11. Februar 2020 / 06:05 Uhr

Babak Rafati: Härtere Strafe bei fehlendem Respekt? Deshalb ist die neue Regel ein Trugschluss

Babak Rafati: Härtere Strafe bei fehlendem Respekt? Deshalb ist die neue Regel ein Trugschluss

Babak Rafati
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Werder immer wieder in Diskussionen verwickelt: Die Schiedsrichter in der Bundesliga. Babak Rafati hat eine Idee, wie man das verhindern kann.
Werder immer wieder in Diskussionen verwickelt: Die Schiedsrichter in der Bundesliga. Babak Rafati hat eine Idee, wie man das verhindern kann. © Getty Images
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Der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter Babak Rafati hält nicht viel von der strengeren Bestrafung von Spielern, um den Respekt vor Schiedsrichtern zu erhöhen. Vielmehr fordert er, die Spieler schon im Nachwuchsleistungszentrum zu mehr Respekt zu erziehen.

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Das Thema Respekt im deutschen Fußball fegt wie ein Orkan durch unsere Stadien. Wir sehen Jagdszenen auf Amateurplätzen sowie abwinkende, lamentierende und protestierende Spieler in der Bundesliga. Nun hat der DFB von seinen Schiedsrichtern eingefordert, härter durchzugreifen. Als Zeichen gegen Gewalt in Amateurklassen.

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Aber werden die Respektallergiker auf den Amateurplätzen auf Dauer friedlicher, nur weil in der Bundesliga schneller Gelb gezeigt wird? Wie reagieren sie, wenn sich extrem strittige Szenen wie vor dem Gelb-Rot gegen Alassane Pléa von Gladbach oder Rot gegen Schalke-Trainer David Wagner ereignen?

Rafati ist sich sicher: Spieler kann nicht umerzogen werden

Ich glaube, dass ein Eklat nicht zu vermeiden ist, wenn sich Respektallergiker ungerecht behandelt fühlen. Außerdem ist der Zeitpunkt für ein neues Durchgreifen unglücklich gewählt, da die Schiedsrichter durch den Videobeweis und die Handspielregel schon genug Dampf auf dem Kessel haben. Kein Schiedsrichter dieser Welt wird jemals einen Spieler, ob Profi oder Amateur, umerziehen können. Da überschätzt der DFB seine Reputation, zumindest noch!

Die neuen Bundesliga-Regeln: Das ist in der Saison 2019/20 im Fußball neu

Der Videobeweis hat den Fußball maßgeblich verändert. Vor allem bei Handspielen ist es in der Bundesliga zuletzt immer wieder zu heftigen Debatten gekommen. Zur Saison 2019/20 wurden einige Regelveränderungen vorgenommen, die es Schiedsrichtern und Videoassistenten leichter machen sollen. Der <b>SPORT</b>BUZZER hat die neuen Regeln zusammengefasst. Zur Galerie
Der Videobeweis hat den Fußball maßgeblich verändert. Vor allem bei Handspielen ist es in der Bundesliga zuletzt immer wieder zu heftigen Debatten gekommen. Zur Saison 2019/20 wurden einige Regelveränderungen vorgenommen, die es Schiedsrichtern und Videoassistenten leichter machen sollen. Der SPORTBUZZER hat die neuen Regeln zusammengefasst. ©
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Das Problem liegt woanders. Wenn man das löst, kann man auch die Amateure erreichen. Die Profis müssen frühzeitig in den Nachwuchsleistungszen­tren durch die Trainer unter Zuhilfenahme von Experten zu mehr Respekt erzogen werden, wenn nicht bereits im Elternhaus geschehen. Wenn ein Spieler nicht spielt, weil er disziplinlos war, tut das weh und kann einen Erziehungseffekt haben, wenn die Maßnahme zuvor sachlich kommuniziert wurde.

Rafati: "Respekt ist eine Haltung"

Da müssen wir ansetzen. Respekt ist eine Haltung und kann nur über einen längeren Prozess vermittelt werden. Dann werden die Profis Respekt vorleben und den Amateurbereich damit nachhaltig (!) positiv beeinflussen und beeindrucken. Nur dann entsteht Vorbildfunktion!

Also, Schluss mit diesem Geplänkel von der scheinheiligen Vorbildfunktion der Bundesliga-Schiedsrichter.

Immer dienstags wechseln sich an dieser Stelle Bestseller-Autor Ronald Reng, der Ex-Schiedsrichter und heutiger Motivationscoach Babak Rafati, Sky-Kommentator Wolff Fuss und Jochen Breyer, Moderator des ZDF-„Sportstudios“, mit Meinungsbeiträgen ab. Sie sind alle Kolum­nisten des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND).

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