23. März 2021 / 15:13 Uhr

Badminton: Gifhorn hofft auf die Rückkehr dieser Ex-Nationalspielerin

Badminton: Gifhorn hofft auf die Rückkehr dieser Ex-Nationalspielerin

Maik Schulze
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Schlägt sie in der kommenden Saison wieder für den BVG auf? Gifhorn träumt von einer Rückkehr von Fabienne Deprez, die ihre Nationalmannschafts-Karriere im Dezember 2020 beenden musste.
Schlägt sie in der kommenden Saison wieder für den BVG auf? Gifhorn träumt von einer Rückkehr von Fabienne Deprez, die ihre Nationalmannschafts-Karriere im Dezember 2020 beenden musste. © Imago Images und Photowerk
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Gibt's die Rückkehr einer Ex-Nationalspielerin zum BV Gifhorn? Diese Hoffnung hat Coach Hans Werner Niesner. Dass es überhaupt die Chance auf ein Comeback von Fabienne Deprez im BVG-Trikot gibt, hat einen traurigen Hintergrund: Deprez musste sich aufgrund einer Schlafapnoe vom Leistungssport zurückziehen. Aber: Sie ist ein positiver Mensch, blickt längst nach vorn - und das nicht nur mit dem Schläger in der Hand.

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Fabienne Deprez wieder im BVG-Trikot! Darauf hofft Trainer Hans Werner Niesner - und die Hoffnung auf die deutsche Meisterin von 2013 im Kampf um die Rückkehr in die 2. Badminton-Bundesliga setzen zu können, könnte sich erfüllen. "Gifhorn ist in der engeren Auswahl", sagt die umworbene 29-Jährige, die sich im vergangenen Dezember aufgrund einer Schlafapnoe vom Leistungssport zurückziehen musste. Für den heutigen Regionalligisten schlug Deprez bereits von 2014 bis 2016 auf, verabschiedete sich damals vom Zweitligisten Gifhorn in die französische Top-Liga zum CBAB Aulnay und schlug zuletzt für ASPTT Strasbourg auf.

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Gifhorn hat zurzeit bei der Kaderplanung akute Damen-Not. "Der Abgang von Lea Dingler trifft uns hart", sagt Niesner. Die Ur-BVGerin arbeitet Vollzeit, schreibt an ihrer Doktorarbeit und lebt in Berlin. Dort wird sie in Zukunft für die Brauereien aufschlagen. "Lea muss ein Wahnsinns-Pensum abspulen, da sind Fahrten zu Spielen nach Gifhorn nicht mehr drin", hat Gifhorns Coach Verständnis.

Mit Martina Nöst (Österreich) und Sarah Findlay (Schottland) stehen zwei gute Spielerinnen im Kader - in Zeiten von Pandemie und Brexit ist allerdings fraglich, wie und wann sie einsetzbar sind. Und dann muss das Ganze auch finanzierbar bleiben: "Wir können die beiden nicht zu jedem Spiel einfliegen", so Niesner.

Doch in all der Gifhorner Not ist Deprez - amtierende deutsche Vizemeisterin - zumindest ein Silberstreif am Horizont. Die 29-Jährige hat sich aufgrund einer Schlafapnoe im vergangenen Dezember vom Leistungssport verabschiedet. "Aber mit reduziertem Training traue ich mir die Regionalliga und auch die 2. Liga auf jeden Fall zu", so die Ex-Nationalspielerin, die schon zwei, drei Gespräche mit Vereinen über ihre Zukunft geführt hat. Gifhorn sei aber in der engeren Auswahl, "da es ja die gemeinsame Geschichte gibt. Ich habe mich beim BVG immer wohlgefühlt." So wohl, dass sie sogar noch eine Zeit lang auf nationalen und internationalen Turnieren für den BVG auflief, obwohl sie das Liga-Team bereits verlassen hatte. Niesner unterstützte sie beispielsweise bei DM-Starts weiter als Coach.

