14. Juni 2021 / 11:10 Uhr

Der Ball im Kreispokal der Nachwuchskicker rollt wieder: "Ehrgeiz der Jungs ist geweckt"

Der Ball im Kreispokal der Nachwuchskicker rollt wieder: "Ehrgeiz der Jungs ist geweckt"

Robin Seidler
Leipziger Volkszeitung
Die SG Thierbach/Kitzscher und Burkartshain/Wermsdorf liefern sich eine intensive Partie.
Die SG Thierbach/Kitzscher und Burkartshain/Wermsdorf liefern sich eine intensive Partie. © Robin Seidler
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Mit den ersten Pokalspielen ging es auch für die jugendlichen Fußballer am Wochenende wieder los. Dabei glänzten bereits einige Akteure, als hätte der Ball in den vergangenen Monaten nicht geruht. Die B-Junioren der SG Thierbach/Kitzscher gewannen mit 3:2 gegen die SG Burkartshain/Wermsdorf, während die A-Junioren vom TSV Großsteinberg sich gegen Ostrau/Mügeln mit 4:3 durchsetzen konnten.

Thierbach/Großsteinberg. Toni Langner ist am Sonntagmittag auf dem Thierbacher Sportplatz der gefeierte Spieler gewesen. Der 15-jährige Offensivakteur der SG Thierbach/Kitzscher schoss seine B-Junioren gegen die SG Burkartshain/Wermsdorf praktisch im Alleingang ins Halbfinale. Beim 3:2 (2:0)-Heimsieg erzielte er alle drei Treffer für die Gastgeber. Der zweite – ein satter Schuss in den Winkel – war dabei besonders schön.

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„Ich habe nach dem Lockdown scheinbar ganz gut zu meiner Form gefunden“, sagte der Kicker in aller Bescheidenheit. „Und ganz ehrlich. Wenn die drei Tore jemand anderes von uns gemacht hätte, hätte ich mich genauso gefreut.“ Doch nicht jeder hatte am Sonntag schon sein Tempo, vor allem mit dem Ball am Fuß. Der Trainer der SG Thierbach/Kitzscher, Sven Jeske, hofft natürlich nun auf den großen Coup nach der Wiederaufnahme des Spielbetriebs. „Es ist schön, dass der Kreispokal fortgesetzt wird und ich denke, bei den Jungs ist nun der Ehrgeiz geweckt“, sagte er.

Thierbachs Toni Langner bejubelt seinen Dreierpack.
Thierbachs Toni Langner bejubelt seinen Dreierpack. © Robin Seidler

Das erste Pflichtspiel seiner Truppe seit dem vergangenen Herbst sei „eine überraschend intensive Partie“ gewesen, so der Coach. „Auch unsere Gäste haben ein gutes Spiel abgeliefert.“ In der Tat war dieses Viertelfinale sehr ansehnlich. Nachdem Toni Langner die Thierbacher zu einer 2:0-Halbzeitführung geschossen hatte, kamen die Gäste nach der Pause zurück. Doch auf dem 2:2-Ausgleich antwortete Toni Langner mit seinem dritten Treffer für die Gastgeber. „Dafür, dass wir nur zweimal trainiert und mir sieben Spieler gefehlt haben, bin ich mit der Leistung der Jungs dennoch zufrieden“, resümierte der Burkartshainer Trainer Marko Quaas nach dem Abpfiff. „Wir waren in der zweiten Halbzeit die bessere Mannschaft.“

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B-Junioren hoffen auf Finaleinzug

Positiv für beide Trainer ist, dass es in den Mannschaften keine Abmeldungen aufgrund von Corona gab. „Alle Jungs haben wieder zurückgefunden, was in dieser Altersstufe nicht selbstverständlich ist“, so Quaas. Den Rettungswagen musste sein Betreuer aber schon bei der ersten Partie rufen. Bei einem Spieler besteht der Verdacht auf einen Schlüsselbeinbruch. Trotz des Ausscheidens im Pokal wird das Team nun weiter trainieren. „Ich denke, die Jungs wollen das auch. Pause hatten wir ja lang genug.“

