10. Oktober 2020 / 20:01 Uhr

Ballack sieht Löws Kaderpolitik kritisch: "Die Besten sollten spielen" – Wenger zeigt DFB-Schwächen auf

Ballack sieht Löws Kaderpolitik kritisch: "Die Besten sollten spielen" – Wenger zeigt DFB-Schwächen auf

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ex-DFB-Kapitän Michael Ballack und Trainerlegende Arsène Wenger (r.) haben sich zur Position von Bundestrainer Joachim Löw geäußert.
Ex-DFB-Kapitän Michael Ballack und Trainerlegende Arsène Wenger (r.) haben sich zur Position von Bundestrainer Joachim Löw geäußert. © imago images/Montage
Anzeige

Ex-DFB-Kapitän Michael Ballack und Trainerlegende Arsène Wenger haben sich über den aktuellen Zustand der deutschen Nationalmannschaft besorgt gezeigt – und sehen in Joachim Löw einen Bundestrainer, der angesichts der aktuellen Formkrise durchaus angeschlagen ist.

Der frühere DFB-Kapitän Michael Ballack und Trainerlegende Arsène Wenger haben sich besorgt über den Zustand der deutschen Nationalmannschaft gezeigt – und angesichts des bisher enttäuschenden Länderspieljahres 2020 und dem ärgerlichen 3:3 gegen die Türkei auch Bundestrainer Joachim Löw in die Pflicht genommen. "Wenn man die Ergebnisse sieht, kann man nicht zufrieden sein“, sagte Ballack in der ARD-Sendung Sportschau Thema. Der Bundestrainer werde derzeit "am Istzustand gemessen, und der ist nicht optimal. Deshalb wird er kritisiert". Wenger, der von 1996 bis 2018 den FC Arsenal coachte, hat im DFB-Team indes insbesondere in der Abwehr und im Angriff des DFB-Teams größere Defizite ausgemacht.

Anzeige

In den vergangenen Tagen hatten frühere DFB-Profis mit Kritik an der Kaderauswahl des Bundestrainers nicht gespart – unter anderem hatten Rekordnationalspieler Lothar Matthäus und Ex-Bundestrainer Berti Vogts wie Ballack am Samstag in die Hall Of Fame des deutschen Fußballs gewählt, Löw für dessen Nominierungspolitik gegeißelt, nachdem dieser wiederholt auf Spieler zurückgegriffen hatte, die in ihren Vereinen nicht Stammspieler sind – wie zum Beispiel die Dortmunder Mahmoud Dahoud und Nico Schulz. "Die Nationalmannschaft sollte etwas Besonderes sein, zu der man gern hinfährt", sagte Ballack. "Deshalb sollten die Besten dort spielen. Für jeden Spieler sollte jede Nominierung wichtig sein."

Mehr vom SPORTBUZZER

Der langjährige "Capitano" der deutschen Nationalmannschaft äußerte indes Verständnis dafür, dass Löw nach dem Debakel der WM 2018 mit Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng drei Weltmeister dauerhaft aus dem Kader strich. Das Vorrundenaus in Russland müsse man "sehr, sehr ernst nehmen" und keinesfalls "lapidar hinnehmen", so der frühere Profi von Leverkusen, Bayern München und dem FC Chelsea. "Der Bundestrainer hatte seinen Weltmeistern nach der WM nochmals vertraut. In der Nations League ist er noch mal abgestraft worden und hat dann die Reißleine gezogen und personelle Entscheidungen getroffen. Der Bundestrainer kennt die Spieler und es entwickeln sich persönliche Beziehungen. Deswegen war es verständlich, dass er versucht hatte, die Kurve zu kriegen", sagte Ballack.

Ballack: Müller-Rückkehr "wäre nicht konsequent" von Löw

Eine von vielen Experten geforderte Rückkehr etwa von Müller lehnt Ballack ab – und wirbt für den von Löw eingeschlagenen Weg: "Ihn jetzt wieder zurückzuholen, wäre aus meiner Sicht zwar kein Unfall, aber nicht konsequent vom Bundestrainer." Jetzt müssten die jüngeren Spieler führende Rollen übernehmen, denn eine Hierarchie entwickele sich "über einen längeren Zeitraum". Er zog allerdings auch Parallelen zu einem eigenen DFB-Aus kurz vor der WM 2010. Auch die Ausbootung von Müller & Co. hätte man seitens von Löw besser managen können. Ballack: "Man erwartet eine bessere Kommunikation hinter den Kulissen. Da gab es Defizite." Das Trio hatte sich vor anderthalb Jahren vor allem über die Art und Weise ihrer Demission beklagt.

Anzeige

Der in der gleichen Sendung aus London per Video zugeschaltete Wenger sieht im DFB-Team nicht nur einen Mangel an Führungsspielern, sondern auch an individueller Qualität – vor allem in den Bereichen Abwehr und Angriff. "Deutschland hat keine großen Spieler im Aufbau und auch keinen Mittelstürmer mehr von internationaler Klasse. Wer ist Stürmer bei Bayern und bei Dortmund? Keine Deutschen", sagte der Franzose, der allerdings insbesondere in der Abwehr Probleme aufzeigt: "Historisch hatte der DFB immer gute Spieler im Aufbau. Das ist heute nicht mehr der Fall."

Wenger: Löw-Motivation "vielleicht größer als 2014"

Amtsmüdigkeit bei Joachim Löw, der bereits seit 14 Jahren Trainer der Nationalelf ist, kann Wenger nicht erkennen – wohl aber eingefahrene Strukturen. "Die Motivation ist intakt, aber die Resultate müssen da sein", so die Arsenal-Legende. Denn wenn die Ergebnisse ausbleiben, sei das Aufkommen von Kritik logisch. "Joachim Löw will gewinnen, das ist klar. Vielleicht ist seine Motivation heute größer als 2014. Aber seine Kreativität ist nicht mehr so groß, weil die Resultate nicht da sind."

[Anzeige] Kein Bundesliga-Spiel verpassen: Checke hier die aktuellen Streaming-Angebote von WOW/Sky und DAZN.