02. November 2021 / 20:28 Uhr

Bad Lausicker Schiri Teubner hängt die Pfeife an den Nagel

Bad Lausicker Schiri Teubner hängt die Pfeife an den Nagel

Leon Heyde
Leipziger Volkszeitung
Eine kleine Ehrung für Wolfgang Teubner, der seine Schiedsrichter-Laufbahnwegen Knieproblemen mit 69 Jahren beendet hat.
Eine kleine Ehrung für Wolfgang Teubner, der seine Schiedsrichter-Laufbahnwegen Knieproblemen mit 69 Jahren beendet hat. © Jens Paul Taubert
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Über vier Jahrzehnte stand Wolfgang Teubner auf den Fußballplätzen Sachsens und Thüringens, erst als Spieler, dann als Schiedsrichter. Nun wurde der 69-Jährige von seinem Heimatverein FC Bad Lausick für seine Tätigkeit an der Pfeife geehrt.

Bad Lausick. Als der Jugendfußball zu DDR-Zeiten florierte, jedes Dorf ein Team stellte und A-Jugend-Mannschaften noch 20 statt zwölf Spieler im Kader zählten, begann auch Teubner, die Schuhe zu schnüren. Zuerst streifte der gebürtige Thüringer sich das Trikot von Motor Altenburg über, dann das Leibchen von Aktivist Wintersdorf. Nach seinem Wehrdienst zog es Teubner schließlich nach Bad Lausick.

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„Aufgeregt war ich eigentlich nur, wenn ich bei erfahrenen Schiedsrichtern assistierte“

„Als ich angefangen habe, stand ich im Tor. Ich war zwar nicht besonders groß, das konnte ich aber mit meiner Sprungkraft kompensieren“, erzählt Teubner. Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm die Spiele mit den Rivalen aus der großen Stadt: „Ein Erlebnis habe ich noch genau vor Augen: Auswärtsspiel mit Wintersdorf bei Lok Leipzig. Als wir in unsere Kabine kamen, fehlten die Fenster – und das im Winter. Gewonnen haben wir trotzdem.“ Mit 39 Jahren wechselte Teubner dann die Arbeitskleidung.

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Die Schienbeinschoner flogen in den Schrank, das Lausicker Trikot wurde mit dem Schiedsrichterdress getauscht. Den Kurstädter fehlten Freiwillige, da jeder Verein eine Mindestzahl an Schiedsrichtern stellen muss. Als der FC auf Teubner zukam, zögerte er nicht lange: „Schließlich hätte der Verein sonst Strafe zahlen müssen.“


Nach seinem späten Schnellstart an der Pfeife erhielt er prominente Unterstützung – bei Ex-Fifa-Assistent Harald Sather stand er an der Linie. Die Einsätze mit dem Vater des heutigen Bundesligaschiris Alexander Sather waren für Teubner immer etwas Besonderes: „Da konnte man sich schon etwas abschauen. Einmal drückte mir Sather eine Funkfahne in die Hand. Aber die war schneller oben, als ich den Knopf drücken konnte“, schmunzelt Teubner, der bei Einsätzen mit höherklassig pfeifenden Unparteiischen schonmal die eigene Coolness in der Kabine vergaß: „Aufgeregt war ich eigentlich nur, wenn ich bei erfahrenen Schiedsrichtern assistierte. Da hatte man schon etwas Angst, Fehler zu machen“, sagt er und hat direkt einen Fauxpas vor Augen. „Einmal habe ich nach einem Abstoß auf Abseits entschieden. Den Zuschauern und Spielern ist es gar nicht aufgefallen, die wussten nicht mal, dass es beim Abstoß kein Abseits gibt. Aber nach dem Spiel kam der Schiri zu mir und hat mich darauf angesprochen.“

„Die Familie freut sich“

Ansonsten zeichneten sich Teubner Spielleitungen durch ausgesprochene Gelassenheit aus. Wenn man ein ganzes Leben auf dem Rasen verbringt, überrascht einen kaum noch etwas: „Ich habe immer versucht, entspannt mit den Spielern zu kommunizieren. Das hat geklappt, weil mich irgendwann alle kannten und ich ein gutes Verhältnis zu den Vereinen der Region hatte.“ Schlimme Anfeindungen oder Auseinandersetzungen hätte er nie erlebt, dennoch weiß er, wie schwierig es viele Schiedsrichter heute haben: „Auf dem Rasen kannst du heute gefühlt alles sagen, wofür du auf dem Marktplatz verhaftet werden würdest. Das war früher anders, als man nach dem Spiel auch noch bei Roster und Bier zusammensaß.“

Das Highlight in Teubners Karriere war ein Pokalfinale im Muldentalkreis. 1500 Zuschauer kommentierten damals von den Rängen des Stadions der Freundschaft in Grimma seine Leistung. Für Teubner ist nach unzähligen Spielleitungen seit vergangenem Jahr Schluss mit der Schiedsrichterei – das Knie. „Letztes Jahr musste ich mich einer OP unterziehen, die vielen Jahre im Sport haben Spuren hinterlassen, da fällt es irgendwann schwer immer auf Ballhöhe zu sein“, erzählt Teubner, bei dem dennoch keine Wehmut aufkommt. „Die Familie freut sich. Wenn ich jedes Wochenende Samstag und Sonntag auf dem Platz war, kamen sie leider öfter mal zu kurz.“