Ihre Krankheit wurde während des ersten Lockdowns diagnostiziert. "Ich habe ja immer sechs, bis sieben Stunden am Tag trainiert. Da dachte ich, da darf man müde sein", so Deprez. Als dann Pandemie-bedingt das Training wegfiel, die Müdigkeit aber blieb, da ging die Langenfelderin der Sache genauer auf den Grund. Im Schlaflabor stellte sich heraus: "Ich höre in der Stunde bis zu 20 Mal auf zu Atmen." Sie ahnt: „Wahrscheinlich leide ich daran schon viel länger: Ich kannte seit mehreren Jahren nicht mehr das Gefühl, morgens aufzuwachen und ausgeruht zu sein."

Trotz entsprechender Behandlung - nachts unterstützt sie ein Atemgerät - sind die Auswirkungen dieser schlafbezogenen Atmungsstörung so gravierend, dass die Ausübung von Leistungssport nicht mehr möglich ist. Im Dezember wurde der Rücktritt offiziell. Nach 51 Länderspielen, zahlreichen Teilnahmen an Welt- und Europameisterschaften. Sie hält nach wie vor den Rekord als jüngste Spielerin (mit 14!) in der Geschichte, die in der 1. Badminton-Bundesliga aufschlug, und hatte noch die Chance, sich für die Olympischen Spiele in Tokio zu qualifizieren.

Nach Japan hatte Deprez sowieso vor, kürzerzutreten, zumal im sie im März 2019 durch einen Bandscheibenvorfall ausgebremst wurde. Als dann Olympia um ein Jahr verschoben wurde, war klar: "Ein weiteres Jahr Vorbereitung schaffe ich körperlich nicht mehr. Es gibt auch ein Leben nach dem Sport."

Nach dem Leistungssport um genau zu sein. Denn komplett dem Badminton den Rücken kehren - das will die 29-Jährige nicht. "Jetzt geht es um Spaß und nicht um Stress", sagt Deprez, der es bereits besser geht, seitdem sie nicht mehr den Druck verspürt, jeden morgen früh raus zu müssen, weil das Training ruft. "Jetzt kann ich morgens auch mal liegenbleiben." Und das darf sie mit vollem Recht und aus doppeltem Grund. Denn seit fünf Monaten schläft sie für zwei, ihr erstes Kind ist unterwegs. "Wahrscheinlich ein Mädchen", sagt Deprez. Geburtstermin ist Ende August.

"Ich mache nun mal keine Lücken im Lebenslauf", sagt sie mit einem Lachen. Der Übergang vom Leistungssport zur Schwangerschaft sei fließend gewesen. Deshalb wäre Deprez für ihren neuen Verein auch erst zur Rückrunde der kommenden Saison ein Thema, ihr Kind wäre dann ein halbes Jahr alt. "Das Baby ist natürlich die Nummer 1 in meinem Leben. Wenn sich alles eingespielt hat, mein Körper es zulässt, der finanzielle Rahmen stimmt und ich ein Team finde, mit dem ich Spaß habe, dann möchte ich auch wieder spielen."

Vielleicht ja in Gifhorn. Der Kontakt wurde intensiver, als Deprez im Oktober vergangenen Jahres bei zwei Lehrgängen des Niedersächsischen Badminton-Verbandes (NBV) mithalf, dort auch auf den BVG-Vorsitzenden Dirk Reichstein traf.

Doch auch solange Deprez nicht aktiv auf dem Court steht, untätig bleibt sie nicht: Seit Jahresbeginn ist sie Honorar-Trainerin beim NBV, kümmert sich dort um ein U22-Projekt. Außerdem strebt sie an, die Ende 2021 beginnende, nächste A-Trainer-Ausbildung des Deutschen Badminton-Verbandes (DBV) zu absolvieren.

Und: Sie möchte dafür sorgen, dass ihre Krankheit mehr Öffentlichkeit erfährt. "Ich bin ein positiver Mensch, der nach Lösungen sucht. Gerade arbeite mit einer Firma an einer Aufklärungskampagne zum Thema Schlafapnoe." Viele Betroffene wüssten nicht, dass sie betroffen sind. So wie es ihr selbst wahrscheinlich jahrelang ging. Doch jetzt steckt sie voller Energie.

Energie, die sie ja vielleicht auch wieder zum BVG führen könnte. Niesner hofft jedenfalls: "So eine Spielerin wie Fabienne will man immer in seinem Team haben."