22. Mai 2019 / 21:07 Uhr

Bangen von Verbands- bis Kreisliga: Anker Wismar als Zünglein an der Waage

Bangen von Verbands- bis Kreisliga: Anker Wismar als Zünglein an der Waage

Johannes Weber
Ostsee-Zeitung
Die Wismarer schwören sich vor der Partie noch ein.
Dem FC Anker Wismar bleiben noch zwei Spieltage, um den Klassenverbleib in der Oberliga zu schaffen. © Johannes Weber
Anzeige

Die Wismarer stehen in der NOFV-Oberliga Nord derzeit auf einem Abstiegsplatz. Rückzüge von Regionalligisten könnten die Auf- und Abstiegsregelungen wieder verändern. Ein möglicher Anker-Absturz hätte Folgen von der Verbands- bis zur Kreisliga.

Anzeige

m Amateurfußball von Mecklenburg-Vorpommern hoffen einige Klubs im Saisonendspurt ganz besonders auf Oberligist FC Anker Wismar. Die Elf von Trainer Christiano Dinalo Adigo rangiert nach der bitteren 1:2-Nieder­lage am vergangenen Sonnabend gegen den 1. FC Lok Stendal auf dem 14. Tabellenrang. Nach dem Drittliga-Abstieg des FC Energie Cottbus ist seit dem Wochenende klar, dass der Platz, den der FCA aktuell einnimmt, der erste Abstiegsrang in der NOFV-Oberliga Nord sein wird. Noch haben die Wismarer zwei Spiele Zeit, den Gang in die Verbandsliga zu verhindern.

Anzeige

Neugersdorf zieht sich zurück, Bautzen mit Neuanfang in 6. Liga

Die Abstiegsregelung in der Oberliga könnte sich allerdings aufgrund aktueller Ereignisse in der Regionalliga Nordost noch verändern. Der bereits abgestiegene FSV Budissa Bautzen hat nur für die Verbandsliga Sachsen gemeldet, um dort einen Neuanfang zu wagen. Der sportliche gerettete FC Oberlausitz Neugersdorf zieht sich zurück und will künftig in der Oberliga Süd starten. Durch den Rückzug des FCO kann der FSV Optik Rathenow als ursprünglicher Absteiger doch in der Regionalliga verbleiben.

Das sind die besten Torjäger auf Landesebene (nach dem Saisonende):

Normen Richter trifft hier zum 2:3 für den Penzliner SV. Zur Galerie
Normen Richter trifft hier zum 2:3 für den Penzliner SV. ©

Die Brandenburger wären bei einem Abstieg voraussichtlich in die Nord-Staffel eingeordnet worden. Dadurch, dass wohl kein Team in die Oberliga Nord runterkommt, könnte der 14. Platz der Wismarer eine Abstiegsrelegation bedeuten. Der FCA müsste dann gegen den 14. der Süd-Staffel (aktuell VfL Hohenstein-Ernstthal) in Hin- und Rückspiel antreten. Der Gewinner würde den Klassenverbleib schaffen.

Sicher haben die Anker-Kicker den 14. Rang noch längst nicht. Der punktgleiche FC Strausberg (15. Platz/31 Punkte) sitzt den Hansestädtern im Nacken. Die Adigo-Schützlinge müssen am letzten Spieltag am 8. Juni gegen die Strausberger antreten. Zuvor geht es gegen TeBe Berlin (2. Juni).

Zwei statt drei Abstiegsplätze in der Verbandsliga?

Sollte der FC Anker den Ligaverbleib verfehlen, hätte das Folgen für die Ligen in MV – von der Verbands- bis zur Kreisliga. Mit dem Malchower SV steht seit mehreren Wochen schon ein MV-Absteiger aus der Ober- in die Verbandsliga fest. Sollte die Wismarer das gleiche Schicksal wie den MSV ereilen, ­gäbe es drei statt ursprünglich zwei Abstiegsplätze in der Verbandsliga.

