26. März 2020 / 08:00 Uhr

Bange Frage bei Thiele und Dietze: Reicht die Kraft für ein weiteres Olympia-Trainingsjahr?

Bange Frage bei Thiele und Dietze: Reicht die Kraft für ein weiteres Olympia-Trainingsjahr?

Frank Schober
Leipziger Volkszeitung
Wird Annekatrin Thieles Kraft für ein weiteres Jahr Olympia-Vorbereitung reichen?
Wird Annekatrin Thieles Kraft für ein weiteres Jahr Olympia-Vorbereitung reichen? © Getty Images
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An der Verschiebung der Olympischen Spiele ins Jahr 2021 haben in Leipzig vor allem Ruderin Annekatrin Thiele  und Rennkanutin Tina Dietze mächtig zu knabbern. Beide hatten eine Karriereende ins Auge gefasst, müssen nun alles überdenken.

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Leipzig. Als der SPORTBUZZER am Dienstag die Umfrage unter den Leipziger Assen zur Olympiaverschiebung in Tokio auf 2021 startete, mussten sich einige Athleten erst sammeln. Diese waren erst einen Tag später in der Lage, ihre Gefühle in Worte zu fassen. Am härtesten trifft die Verschiebung die „Oldies“ Annekatrin Thiele (35) und Tina Dietze (32). Die DHfK-Ruderin und die LVB-Paddlerin haben bereits Olympiagold und weitere Plaketten in der heimischen Vitrine. Im Land der aufgehenden Sonne wollten beide den krönenden Abschluss ihrer Karriere feiern.

Gehofft, dass „die Schinderei mal ein Ende hat“

„Derzeit kann ich noch nicht sagen, ob die Kraft für weitere zwölf Monate reicht. Das muss ich für mich in den nächsten Tage klären, wenn der neue Termin feststeht“, sagte Thiele, die ihre vierten Spiele anpeilt. Derzeit lebt sie in Quarantäne und kann nur auf dem Ergometer auf dem heimischen Balkon trainieren. Denn die DHfK-Skullerin hatte am Stützpunkt in Berlin Kontakt zu einer positiv auf Corona getesteten Person. Zudem macht ihr noch Trainingsrückstand von 2019 nach einer Rippenverletzung zu schaffen. Da ist etwas mehr Zeit vielleicht auch eine Chance.

DURCHKLICKEN: So reagieren Leipzigs Top-Athleten und Verantwortliche

Philipp Weber (Handballer des SC DHfK Leipzig und Nationalspieler): Ich bin der festen Meinung , dass dies die richtige Entscheidung ist. Momentan gibt es wichtigere Sachen, als an Sport zu denken. Wir müssen schauen , dass möglichst alle Menschen gut und vor allen gesund  durch die Krise kommen. Natürlich ist es schade , jetzt im Sommer nicht zu den Spielen zu fahren, aber die werden ja ,NUR' verschoben. Zur Galerie
Philipp Weber (Handballer des SC DHfK Leipzig und Nationalspieler): "Ich bin der festen Meinung , dass dies die richtige Entscheidung ist. Momentan gibt es wichtigere Sachen, als an Sport zu denken. Wir müssen schauen , dass möglichst alle Menschen gut und vor allen gesund durch die Krise kommen. Natürlich ist es schade , jetzt im Sommer nicht zu den Spielen zu fahren, aber die werden ja ,NUR' verschoben." ©

Tina Dietze nimmt die Verschiebung ganz schön mit: „Ich hatte ja nicht mehr dran geglaubt, dass Olympia in diesem Jahr stattfindet. Aber als es dann ausgesprochen wurde, hat es mich doch hart getroffen.“ Sie habe sich nicht nur auf Tokio gefreut. Sondern auch gehofft, dass „die Schinderei mal ein Ende hat“. Ab September sollten Ausbildung und Familie in den Fokus rücken. „Vor wenigen Tagen habe ich mich total gefreut, dass ich zum letzten Mal den Winter als Leistungssportlerin überstanden hatte. Ich war neun von zwölf Wochen in diesem Jahr unterwegs, das fällt mir alles nicht mehr so leicht.“ Es sei vorstellbar, das eine Jahr noch dranzuhängen. „Aber ich kann nicht versprechen, ob ich es auch schaffe. Im Moment spüre ich erst mal eine große Leere.“

"Wir werfen die Flinte nicht ins Korn"

Zwei junge Leipziger Athleten hatten ihr Ticket bereits sicher: Kanutin Andrea Herzog (LKC) und Bahnradsportler Felix Groß (SC DHfK). Beide hoffen natürlich, dass ihre Qualifikation auch für 2021 gilt. Die Slalom-Weltmeisterin meint: „In jedem Negativen liegt auch etwas Positives: Jetzt habe ich mehr Zeit, über den Sommer ein paar technische Dinge zu erlernen. Und aktuell können wir uns mental erst mal entspannen – das tut gut.“

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Groß war vor vier Wochen bei der WM in Berlin deutschen Rekord gerast – nun befindet sich die Welt in einer Art Schockstarre. „Etwas traurig bin ich, aber ich lasse den Kopf nicht hängen, nun wird eben 2021 angegriffen. Die Gesundheit ist das A und O“, meint der 21-Jährige, der daheim im Keller neuerdings Kraftgeräte hat. Dass er mit seinem jüngeren Bruder Franz zusammen trainieren kann, ist für Trainer Dietmar Junker derzeit ein großer Vorteil. Der Trainer-Oldie gibt die Richtung vor: „Wir werfen die Flinte nicht ins Korn, sondern sehen es positiv. Felix wird jetzt noch bessere Trainingspläne bekommen und 2021 noch schneller fahren.“

„Es gilt, die Sportler bei Laune zu halten“

Slalom-Ass Franz Anton wollte gerade joggen gehen, als er von der Verschiebung erfuhr, die er selbst zuvor via Instagram vehement gefordert hatte „Ich habe die Nachricht freudig aufgenommen, denn wäre in Tokio eine zweite Corona-Welle ausgelöst worden, hätte das ganze Projekt Olympia schweren Schaden genommen.“ Die Entscheidung bedeutet für ihn nun aber auch eine absolute Dauerbelastung für den Körper. Denn seit November 2018 befindet er sich im Quali-Modus für Tokio.

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🤔Thoughts😐 I would not underestimate the risk of risking the public reputation of the Olympic Games and thus the end of major sporting events! If those responsible through premature decisions or greed for money and were thus driven to make a decision then this actually only allows one conclusion. THE GAMES CANNOT TAKE PLACE AS PLANNED. Only a few will applaud those in charge, if it will take place as planned and without any problems. But the voices will be louder should a tragedy happen. Boos are louder than applause! I really would like to see, everything changes in a good way in the next weeks and I cannot excactly imagine the dimensions of postponing the @tokyo2020 games. But I know, I don't want to be in charge if a tragedy happen and loosing money is not a tragedy in my opinion. And taking part at the games is still my goal!

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Wie alle Asse hoffen die Schwimmer, dass in den nächsten Stunden die Genehmigung aus Dresden eintrifft, dass Bundeskader nach fast zweiwöchiger Pause ihr Training wieder aufnehmen können. Trainer Frank Embacher meint zur aktuellen Lage: „Es gilt, die Sportler bei Laune zu halten.“ Der Coach freut sich, dass mit Lisa Graf (27) seine erfahrenste Athletin als Erste sagte: „Natürlich halte mich weiter fit.“

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