11. Juni 2020 / 18:13 Uhr

Training in der Halle: Die B-Junioren der TSV Burgdorf haben endlich wieder ein Dach über dem Kopf

Training in der Halle: Die B-Junioren der TSV Burgdorf haben endlich wieder ein Dach über dem Kopf

Ole Rottmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Trainer Vincent Marohn (Mitte) zeigt beim Trainingsauftakt, wo es langgeht.
Trainer Vincent Marohn (Mitte) zeigt beim Trainingsauftakt, wo es langgeht. © Debbie Jayne Kinsey
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Die Handballer aus und um Hannover dürfen zurück in die Hallen - der SPORTBUZZER war dabei. Für die B-Junioren der TSV Burgdorf war alles noch etwas ungewohnt.

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Den ersten Treffer wirft der Schlussmann. Um 17.47 Uhr liegt der Ball nach zwölfwöchiger Corona-Pause endlich wieder im Tor. Ein Pass von Keeper Nils Waterstrat war seinem Aufwärmpartner Noah von Berg durch die Hände geglitten und hinter ihm im Kasten gelandet.

15 B-Junioren machen den Anfang

Ob es am Desinfektionsmittel liegt, mit dem die Bälle bestens riechbar vor Trainingsstart präpariert wurden? Wie Haftmittel scheint der Virentöter zumindest nicht gerade zu wirken.

Ein perplexer Blick über die Schulter, gefolgt von einem schelmischen Grinsen. Jubeln mit Körperkontakt ist derzeit ja noch untersagt. Doch dieses Glücksgefühl, wenn das Netz raschelt, ist sofort wieder zurück bei den Jungen der Jahrgänge 2004 und 2005, von denen Trainer Vincent Marohn an diesem Nachmittag 15 zum B-Juniorentraining bestellt hat.

Daniel Weber wirft das letzte Tor

Der Restart bei der TSV Burgdorf wird schon in den Teamzusammensetzungen der kommenden Saison vollführt. Die Älteren sind bereits zu den A-Junioren aufgerückt; mit ihnen hat auch Daniel Weber, der am 8. März das letzte Tor vor dem Lockdown gegen den HV Lüneburg warf, das Team verlassen. Gerade mal gut drei Monate ist das jetzt her. Und doch hat sich seitdem so viel verändert.

Die B-Junioren der TSV Burgdorf trainieren zum ersten Mal nach der Corona-Pause wieder in der Halle - und auf dem Schulhof.

Die B-Junioren der TSV Burgdorf trainieren zum ersten Mal nach der Corona-Pause wieder in der Halle - und auf dem Schulhof. Zur Galerie
Die B-Junioren der TSV Burgdorf trainieren zum ersten Mal nach der Corona-Pause wieder in der Halle - und auf dem Schulhof. ©

Eine knappe halbe Stunde vor dem eher ungewollten Premierentor Waterstrats erhalten die Juniorenhandballer nur portionsweise Einlass. Marohn und Athletiktrainerin Christine Witte haben im Hallenfoyer der Gudrun-Pausewang-Schule eine Materialausgabe eingerichtet und rufen die Jugendlichen nach und nach auf.

„Aber mit Abstand!“

Sobald sie ihre Pulsmessbänder in Empfang genommen und Geburtsdatum, Größe sowie Gewicht zu Protokoll gegeben haben, werden sie an unterschiedliche Orte des Komplexes geleitet. Nicht sämtliche Befragten vermögen alles auf Anhieb zu beantworten. Daher setzt Witte mitunter auf Vergleiche. „Stellt euch mal nebeneinander“, sagt sie. „Aber mit Abstand!“ Größenbestimmung auf Sicht.

Die Gruppe wurde vorerst geteilt – in den Genuss des Geräuschs geworfener Tore kommt zunächst nur eine Hälfte. Die restlichen Sieben müssen mit Witte an die frische Luft auf den Schulhof, wo – geschützt durch einen Unterstand – mehrere Hanteln auf ihren Einsatz warten. Auch der Spielplatz wird genutzt – für Klimmzüge im Sandkasten.