Mehr Nachrichten aus M-V

Neben dem FSV Malchin (15, Platz/16 Punkte) und dem bereits feststehenden Absteiger SV Hanse Neubrandenburg (16./8) müsste nach derzeitigem Stand bei einem negativen Anker-Szenario auch der TSV 1860 Stralsund (14./18) den Gang in die Landesliga antreten. TSV-Coach Robin Baarhs erzählt, dass die Situation der Wismarer ein Thema im Stralsunder Team ist. „Das vergangene Wochenende lief mit dem verlorenen Derby gegen Grimmen (3:4/d. Red.) und der Niederlage von Anker natürlich ziemlich schlecht für uns. Die ganzen Szenarien, die passieren könnten, sind aktuell nur Gedankenspiele. Deswegen planen wir zweigleisig“, sagt der 29-Jährige. Erschwerend kommt hinzu, dass die Oberliga bis zum 8. Juni und die MV-Landesebene nur bis zum 1./2. Juni spielt. Das bedeutet eine Woche weniger Planungszeit.

PSV-Coach Jan Krüger: „Keine schöne Situation"

Sollten tatsächlich drei Mannschaften aus der Verbands- in die Landesliga runtermüssen, gäbe es in der zweithöchsten MV-Spielklasse fünf statt vier Absteiger. Neben den Tabellen-15. und -16. müsste dann auch der schlechteste 14. beider Staffeln in die Landesklasse. Nach aktuellem Stand wäre das der PSV Rostock (24 Punkte). Der Traditionsklub hatte noch in der Vorsaison als sportlicher Absteiger von Rückzügen anderer Teams profitiert und blieb in der Landesliga Ost.

„In dieser Spielzeit haben wir deutlich mehr Punkte geholt als im Vorjahr, haben es aber im Kampf um den Klassenverbleib nicht mehr selbst in der Hand. Das ist keine schöne Situation“, meint PSV-Trainer Jan Krüger und hofft auf einen Ligaverbleib des FC Anker. Der 32-Jährige betont, dass seine Planungen für neue Saison so laufen, dass er „in der Landesliga und Landesklasse eine schlagkräftige Truppe“ aufbieten könne.

PSV Rostock und TuS Neukalen müssen aktuell bangen

Im Vergleich der beiden Tabellen-14. der Landesligen hat der PSV derzeit gegenüber dem SV Blau-Weiß Polz (28 Punkte) aus dem Westen das Nachsehen. Für die Rostocker könnte es am letzten Spieltag allerdings noch eine Chance geben, die Südmecklenburger in der Punktzahl zu übertrumpfen. Gegen die Polzer soll noch ein Sportgerichsverfahren laufen, es droht ein Punktabzug. Somit hätte die SG Ludwigslust/Grabow (15. Platz/ 24 Punkte) in der Landesliga West bei einer Punktstrafe gegen die Blau-Weißen noch die Gelegenheit, den Klassenverbleib zu schaffen.

Sollte es tatsächlich fünf Absteiger aus der Landesliga geben, hätte dies auch Auswirkungen auf die Landesklasse. Neben den Mannschaften auf den Plätzen 14 bis 16 müsste zudem der schlechteste Tabellen-13. in die Kreisebene. Dadurch, dass die Staffeln II und IV die Saison nicht mit 16 Teams beenden, wird die niedrigste Punktzahl für die Truppen auf den gleichen Tabellenplätzen - in diesem Fall die 13. - prozentual errechnet. Nach aktuellem Stand hätte der TuS Neukalen (19 Punkte) gegenüber dem HFC Greifswald (29), Güstrower SC (31) und Wittenburger SV (30) deutlich das Nachsehen.

Für den Fall, dass eine Mannschaft mehr von der Landesebene in die Kreisoberliga zurückkehrt, hätte dies auch Folgen für die Auf- und Abstiegsregelungen der höchsten Kreisspielklassen und Kreisligen. Verbandsliga-Staffelleiter Peter Dluzewski, verdeutlicht jedoch, dass es bei einem Abstieg von Anker Wismar noch Abweichungen vom prognostizierten Domino-Effekt geben könnte. „Das hängt auch immer davon ab, ob es Rückzügen auf Landesebene gibt“, so Dluzewski. Die Frist für einen Verzicht auf Landesebene läuft bis zum 15. Juni.