03. Dezember 2022 / 13:44 Uhr

Rafati über Uruguay-Tumulte gegen Siebert: Ansetzung "misslungen" – WM-Aus für deutschen Schiedsrichter?

Rafati über Uruguay-Tumulte gegen Siebert: Ansetzung "misslungen" – WM-Aus für deutschen Schiedsrichter?

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der deutsche Schiedsrichter Daniel Siebert (links) wurde für strittige Entscheidungen von den Uruguay-Spielern kritisiert.
Der deutsche Schiedsrichter Daniel Siebert (links) wurde für strittige Entscheidungen von den Uruguay-Spielern kritisiert. © Getty/IMAGO/Rust (Montage)
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Ex-Schiedsrichter Babak Rafati hat auf die heftige Kritik am deutschen Referee Daniel Siebert und an dessen Leistung beim 2:0-Sieg Uruguays im WM-Vorrundenspiel gegen Ghana reagiert. Siebert war nach dem Spiel von mehreren Spielern Uruguays arg bedrängt worden – für Rafati ein Unding. Dennoch sieht er die Ansetzung als "misslungen" an.

Es war kein einfaches Spiel für den deutschen Schiedsrichter Daniel Siebert. Das 2:0 im letzten WM-Gruppenspiel zwischen Uruguay und Ghana reichte den Südamerikanern nicht für den Achtelfinal-Einzug – ein Tor fehlte gegenüber dem Zweiten Südkorea. Und weil Siebert dem zweimaligen Weltmeister in zwei Strafraumszenen keinen Elfmeter gab, trägt er in den Augen von Luis Suarez und Co. eine Mitschuld.

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Schon zu Beginn bekam Ghana einen Elfmeter nach VAR-Überprüfung zugesprochen, allerdings zurecht. Der wurde ohnehin verschossen. Dann kam die erste knifflige Entscheidung, die Ex-FIFA-Referee Babak Rafati als Fehler bewertet. "Es war ein Foul an Darwin Nunez. Siebert lässt weiterlaufen", sagt Rafati dem SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND): "Er schaut sich das am Monitor an, auf den Hinweis des Videoschiedsrichters. Und er bleibt bei seiner Entscheidung und signalisiert, dass der Ball gespielt wurde. Dabei wurde der nur minimal gestreift."

Die vehement umstrittene Szene hatte keine übertriebenen Reklamationen zur Folge, aber doch, dass die Uruguayer ohnehin mit Siebert unzufrieden waren. Als Edinson Cavani in der Nachspielzeit im Strafraum fiel, und der Pfiff wieder ausblieb, waren sie nicht mehr zu halten. "Ich spreche jetzt mal aus dem Nähkästchen: Das ist ein Geschenk für den Schiedsrichter. Wenn du den Elfmeter vorher nicht gepfiffen hast, der mehr als ein halber war, und dann wieder ein halber, dann gibst du ihn, es geht 3:0 aus, kein Mensch will was von dir. Und du bleibst selbst im Turnier", meint Rafati.

Rafati: "Das, was nach dem Abpfiff passiert ist, geht nicht"

Die Südkoreaner hätten das wohl anders gesehen. So aber ist sich der ehemalige Schiedsrichter sicher, dass es nicht nur für Uruguay, sondern auch Siebert das letzte Spiel war. Der 38 Jahre alte Bundesliga-Referee wurde im Anschluss hart angegangen. "Das, was nach dem Abpfiff passiert ist, geht nicht. Aber meine Vermutung ist, dass ein Schiedsrichter mit dieser Außendarstellung, wo ihn die Spieler attackieren, von Pierluigi Collina (FIFA-Schiri-Boss, d. Red.) nicht mehr eingesetzt wird", erklärt Rafati.

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Die Partie zwischen Uruguay und Ghana hatte eine pikante Vorgeschichte, weil Suarez bei der WM 2010 ein klares Handspiel beging, damit ein Tor der Afrikaner verhinderte und sie später im Elfmeterschießen den Halbfinaleinzug verpassten. Zudem hatte Uruguay im zweiten Spiel gegen Portugal durch eine Fehlentscheidung nach Videobeweis in der Nachspielzeit das 0:2 kassiert – wäre es bei 0:1 geblieben, stünde Uruguay nun in der K.o.-Runde.

Rafati meint, dass Siebert unter diesen Voraussetzungen "so ein Spiel auch anders moderieren und anders mit den Spielern kommunizieren, das anders managen muss", zudem solle er "nicht so unnahbar sein". Als Beispiel nennt er die Aktion von Suarez, der den Ball leicht wegschießt und dafür – regelkonform – die Gelbe Karte kassiert. "Da muss ein Schiedsrichter mit mehr Persönlichkeit an die Sache, er kann einem solch routinierten Spieler das anders erklären." Insgesamt sieht Rafati die Ansetzung des "noch zu unerfahrenen" Siebert als "misslungen" an.

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