrt danach mit dem Taxi. Ich wollte zu Freunden in ein anderes Hotel. Der Taxifahrer schaute in den Rückspiegel, dachte schon wegen meines zerbeulten Gesichts, ich wolle ihn entführen, da erkannte er mich und sagte: ,Du bist doch der, der gerade gegen Foreman geboxt hat. Für mich hast du gewonnen.’ Da habe ich mich bei allem Frust gleich besser gefühlt.“ Immerhin wurde Schulz die Niederlage mit 500 000 Mark versüßt, die „New York Times“ sprach gar von einer Million US-Dollar und zehn Millionen US-Dollar für Foreman, der danach zum Rematch antreten sollte, aber vor dem Deutschen kniff und den Titel niederlegen musste.

So boxte Schulz später in Stuttgart gegen den Südafrikaner Francois Botha, verlor wieder umstritten, holte aber mit 18,03 Millionen Zuschauern bei RTL – für den Foreman-Kampf saßen in den frühen Morgenstunden vier Millionen Deutsche vorm Fernseher – bis heute den TV-Rekord für Profiboxen, da kamen kein Maske, kein Klitschko heran.

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„Die Tage und Wochen nach dem Kampf waren wirklich irre“, erinnert sich Schulz. „Drei Tage später haben mich 5000 Leute vor dem Rathaus in Frankfurt (Oder) jubelnd empfangen.“ Als er zwei Wochen vorher in Berlin-Tegel mit Trainer Manfred Wolke – „das ist Axels Schicksalskampf“ – über den großen Teich als fast unbekannter Box-Abenteurer losflog, war bis auf ein mitfliegendes Kamera-Team nur der Autor dieser Zeilen als Berichterstatter für eine Presseagentur vor Ort. „Nach dem Kampf war ich in fast jeder deutschen Talk-Show, außer ,Vera am Mittag’ vielleicht“, sagt Schwiegermutters Liebling mit einem breiten Grinsen. „Ich habe alles richtig gemacht“, bekräftigt er, um dann doch nachzuschieben: „Wenn ich gewonnen hätte, wäre der Hype noch viel größer gewesen, da bin ich mir sicher.“

Es sei sicherlich auch boxerisch seine beste Leistung gewesen. „Der Druck war nicht so groß, niemand hatte einen Sieg vorher von mir erwartet, nur ich selbst.“ Sogar vor dem Abflug hatte er noch kundgetan: „Ich habe schon oft von diesem Kampf geträumt, in letzter Zeit gewinne ich immer öfter.“ Es klang zwar ein bisschen wie das Pfeifen im Walde, aber Schulz hatte über zwölf Runden tatsächlich beide Fäuste in die Hand genommen und zeigte sein Kämpferherz. „Anfangs wollte ich Foreman mit meinem jugendlichen Überschwang überraschen. Aber dann hat er mich mit seiner Masse (Foreman wog 120, Schulz 98 Kilo; Anm.d.Red.) ein paar Mal weggeschoben. Da bin ich wieder auf die Taktik meines Trainers zurück, habe auf schnelle Beine und Konter gesetzt.“


Pflichten als Familienvater

Schulz, der 1996 im Dortmunder Westfalenstadion auch im dritten Anlauf um die Schwergewichts-WM-Krone gegen Michael Moorer (USA) scheiterte, erhielt aber im Vorjahr – tatsächlich im MGM von Las Vegas – noch den WM-Gürtel für den Foreman-Kampf. Der IBF-Präsident höchstpersönlich entschuldigte sich bei ihm für das Skandal-Urteil, das übrigens drei US-Punktrichter mit 114:114, 113:115 und 113:115 gegen Schulz fällten. Selbst die „Los Angeles Times“ schrieb 1995: „Das war Betrug. Die Punktrichter hatten Tomaten auf den Augen.“

Schulz – „Wahnsinn, dass das schon 25 Jahre her ist“ – ist ein gemachter Mann, nicht nur TV-Boxexperte, sondern auch als Unternehmer für alle Sachen rund ums Grillen. Auch in dieser Hinsicht macht er also George Foreman bis heute Konkurrenz. Und weil zum Grillen ein gutes, gekühltes Bier gehört, hat Schulz seit kurzem sogar seine eigene Marke – „so wie Schulz nur mit drei U“ – auf dem Getränkemarkt. Ansonsten kümmert sich der Familienvater im Homeoffice um seine schulpflichtigen Töchter Paulina (13) und Amelina (10). Weil „Pauli“, wie der Vater sagt, normalerweise als Schwimmerin an der Sportschule in Potsdam aktiv ist, übernimmt er gerade ein wenig die Trainerrolle. „Ich sitze wegen meiner kaputten Knie auf dem Fahrrad und sie läuft. Da gibt es auch mal Kontra von ihr nach dem Motto: ,Mach du doch!’ Das finde ich gut.“