„Man will sich’s ja nicht direkt verscherzen“

Die dunklen Wolken verheißen Regen – doch auch im Halleninneren droht Ungemach. „Beim Hintereinanderlaufen werden mindestens zehn Meter Abstand empfohlen, um das Durchlaufen der Atemwolke zu verhindern“, schreibt der Handball-Verband Niedersachsen (HVN) in seinen Hygieneregeln vielsagend. Deshalb hat Marohn mit bunten Hütchen eine feste Bahn für jeden abgesteckt. „Man will sich’s ja nicht direkt verscherzen“, sagt der ­36-Jährige schmunzelnd.

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Die Grünewaldstraße, an der sich die sogenannte Reckenschmiede befindet, darf nur in einer Richtung befahren werden. Temporär wird nun auch die Halle selbst zur Einbahnstraße. Damit sich die Mitglieder beider Teamhälften nicht begegnen, wenn nach einer Stunde der Wechsel zwischen Handball und Fitness ansteht, hat Marohn einen Rundkurs eingerichtet. Zum Glück gibt es zwei Hallentüren: einen Aus- sowie einen Eingang.

Ortega junior schwitzt mit

„Für uns ist es ein kleiner positiver Effekt dieser Zeit, dass man persönliche Defizite individuell aufarbeiten kann“, sagt Marohn, um danach seinen Jungs, die es etwas zu lockern angehen lassen, während der Trainer kurz abgelenkt scheint, „mehr Körperspannung!“ zuzuraunen.

Manuel – der mittlere Spross von Recken-Chefcoach Carlos Ortega – übt neben Abschlüssen und Finten das Verschieben. Einen umgedrehten mit Hantelscheiben bestückten kleinen Kasten muss Ortega junior nach dem Werfen durch die Halle befördern. Andere quälen sich an der Koordinationsleiter.

Erste Weg führt zum Desinfektionsspender

Der HVN empfiehlt in seinem Konzept auch, „die Anzahl an Kontakten mit Türklinken“ abzusenken. Wie praktisch, dass der Zugang vom Hantelfeld ins Halleninnere keinen Handgriff besitzt. Wobei – wenn die Tür einmal zugefallen ist, was prompt passiert, ist erst einmal guter Rat teuer.

„Über den Zaun klettern“, empfiehlt Witte scherzhaft. Doch Arthur Pastoor weiß sich anders zu helfen. Einmal kräftig von außen gebollert, schon öffnet ein Kollege. Im Team trainiert es sich eben doch leichter als allein oder per Videochat. Und dass der erste Weg danach zum Desinfektionsspender geht, können alle verschmerzen.

Bilder zum Spiel der Handball-Bundesliga zwischen der TSV Hannover-Burgdorf und Frisch Auf Göppingen:

Den Recken war die Enttäuschung nach dem Spiel anzusehen.  Zur Galerie
Den Recken war die Enttäuschung nach dem Spiel anzusehen.  ©

Für die HSG Deister-Süntel war es „gefühlt wie ein halbes Jahr“

Auch bei den Männern der HSG Deister-Süntel stehen die Athleten wieder in den Startlöchern. Ende Mai begannen auch sie mit dem Training, selbstverständlich kontaktlos und unter Einhaltung aller Hygienemaßnahmen.

Für den Sportlichen Leiter Jens Buchmeier waren die letzten zweieinhalb Monate „gefühlt wie ein halbes Jahr“. Probleme bereiten ihm die Corona-Vorschriften nicht. Im Gegenteil: „Es war wichtig, wieder in den Rhythmus eines normalen Trainings zu kommen“, sagt Buchmeier. Außerdem stehe die HSG weiterhin mit anderen Vereinen für gegenseitige Tipps zum Training im Austausch.

Barsinghausen und Osterwald müssen warten

Nicht ganz so einfach ist die aktuelle Situation beim HV Barsinghausen und dem SV Wacker Osterwald. Dem Mannschaftstraining in der Halle schieben die Kommunen weiterhin einen Riegel vor.

„Wir sind keinesfalls böse, dass wir noch auf dem Kunstrasenplatz trainieren müssen. Aus zeitlichen Gründen wäre es ohnehin schwer gewesen, alle Mannschaften in der Halle unterzubringen“, sagt Wackers Vorsitzender Ulrich Körber.

Unklar bleibt, ob die neue Saison im September starten kann: „Da müsste man schon in die Glaskugel gucken, um das sagen zu können“, sagt Buchmeier.