08. April 2021 / 22:45 Uhr

Bitter: Bärenstarke Grizzlys verlieren in München ganz spät 3:4

Bitter: Bärenstarke Grizzlys verlieren in München ganz spät 3:4

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Münchens Philip Gogulla gegen Wolfsburgs Matti Järvinen. 
Münchens Philip Gogulla gegen Wolfsburgs Matti Järvinen.  © Grizzlys Wolfsburg/City-Press GmbH
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Hinten gelegen, geführt, wieder geführt - und am Ende doch verloren. Die Grizzlys Wolfsburg kassierten bei Red Bull München eine bittere 3:4-Niederlage. Das entscheidende Tor fiel kurz vor Schluss in der einzigen Überzahl-Situation der Gastgeber.

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Das war eine ganz starke Vorstellung der Grizzlys Wolfsburg. Aber hoffentlich hinterlässt sie nun mental keine Spuren. Beim Südzweiten EHC München unterlag der Eishockey-Erstligist nämlich nach mehrfacher Führung mit 3:4 (0:0, 2:1, 1:3) durch ein spätes Tor und büßte den Play-Off-Platz erst einmal ein. Für die Grizzlys trafen Toto Rech, Phil Hungerecker und Pekka Jormakka.

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Personal

Die Grizzlys spielten mit dem gleichen Aufgebot wie am Montag gegen die Schwenninger Wild Wings. Verteidiger Maximilian Adam agierte erneut als zwölfter Stürmer, Chet Pickard stand jedoch diesmal im Wolfsburger Kasten. Beim 5:3 gegen Schwenningen war es noch Dustin Strahlmeier gewesen. 

Zum wiederholten Male allerdings stimmte damit das zuerst von der Liga veröffentlichte Line-Up nicht mit dem tatsächlichen überein. Auf SPORTBUZZER-Nachfrage hatte es vonseiten der Grizzlys mal geheißen, der Fehler liege nicht bei ihnen. 

Am Montag hatte bei den Grizzlys Stürmer Jordan Boucher aus disziplinarischen Gründen gefehlt. Und darum fehlte er auch gestern, hatte die Fahrt gar nicht mit angetreten. Als elfter Importspieler wäre er aber ohnehin überzählig gewesen. Wie schon gegen Schwenningen war Phil Bruggisser für ihn drin. Und der Verteidiger, der lange nicht überzeugt hatte, wenn er die Chance bekam, machte seine Sache erneut gut. Bruggisser hat einen zwei-Jahres-Vertrag, dass Boucher einen neuen Kontrakt bekommt, war schon lange unwahrscheinlich.

München musste auf den angeschlagenen Ex-Grizzly Mark Voakes verzichten, der fünftbester Scorer der bayerischen Landeshauptstädter ist.

RB München gegen Grizzlys Wolfsburg - Die Bilder

Phil Hungerecker, Jeffrey Likens , Max Görtz und Phillip Bruggisser (v. l.) vorm Spiel. Zur Galerie
Phil Hungerecker, Jeffrey Likens , Max Görtz und Phillip Bruggisser (v. l.) vorm Spiel. © Grizzlys Wolfsburg/City-Press GmbH

Die Grizzlys gegen ein Top-Team - das Spiel beim Tabellenzweiten der Südgruppe lief erst einmal so wie die Duelle im Norden gegen Berlin (da gelangen den Grizzlys vier Siege) und gegen den Süd-Überflieger Mannheim (da verloren die Grizzlys zweimal haarscharf und unglücklich).

München hatte mehr vom Spiel, die Gäste abe machten kaum Fehler, ließen nichts Gefährliches zu - und starteten ihrerseits Konter. Und auch das sah - leider - wie so oft aus: Wolfsburg machte nichts draus. Super-Vorarbeit von Jormakka, Garrett Festerling schon zu nah vor Danny aus den Birken, Münchens Keeper blieb Sieger, die Scheibe trudelte über die Latte. Aus dieser Szene sprang ein Powerplay heraus, Julian Melchiori startete mal von hinten durch, tolles Solo, doch mit der Rückhand bekam er den Puck nicht über aus den Birkens Schoner. Beim nächsten Prachtangriff über Max Görtz und Matti Järvinen behielt der Keeper auch gegen Sebastian Furchner die Oberhand. Und gegen Rech, der es nach Dominik Bittners Steilpass versuchte. Eine Gäste-Führung wäre nicht nur verdient, sondern ein Muss gewesen.

