27. Februar 2020 / 12:19 Uhr

Baboucarr Sanyang: Ein Helfer mit Hang zum Rastlosen

Baboucarr Sanyang: Ein Helfer mit Hang zum Rastlosen

Christoph Hage
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Trägt Fußball im Herzen: Baboucarr Sanyang von der SG 74. 
Trägt Fußball im Herzen: Baboucarr Sanyang von der SG 74.  © Debbie Jayne Kinsey
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Baboucarr Sanyang wanderte 1996 aus Gambia nach Deutschland aus, um Fußballprofi zu werden. Er spielte mit Gerald Asamoah und Otto Addo zusammen, doch der große Traum blieb dem Lebenskünstler verwehrt. Sanyang blieb dem Fußball aber treu - und sammelt mittlerweile Spenden für seine Fußballschule im Westen Gambias.

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Allein in einem Zimmer hält es Baboucarr Sanyang nicht lange aus. Der 44-Jährige hat Hummeln im Hintern. Er hasst Einsamkeit. Der Gambier, der zweimal verheiratet war und zwei Kinder hat, ist ein Lebenskünstler. 1996 wanderte er mit einem klaren Ziel vor Augen nach Deutschland aus: Er wollte Fußballprofi werden. Es kam anders, glücklich ist Sanyang trotzdem – und mittlerweile Co-Trainer bei der SG 74.

Von klein auf trat Sanyang gegen einen Ball, der diesen Namen eigentlich nicht verdiente. „Wenn du laufen kannst, fängst du an zu spielen. Egal wo, egal wie“, berichtet er über seine Heimat Gambia. Meistens barfuß und auf sandigem Untergrund. Ursprünglich ist Sanyang gelernter Bürokaufmann, die Ausbildung wurde in Deutschland nicht anerkannt. Doch als er nach Deutschland kam, hatte er mit 20 Jahren ohnehin nicht vor, im Büro zu versauern. „Ich wollte mein Glück versuchen. Von meinem Talent war ich überzeugt.“ Das hatte Sanyang immerhin beim Saraba FC in der 1. gambischen Liga gezeigt.

Die erste Fußballstation in Deutschland war die Reserve von Regionalligist SF Ricklingen, Landsmann Kemo Ceesay hatte den defensiven Mittelfeldspieler nach Hannover gelotst. Wenig später trainierte Sanyang ein halbes Jahr bei der 96-Reserve mit Spielern wie Gerald Asamoah und Otto Addo. Der Durchbruch blieb verwehrt, dann rückten andere Dinge in den Vordergrund. „Den Wunsch, höher zu spielen, habe ich irgendwann abgehakt“, sagt er.

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„Bei uns hast du 50 Kinder, keine Trikots, und die laufen einem kaputten Ball hinterher. Und wenn der kaputt ist, versuchen sie, ihn mit dem Mund aufzupusten. Irgendwas muss ich machen, habe ich mir gesagt.“

In beruflicher Hinsicht blieb es zunächst unruhig. Seit drei Jahren arbeitet Sanyang bei einer Kochschule am Schwarzen Bären, die Kochkurse organisieren. „Ich habe verschiedene Sachen ausprobiert. Und wenn ich merke, ich habe keinen Spaß mehr, dann habe ich aufgehört. So bin ich halt.“ Auch Musik ist ihm wichtig, als Discjockey „DJ Backs“ legte er seit 2004 Reggae und Dancehall auf. „Was mir der Fußball nicht ermöglicht hat, hat mir die Musik ermöglicht“, sagt Sanyang. Er reiste herum. Dennoch: „Irgendwann habe ich gemerkt, es passt nicht mehr.“ Da ist er wieder, der Sprunghafte.

Mit Oliver Rothenburger hatte Sanyang zeitweise bei der SG Blaues Wunder zusammengespielt. Vor drei Jahren lotste der ihn als Co-Trainer zur SG 74, gemeinsam stiegen sie in die Kreisliga auf. Der Fußball ist Sanyang noch immer wichtig, nur anders. „Fußball ist ein Teil von mir“, sagt er.

Kein Vergleich aber zu den Anfängen. „Wenn man sich auf der Anlage umschaut, sieht man Spieler, die Trikots von Messi oder Ronaldo tragen und mit zwei Paar Schuhen zum Training kommen.“ In Deutschland habe jedes Kind seinen eigenen Ball. „Bei uns hast du 50 Kinder, keine Trikots, und die laufen einem kaputten Ball hinterher. Und wenn der kaputt ist, versuchen sie, ihn mit dem Mund aufzupusten. Irgendwas muss ich machen, habe ich mir gesagt.“

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Handing over football materials to our Academy BMC.

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Sanyangs soziales Engagement im Heimatland Gambia

Zu Beginn kaufte er sich aus eigener Tasche Bälle, Leibchen, Trikots und Hütchen, schnell fanden sich aber auch bei der SG 74 Unterstützer. Zweimal war Sanyang mittlerweile in Gambia, die Utensilien kommen zum Teil seiner Fußballschule in Bakoteh im Westen des afrikanischen Landes zugute, aber auch den Kindern in Faraba Banta, wo Sanyang geboren wurde. Immer wieder schickt er neue Sachen in Kartons in die Heimat.

Vor einem Jahr ist er mit seiner zweiten Frau Monika Singh zum zweiten Mal Vater geworden, Amelie Tuti gehört nun die volle Aufmerksamkeit. „Ich gehe nicht mehr feiern, habe viel erlebt und denke, ich kann meinem Leben jetzt eine neue Richtung geben.“ Ein Lebenskünstler ist eben immer in Bewegung. Aber er fühlt sich einfach wohl in Hannover.

Sozial engagiert: Baboucarr Sanyang unterstützt Kinder und Jugendliche in Gambia

Sozial engagiert: Baboucarr Sanyang unterstützt Kinder und Jugendliche in Gambia Zur Galerie
Sozial engagiert: Baboucarr Sanyang unterstützt Kinder und Jugendliche in Gambia ©

Sanyang sammelt Spenden

Baboucarr Sanyang sammelt Spenden für seine Fußballschule in Bakoteh im Westen Gambias. Falls Ihr noch brauchbare Fußball-Utensilien in eurem Verein über habt oder einfach so für einen guten Zweck eine Spende entrichten wollt, dann könnt Ihr euch unter der E-Mail-Adresse bugs@htp-tel.de direkt an Baboucarr wenden und einigen jungen Nachwuchskickern in Gambia ein Lächeln ins Gesicht zaubern.