Den Schiedsrichtern ist es nicht anders ergangen. „Ich habe aber mehr Krafttraining gemacht als Läufe“, sagte Referee Matthias Kuhn vom Bornaer SV mit einem Schmunzeln. „Meine letzte Partie haben ich im September gepfiffen, die Lehrgänge waren seitdem alle Online-Veranstaltungen“, fasst er zusammen. Wenn am kommenden Wochenende die Pokalspiele so richtig losgehen, auch im Männerbereich, hat Kuhn allerdings wieder Pause und wird nicht zur Pfeife greifen. „Da habe ich Urlaub.“ Die Thierbacher B-Junioren hoffen dann auf den Finaleinzug. Dafür müssen sie Frisch Auf Wurzen bezwingen.

Seit zwei Wochen im Training

Beim Pokal-Halbfinale der A-Junioren sind zwischen dem TSV Großsteinberg und der SG Ostrau/Mügeln ebenfalls viele Tore gefallen. Der TSV setzte sich mit 4:3 (2:2) durch, doch die Fahrt zum Finale können die Kicker noch nicht planen. „Bei den A-Junioren gibt es in der kommenden Woche ein Rückspiel“, erklärt TSV-Trainer René Richter das Reglement. „Die ersten zehn Minuten haben wir sehr nervös begonnen. Aber dann haben die Jungs gezeigt, dass sie etwas können.“

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Die A-Junioren vom TSV Großsteinberg setzen sich gegen die SG Ostrau/Mügeln 4:3 durch. Zur Galerie
Die A-Junioren vom TSV Großsteinberg setzen sich gegen die SG Ostrau/Mügeln 4:3 durch. ©

Gute zwei Wochen ist sein Team bisher im Training gewesen. „Aufgrund der Kontaktbeschränkungen konnten wir in der ersten Woche allerdings nur laufen gehen“, berichtet Richter. Dass die Jungs darüber nicht erfreut gewesen sind, versteht sich von selbst. Denn schon im Lockdown steigerte der Coach das Pensum für seine Jungs regelmäßig. „Erst sollten sie pro Woche zusammen gerechnet 100 Kilometer laufen, am Schluss sind sie bei 230 Kilometern angekommen.“ Richters Kader umfasst allerdings auch 25 Spieler, darunter sind auch Jungs aus Trebsen und Hohnstädt. Pro Akteur war das Laufpensum pro Woche im Lockdown also eine erträgliche Strecke.

Normalität und Fußball-Alltag

Von so einem großen Kader träumt sein Trainerkollege Paul Großmann, der nur zwölf Akteure mit nach Großsteinberg gebracht hatte und vor den Pokalspielen praktisch ins kalte Wasser geworfen wurde. „Mein Vorgänger Stefan Tempel hat sich kurzfristig entschlossen, aufzuhören. Ich wollte aber, dass die Jungs die Pokalspiele bestreiten.“ Der 20-Jährige Großmann hätte nun nichts dagegen, wenn er – ähnlich wie Edin Terzic bei Borussia Dortmund – als Interimslösung Pokalsieger wird. „Im Prinzip reicht im Rückspiel ein 1:0-Heimsieg für das Weiterkommen“, sagt er mit einem Augenzwinkern. „Es ist schade, dass wir durch Corona einige Ostrauer Jungs verloren haben. Dennoch bin ich mit dem ersten Auftritt zufrieden.“

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Es ist ein wenig Normalität zurückgekehrt in den Fußball-Alltag auf den regionalen Plätzen, wenngleich einige Fragen noch offen sind. „Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob die Spieler nun danach duschen dürfen oder nicht“, sagt Großsteinbergs Trainer René Richter. „Aber einige Vereine haben ja ihre Teilnahmen am Pokal zurückgezogen, weil solche Fragen nicht abschließend geklärt wurden.“ Dennoch: Wenn ein Mannschaftsbetreuer sich für die Zigarette zwischendurch hinter die Bande verzieht, die Fans wieder Zweikämpfe kommentieren und Jugendspieler Tore feiern wie die großen Stars des Weltfußballs, dann ist wieder etwas Normalität zurück auf dem grünen Rasen.