Mit Beginn des zweiten Drittels setzten die Grizzlys nach, machten selbst mal Druck. Doch dann entfachten die Gastgeber mal drei Minuten Feuer - und Chris Bourque erzielte nach schneller Kombination das 1:0. Die Niedersachsen blieben aber völlig unbeeindruckt, suchten nun weiter mutig den Weg nach vorn. Und sie überraschten die Gastgeber auch dadurch, dass sie schneller hinten raus spielten als üblich. Der Mut wurde belohnt. Oder besser: Die Grizzlys belohnten sich. Spencer Machacek scheiterte zwar bei seinem Antritt, parkte aber vor aus den Birken ein, der sah nichts, Rech jagte den Puck im Nachschuss in den Giebel.

Es kam noch besser: Ausflug des Münchner Keepers, Hungerecker störte entscheidend, von der blauen Linie zog Jeff Likens ab, Hungerecker fälschte ab - nun hatten die Grizzlys die verdiente Führung. 2:1, wenn auch nach langem Videobeweis. München monierte, Hungerecker hätte den Keeper vorher behindert, im Vorüberfahren - übrigens außerhalb des Torraums - am Schläger getroffen. Es war eher so, dass der Torwart den Schläger erst fallen ließ, als er den Schuss kommen sah.

Wenig später zählte ein Treffer von Festerling nicht, sein Schläger war ein Tick zu hoch, als er den Puck ins Netz abfälschte. Hungerecker meinte zur zweiten Pause: "Ich glaube, wir machen ein gutes Spiel, unsere vier Reihen funktionieren gut, Chet macht ein gutes Spiel." Zu seinem Treffer und der vermeintlichen Torwartbehinderung fügte er hinzu: "Ich glaube, mein Kontakt war nicht so entscheidend."

Die Grizzlys hatten gut gespielt, aber ein Spiel dauert 60 Minuten. Mindestens. München kam, München glich aus: mit Wolfsburger Mitteln. Yasin Ehliz war nach starkem Steilpass von Zach Redmond durch, lufte den Puck zu seinem 16. Saisontor cool unter die Latte - 2:2. Doch wieder schlug das Team um Münchens einstigen Aufstiegstrainer Pat Cortina zurück: Festerling setzte gegen Verteidiger Benedikt Kastner nach, der sich der Scheibe sicher glaubte. Den Querpass jagte Jormakka aus den Birken durch die Beine - Wolfsburg lag mit 3:2 wieder vorn. De wilde Fahrt ging weiter.Yannic Seidenberg traf (parallel zur Torlinie die Handschuhrückseite bei Pickard, von der aus der Puck reintropfte) zum 3:3. Görtz hatte kurz danach das 4:3 für Wolfsburg auf dem Schläger. Doch das schoss München, kaum, dass die Grizzlys ihre erste Strafe im Spiel kassiert hatten - nach einem unnötigen Stockcheck von Armin Wurm gegen Parkes.

Wolfsburgs Keeper Pickard: "Wir hätten mehr verdient gehabt. Das war eine bittere Niederlage, aber wir haben ein gutes Spiel gemacht."

Statistik

München: Aus den Birken – Boyle, Seidenberg; Prow, Abeltshauser; Redmond, Maione; MacWilliam – Mauer, Roy, Gogulla; Peterka, Kastner, Ehliz; Parkes, Schütz, Bourque; Mayenschein, Ebbett, Daubner.

Grizzlys: Strahlmeier – Likens, Melchiori; Bittner, Möser; Bruggisser, Wurm; Raabe – Görtz, Järvinen, Furchner; Machacek, Olimb, Rech; Fauser, Festerling, Jormakka; Adam, Nijenhuis, Hungerecker.

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Schiedsrichter: Kohlmüller/Schukies. Zuschauer: keine. Strafminuten: München 2 / Grizzlys 2.

Tore: 1:0 (26:28) Bourque (Schütz/Parkes), 1:1 (32:14) Rech (Machacek), 1:2 (37:48) Hungerecker (Likens), 2:2 (45:32) Ehliz (Redmond), 2:3 (47:55) Jormakka (Festerling), 3:3 (55:40) Seidenberg (Parkes), 4:3 (58:35) Roy (Mauer/Seidenberg - 5:4).