30. Mai 2020 / 08:00 Uhr

Bahnradsport-Weltmeisterin Emma Hinze über Corona, die Verlegung von Olympia und schwere Stürze

Bahnradsport-Weltmeisterin Emma Hinze über Corona, die Verlegung von Olympia und schwere Stürze

Constantin Paschertz
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Emma Hinze spricht über die Verlegung der Olympischen Sommerspiele.
Emma Hinze spricht über die Verlegung der Olympischen Sommerspiele. © imago images/Andreas Gora/Montage
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Für Bahnradsport-Weltmeisterin Emma Hinze ist mit der Verlegung der Olympischen Sommerspiele in Tokio auf den Sommer 2021 der Saisonhöhepunkt weggefallen. Im SPORTBUZZER-Interview spricht die 22-Jährige über ihr Training am Olympiastützpunkt in Cottbus in Zeiten der Coronavirus-Pandemie.

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SPORTBUZZER: Frau Hinze, inwiefern haben Sie trotz Corona jetzt eine ganz normale Woche in Cottbus?

Emma Hinze (22): Ich kann hier am Olympiastützpunkt alles benutzen, mache im Moment vor allem Kraft-, Bahn- und Ausdauertraining. Mit dem Straßenrad draußen herumfahren können wir zum Glück auch noch. Wir trainieren nur gerade, ohne diesen Punkt vor Augen zu haben, an dem man wieder schnell fahren muss.

Der Olympia gewesen wäre. Sie sind bis zur Corona-Krise von Erfolg zu Erfolg gefahren. Wie haben Sie die Absage verkraftet?

Am ersten Tag habe ich mich im Training leer gefühlt. Man plant vier Jahre auf diesen Moment hin. Ich habe immer gedacht: „Ich will dort meine beste Leistung zeigen.“ Ich habe alles darauf ausgerichtet. Training, Schlaf, Ernährung, das komplette Körpergefühl zielte darauf ab, dann zu funktionieren.

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Und nach dem ersten Tag?

Erst war das klare Ziel Olympia. Und plötzlich wussten wir nicht mal, wann wir wieder Rennen fahren. Mein Trainer hat mir erklärt, dass wir unsere Energie jetzt nicht dafür verschwenden dürfen, zu trauern. Das hat mir die Augen geöffnet. Ich bin noch jung, erst 22 Jahre alt, ich wollte ja nicht nach Olympia aufhören. Ich habe jetzt Zeit, einen Aufbau zu machen. Die habe ich sonst nicht, weil ich immer direkt einen Wettkampf nach dem anderen fahre. Außerdem: Die Gesundheit geht vor.

Hinze: "Wir sind jetzt anderthalb Jahre Weltmeister"

Können Sie der Corona-Zeit auch Positives abgewinnen?

Es ist ganz gut, dass ich nach der WM mal ankommen konnte. In meiner Wohnung war ich seit Oktober gefühlt vier Wochen, ich war ständig unterwegs. So habe ich auch die Möglichkeit, vom Kopf her zu realisieren, was in den letzten Wochen passiert ist und länger mit meinem Heimtrainer zu arbeiten.

Wie wichtig ist es für Sie, als Weltmeisterin zu den Olympischen Spielen zu fahren?

Das ist mir schon wichtig. Und das Gute ist, dass, wenn die Spiele nächstes Jahr im Sommer stattfinden, wir immer noch in allen vier Disziplinen amtierende Weltmeisterinnen sind, weil die nächste WM erst im Oktober 2021 liegt. Wir sind jetzt also anderthalb Jahre Weltmeister und nicht nur zwölf Monate.

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Schwere Stürze? "Man ist sich bewusst, dass dieses Risiko besteht"

Ihr Bruder Carl fährt auch in Cottbus.

Man kann das, was wir machen, nicht ein bisschen machen. Entweder ist man bereit dafür, Opfer zu bringen und auf Dinge zu verzichten oder man kommt einfach nicht an. Deswegen bin ich es auch gewöhnt, nicht zu Hause zu sein. Wir hatten in den letzten Jahren wenig Zeit dafür – auch wenn ich weiß, dass das unserer Familie sehr schwerfällt.

Sie haben in den letzten Jahren in Doreen Heinze und Kristina Vogel Kolleginnen gehabt, die wegen schwerer Stürze ihre Karrieren beenden mussten. Wie sehr beschäftigt Sie das?

Ich war im ersten Moment geschockt, aber ich versuche, nicht darüber nachzudenken. Es gibt auch ganz viele, die ihre Karriere beenden und alles ist super. Die sind in der Überzahl. Man ist sich natürlich bewusst, dass dieses Risiko besteht, der Radsport ist jedoch meine Leidenschaft.