09. April 2019 / 06:00 Uhr

Babak Rafati: Schiedsrichter müssen im mentalen Bereich dazulernen!

Babak Rafati: Schiedsrichter müssen im mentalen Bereich dazulernen!

Babak Rafati
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Eine eindeutige Ansprache, die respektiert wird: Manuel Gräfe überzeugte im Topspiel.
Eine eindeutige Ansprache, die respektiert wird: Manuel Gräfe überzeugte im Topspiel. © Verwendung weltweit
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Der frühere Bundesliga-Schiedsrichter Babak Rafati kritisiert in seiner SPORTBUZZER-Kolumne die kommunikativen Fähigkeiten der Schiedsrichter. Das Wie im Umgang mit den Spielern sei entscheidend.

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Beim Topspiel zwischen Bayern München und Borussia Dortmund war Schiedsrichter Manuel Gräfe aufgrund des Spielverlaufs nicht sonderlich gefordert. In der 2. Spielminute zeigte er aber gleich, warum er ein Topschiri ist. Münchens Robert Lewandowski kam bei einem Zweikampf im Strafraum zu Fall und Gräfe suchte den direkten Kontakt zu ihm. Kommunikation auf Augenhöhe. Er konnte sich daher später erlauben, Dortmunds Marco Reus „Vaterschutz“ zu gewähren, indem er eine klare Gelbe Karte nach Foulspiel an Lewandowski stecken ließ. Keine Proteste. Gräfe hatte im Dialog zuvor in der 2. Spielminute die Weichen gestellt. Stark!

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Beim Spiel Schalke 04 gegen Eintracht Frankfurt entschied der Schiedsrichter in der Nachspielzeit vollkommen zu Recht auf Strafstoß für Frankfurt. Trotzdem gab es heftige Proteste. Neulich sagte Bundestrainer Joachim Löw in einem Interview: „Die Spieler müssen nicht schneller laufen oder technisch besser werden, denn die Grenze ist bereits erreicht. Wir brauchen Spieler, die im kognitiven Bereich besser ausgebildet werden. Das ist die Zukunft.“ In diesem Punkt hat er auch bei den Schiedsrichtern genau den Nerv getroffen. Obwohl der Schiedsrichter den Frankfurtern zuvor nach Foulspiel an Ante Rebic einen klaren Strafstoß verwehrte, fühlten sich nach dem Schlusspfiff dennoch die Schalker betrogen. Warum aber?

Umgang mit Spielern: Das Wie ist entscheidend

Das Wie ist entscheidend. Die Schalker hätten die Entscheidung an sich akzeptiert, spätestens nach Ansicht der TV-Bilder. Was aber bleibt ist das Gefühl. Der Schiedsrichter hat kein Feingespür und geht nach Studium der TV-Bilder verunsichert zu Schalkes Daniel Caligiuri, textet ihn voll und entscheidet plötzlich auf Strafstoß. Richtige Entscheidung und im Ergebnis trotzdem wild gestikulierende Spieler, die den Schiri bis zum Elfmeterpunkt eskortieren.

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Nach dem Spiel erklärte der Schiri, dass er bei so einer Schlüsselszene Caligiuri seine Entscheidung erklären wollte, um zu deeskalieren. In einer Schlüsselszene in der 99. Spielminute auch noch zwei Gelbe Karten wegen Meckerns zu zeigen ist eine Machtdemonstration. Aber keine Deeskalation! Die Schiedsrichter müssen nicht an ihrer Qualität arbeiten. Die erheblichen Defizite liegen im Umgang, in der Kommunikation sowie im mentalen Bereich. Wie sagte Löw doch ganz treffend: „Das ist die Zukunft.“

Immer dienstags wechseln sich an dieser Stelle Bestseller-Autor Ronald Reng, Kulttrainer Hans Meyer, der Ex-Schiedsrichter und heutige Motivationscoach für Unternehmen Babak Rafati, Sky-Kommentator Wolff Fuss und Jochen Breyer, Moderator des ZDF-„Sportstudios“, mit Meinungsbeiträgen ab. Sie sind alle Kolumnisten des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND).