07. Juli 2018 / 06:54 Uhr

Babak Rafati erklärt: Wie Russlands Heimbonus den Schiedsrichter beeinflusst

Babak Rafati erklärt: Wie Russlands Heimbonus den Schiedsrichter beeinflusst

Babak Rafati
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Babak Rafati glaubt, dass Russlands Fans den Unterschied ausmachen können.
Babak Rafati glaubt, dass Russlands Fans den Unterschied ausmachen können. © imago/AFLOSPORT
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Der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter und SPORTBUZZER-Experte Babak Rafati hofft, dass der brasilianische Schiedsrichter Sandro Ricci bei Russlands Spiel gegen Kroatien cool bleibt.

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Am Samstag spielt Gastgeber Russland im Viertelfinale gegen Kroatien. Klar, dass da praktisch das gesamte Stadion von russischen Fans besetzt sein wird. Die Stimmung wird gigantisch. Sie kann für den Schiedsrichter aber auch zum Problem werden.

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Zunächst hoffe ich, dass der brasilianische Referee Sandro Ricci seine bislang starken Leistungen bei der WM bestätigt und sich nicht vom Publikum beeindrucken oder sogar beeinflussen lässt. Denn das kann durchaus passieren. Wenn einen Zigtausend Menschen ausbuhen oder beschimpfen, bekommt man das auch auf dem Platz mit. Da steht man als Referee zusätzlich unter Stress.

Ricci muss fokussiert und konzentriert bleiben

Trotzdem muss Ricci fokussiert, konzentriert und objektiv bleiben. Aber wir sprechen hier von einem Menschen und keinem eiskalten und gefühllosen Roboter. Es gab schon einige Referees – auch auf diesem Niveau –, die sich von der Kulisse beeinflussen ließen. Je lauter die Zuschauer protestieren, desto mehr heizt das auch die Spieler auf. So war es zum Beispiel bei der Partie England gegen Kolumbien. Das Stadion war voll mit Südamerikanern, die sich benachteiligt fühlten. Das übertrug sich auf das Spielfeld und die kolumbianischen Spieler. Schiedsrichter Mark Geiger verlor dadurch komplett die Kon­trol­le über das Spiel.

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Als einziger deutscher Schiedsrichter geht Felix Brych bei der WM 2018 an den Start. In unserer großen Bildergalerie stellen wir ihn und die 34 weiteren Unparteiischen der Weltmeisterschaft in Russland vor.  ©

Gibt es einen Heimbonus?

Grundsätzlich gibt es im Unterbewusstsein schon einen Heimbonus. Und wenn ein Schiedsrichter dreimal eine Gelbe Karte für Spieler der Heimmannschaft zeigen musste, wird er sich eine Gelegenheit suchen, auch einen gegnerischen Spieler zu verwarnen. In der Schiedsrichtersprache nennt man so was dann ein Geschenk.

Heute ist Rafati Referent in der freien Wirtschaft und Mentalcoach für Profifußballer und Manager zum Thema Stressmanagement und Motivation (www.babak-rafati.de).