02. August 2021 / 16:19 Uhr

Enttäuschung währt nur kurz: Weltmeisterinnen Friedrich und Hinze "total stolz" auf Bahnrad-Silber

Enttäuschung währt nur kurz: Weltmeisterinnen Friedrich und Hinze "total stolz" auf Bahnrad-Silber

Jens Kürbis
Lübecker Nachrichten
Emma Hinze und Lea Sophie Friedrich haben Bahnrad-Gold knapp verpasst.
Emma Hinze und Lea Sophie Friedrich haben Bahnrad-Gold knapp verpasst. © 2021 Getty Images
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Beim olympischen Finale im Bahnrad-Teamsprint fahren Lea Sophie Friedrich und Emma Hinze zur Silbermedaille – für die Weltmeisterinnen zunächst ein Dämpfer. Doch nach kurzer Enttäuschung können sich die beiden doch noch freuen.

Hunderte Male hat Lea Sophie Friedrich, 21, den Moment im Training geübt. Immer und immer wieder. Sie hat ihn auch im Kopf durchgespielt. Den Augenblick, wenn ihr Rad im Startblock eingespannt ist. Wenn sie in den Pedalen der 6,8 Kilo leichten, gut 20 .000 Euro teuren Spezialanfertigung aus dem Berliner FES-Institut steht, sich in den letzten fünf Sekunden jede Faser ihres Körpers anspannt. Bis zum Moment, wenn die Halterungen das Rad freigeben. "Und dann musst du rausknallen, volle Granate. Du musst diesen winzigen Augenblick, wenn das Rad frei ist, voll erwischen." So hat sie ihn beschrieben.

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Mit bis zu 2.000 Watt tritt die Athletin vom Schweriner SC dann in die Pedalen, um den Express in Fahrt zu bringen. Kopf runter und treten. In ihrem Windschatten: Emma Hinze, 23. Nach 250 Metern übernimmt die gebürtige Hildesheimerin vom RSC Cottbus und jagt ins Ziel. Das ist Teamsprint. Und Friedrich und Hinze sind darin die Besten, sie sind Weltmeisterinnen. Doch da sind auch die Chinesinnen Shanju Bao und Tianshi Zhong, ihre Kontrahentinnen im Finale. Die waren zuvor Weltrekord gefahren. Und sie hatten auch im Finale das Rad vorn.

Silber für Deutschland. Doch der ausgelassene Jubel wollte sich nicht so recht einstellen: "Wenn das Gold so zum Greifen nah ist, ist das im ersten Moment enttäuschend", bekannte Friedrich, die im kleinen radsportverrückten Dassow an der Ostsee zu Hause ist. Und Hinze ergänzte: "Wenn man Silber gewinnt, verliert man trotzdem den Lauf." Erst auf dem Podium, als sie sich gegenseitig die Medaillen um den Hals legten, stellte sich die Freude ein. Friedrich: "Da haben wir uns gesagt, dass wir total stolz sein können." Das war auch der Bundestrainer. "Als Weltmeister bist du natürlich in der Favoritenrolle. Wir waren dicht dran, beide sind auch Bestzeiten in ihrem Bereich gefahren, Lea sogar dreimal", sagt Detlef Uibel.

Aber die drei Zehntel Vorsprung der Chinesinnen nach dem Start seien nicht zu kompensieren gewesen. Uibel: "Das war ein gelungener Auftakt, ich bin zufrieden." Hinze und Friedrich wissen jetzt auch, wo sie stehen. 18 Monate hatten sie keinen Vergleich im Wettkampf gehabt. Uibel ist nach dem Lauf ("Der war technisch perfekt") überzeugt: "Den Mädels gehört die Zukunft." Vielleicht schon in Japan. Beide starten noch im Keirin und im Sprint.

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Aus Kostengründen wurden die Bahnrad-Wettbewerbe in die Provinz verschoben

Bahnradsport in Izu. Im Hintergrund lugt der Fuji aus umwaldeten Bergzügen hervor, direkt neben dem Velodrom schlummert das Stahlrohrskelett einer Achterbahn. Der Rahmen für die Bahnradwettbewerbe ist für Olympische Spiele schon außergewöhnlich. Denn die Sprintstars rollen nicht in Tokio über sibirische Fichte, sondern gut 150 Kilometer weg im Irgendwo eines Freizeitparks. Auf Izu, das 28. 000 Einwohner zählende Städtchen, fiel die Wahl. Vor allem, weil es das 2011 erbaute Velodrom als Trainingszentrum für japanische Spitzenfahrer schon hatte. Denn in den ersten Planungen sollten Hinze und Co. in der Hauptstadt direkt neben den BMX-Künstlern in einer mobilen Arena ihre Muskeln spielen lassen.

Als den Organisatoren jedoch die Kosten explodierten, wurde die gestrichen. Gut 75 Millionen Euro sollen so eingespart worden sein. Offenbar ein Teil davon auch im Athletendorf. Denn das Cycling-Village ist uralt, nicht in Schuss, beklagen die Athleten. "Es gibt keine Fahnen, nichts. Da kommt kein olympisches Feeling auf", sagt Hinze. Dafür genießen die Bahnradsportler etwas Außergewöhnliches in diesen Pandemiespielen: Zuschauer. Gut 1.000 klatschten und jubelten auf den Tribünen mit.

Für Deutschland soll es am Dienstag goldig werden. Der Frauenvierer startete mit einem Paukenschlag. Weltrekord in der Qualifikation. "Wir waren im Training schon echt schnell. Es sind aber auch die Begebenheiten, der Luftdruck und die Bahn ist megaschnell. Im Training hat sich das schon angedeutet", erklärte Franziska Bauße.

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