29. November 2021 / 21:24 Uhr

Bald wieder Geisterspiele? Wolfsburg-Geschäftsführer Meeske kämpft um jeden Fan

Bald wieder Geisterspiele? Wolfsburg-Geschäftsführer Meeske kämpft um jeden Fan

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Hat seinen Vertrag beim VfL bis 2025 verlängert: Michael Meeske.
Hat seinen Vertrag beim VfL bis 2025 verlängert: Michael Meeske. © Boris Baschin
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Beim Heimspiel des VfL Wolfsburg gegen Borussia Dortmund durften gut 13.000 Fans in die VW-Arena. Wie viele dürfen gegen Lille, Stuttgart und Köln kommen? Dürfen überhaupt noch welche in diesem Jahr kommen?

Die Corona-Zahlen schnellen in die Höhe, die VW-Arena durfte wegen der neuen Corona-Landesverordnung beim VfL-Spiel gegen Dortmund nicht voll ausgelastet werden. Gerade einmal 13.281 Fans waren erlaubt. Möglicherweise war es das letzte Heimspiel des Wolfsburger Fußball-Bundesligisten vor Fans in dieser Hinrunde. Denn: Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr designierter Nachfolger Olaf Scholz werden am Dienstag mit den 16 Ministerpräsidenten über die Corona-Lage beraten. Das könnte auch neue Vorgaben für den Fußball und weitere Sportveranstaltungen zur Folge haben.

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Der VfL muss nach dem Spiel am Samstag in Mainz in diesem Jahr noch in der Champions League gegen Lille (8. Dezember, 21 Uhr) sowie in der Liga gegen Stuttgart (11. Dezember, 18.30 Uhr) und gegen Köln (14. Dezember, 20.30 Uhr) ran, bevor am 17. Dezember das Hinrunden-Finale bei den Bayern steigt. Drei Heimspiele noch - dreimal Geister-Fußball? "Wir orientieren uns erst einmal an den aktuellen Regelungen", sagt VfL-Geschäftsführer Michael Meeske. "Und ich hoffe, dass wir die Spiele weiterhin vor Fans bestreiten können. Aber was da in den nächsten Tagen noch passiert, kann man schwer prognostizieren."

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Stand jetzt dürfen gegen Lille, Stuttgart und Köln so viele Fans rein wie gegen Dortmund - es gilt weiterhin die 2G-Regel (Geimpft oder Genesen), außer in den Innenräumen der Arena, da greift die 2G-Plus-Regel. Das heißt, dass Geimpfte und Genesene zusätzlich einen aktuellen und amtlichen Negativ-Test vorlegen müssen. Weniger Fans heißt auch weniger Umsatz für die Klubs. Bei einem Heimspiel wie gegen Dortmund - vor der Pandemie wäre das Stadion sehr wahrscheinlich voll gewesen - verliert der VfL etwa 600.000 Euro. "Ich will hier jetzt kein Klagelied anstimmen, es gibt sicherlich andere Bereiche, denen es schlechter geht", betont Meeske. "Aber die finanziellen Auswirkungen solcher Entscheidungen sind für uns deutlich spürbar."


Der aktuelle Flickenteppich in Deutschlands höchster Fußball-Spielklasse reicht von Geisterspielen in Sachsen bis hin zur Vollauslastung im Westen. Das wird von Fans und Verantwortlichen der Klubs gerade kritisch gesehen. Der Begriff Wettbewerbsverzerrung fällt immer wieder. Andererseits geht es neben der seit Wochen steigenden Infektionsgefahr trotz aller Schutzmaßnahmen wie Impfungen oder zusätzlichen Tests auch um die Signalwirkung: In allen Lebensbereichen werden Maßnahmen verschärft oder Beschränkungen vorgenommen, nur im Fußball sind Events mit mehreren zehntausenden Menschen Wochenende für Wochenende Normalzustand. Meeske zeigt Verständnis für diese Diskussion, er sagt aber auch mit Blick auf die Politik: "Ich wünsche mir, dass man da einen differenzierten Blick auf die Fakten hat." Er betont, dass es keinen Nachweis gebe, "dass Fußballspiele Corona getriggert hätten. Das ist mir in der politischen Diskussion ein Stück weit zu kurz gekommen."

Fußball in den Arenen bald wieder ohne Fans? In der Spitzenpolitik herrscht über den Schritt quasi Einigkeit. Neben FDP-Chef Christian Lindner („Auch wenn ich Fußball-Fan bin: In den Größen, in denen die Stadien jetzt besetzt sind, geht das nicht“) machten sich auch Markus Söder (CSU), Karl Lauterbach (SPD) und Katrin Göring-Eckardt (Grüne) dafür stark, die Zuschauerzahl zu reduzieren oder nach dem Frühjahr und Herbst 2020 ein drittes Mal komplett auf leere Ränge zu wechseln.

Der VfL kämpft jedoch auch wegen seines für gut befundenen Hygiene-Konzepts um das Stadion-Erlebnis für seine Fans. Proaktiv zu handeln und zu sagen, dass weniger Fans kommen dürfen als erlaubt sind - diesen Gedanken gibt es bei Meeske nicht. "Ich persönlich würde immer versuchen, das Maximum auszuschöpfen", sagt der Geschäftsführer und erklärt das so: "Ich glaube, dass wir weiterhin gut daran tun, vielen Menschen zu zeigen, man kann Corona-kompatibel Fußball im Stadion erleben. Ich bin über jeden, dem wir zeigen können, dass das Stadionerlebnis sicher ist, froh." Und mit Blick auf das nächste Heimspiel gegen Lille sagt Meeske: "Ich glaube daran, dass es für eine Mannschaft schon einen Unterschied ausmacht, ob sie vor 500, 5000 oder vor 15.000 Fans spielen darf." Deswegen sei er "ein ganz klarer Befürworter", alles an Fans mitzunehmen, was die aktuelle Landesverordnung erlaube.