05. Mai 2022 / 16:35 Uhr

„Barcelona“ droht beim Pokalfinale: Ticket-Zoff zwischen Chemnitz und Chemie Leipzig

„Barcelona“ droht beim Pokalfinale: Ticket-Zoff zwischen Chemnitz und Chemie Leipzig

Jens Fuge
Leipziger Volkszeitung
Leipzig, 27.08.2021, Alfred-Kunze-Sportpark, Fußball, Männer, Regionalliga Nordost, Saison 2021/2022, 8. Spieltag , 
BSG Chemie Leipzig - Chemnitzer FC ,   
Im Bild: Fans Chemie Leipzig , 
Foto: PICTURE POINT / Gabor Krieg , 
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Die Fans von Chemie Leipzig würden zum Landespokal-Finale gerne in höherer Zahl nach Chemnitz reisen. © Picture Point
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Ärger im Vorfeld des Sachsenpokal-Finales zwischen den Himmelblauen und der BSG: Offenbar möchte der gastgebende CFC die Zahl der Tickets für anreisende Chemie-Fans stark begrenzen. Warum, hat man unlängst im größeren Ausmaß in Spanien gesehen.

Leipzig. Es soll der absolute Höhepunkt einer bisher rundum gelungenen Saison für die BSG Chemie werden: das Finale um den Sachsenpokal am 21. Mai in Chemnitz. Für Gegner und Ausrichter Chemnitzer FC geht es ebenso um viel, im Gegensatz zu den Leipzigern könnte ein Pokalsieg die Saison noch als halbwegs gelungen gelten. Doch in die Aufregung im Vorfeld mischt sich Ärger. Vor allem die BSG Chemie beklagt sich über die Ticketvergabe seitens der Gastgeber. „Es hat sich bei uns der Eindruck erhärtet, dass der Chemnitzer FC – angesichts der akustischen Verhältnisse bei ‚nur‘ 800 Chemie-Fans im Regionalligaspiel im Februar – zu allem bereit ist, um nicht noch einmal den eigenen Heimvorteil preiszugeben“, schreibt die BSG Chemie auf ihrer Homepage in einem Statement zur aktuellen Situation hinsichtlich der Ticketvergabe zum Finale.

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„Bereiche um Auswärtsblock herum müssten zusätzlich gesichert werden“

Hintergrund: Das Stadion an der Gellertstraße fasst 15.000 Zuschauer. Der CFC plant das Pokalfinale mit maximal 10.000 Zuschauern, wobei er den Chemikern 1800 Tickets zur Verfügung stellen möchte. „Obwohl wir wissen, dass die tatsächliche Nachfrage der Chemie-Fans aufgrund der Euphorie der letzten Wochen, Monate und sogar Jahre erheblich höher ist, haben wir dem CFC die Zahl von 3000 Gästetickets als gerade noch so denkbares Minimum genannt“, schreibt Chemie. Und kritisiert: „Diese Aufteilung – 10.000 Zuschauer insgesamt, davon bis zu 8200 CFC-Fans, nicht mehr als 1800 Chemie-Fans – stößt auf unser Unverständnis. Dies würde bedeuten, dass 5000 von insgesamt 15.000 Plätzen im Stadion leer blieben, während tausenden Fans die Möglichkeit genommen würde, bei diesem Highlight nach langer Corona-Durststrecke dabei zu sein“.

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Im Vergleich zu den anderen Landes- und Regionalverbänden besteht in Sachsen die Besonderheit, dass es sich bei der Spielstätte des Sachsenpokalfinals um keinen neutralen Spielort handelt, sondern dass das Heim- und damit das Austragungsrecht zwischen beiden Finalisten ausgelost wird. Chemie selbst hatte bereits das Glück, als man 2018 das Finale gegen Neugersdorf ausrichten durfte. Man will keinesfalls den Eindruck erwecken, mit unterschiedlichem Maß zu messen: „Es liegt uns fern, diese Praxis gerade in dem Moment zu beanstanden, wo die Auslosung nicht zu unseren Gunsten verlaufen ist. Auch verstehen wir, dass Verhältnisse wie beim DFB-Pokalfinale in Berlin mit paritätisch verteilten Ticketkontingents in Chemnitz und anderswo baulich und logistisch nicht umsetzbar sind.

Dennoch sind wir der Auffassung, dass die Ticketnachfrage beider Fanlager, also auch die der Chemie-Fans, so gut wie möglich bedient werden sollte. Das Stadion an der Gellertstraße ist zweifelsohne geeignet, einer mittleren vierstelligen Zahl Chemie-Fans, zumindest aber 3000 Chemie-Fans den Spielbesuch zu ermöglichen. Schon allein die räumlichen Gegebenheiten der Hintertortribüne auf der Gästeseite lassen dies zu“.

Dem widerspricht der Sicherheitsbeauftragte des Sächsischen Fußballverbandes (SFV), Lutz Mende: „Der eigentliche Gästeblock, der spezielle bauliche Maßnahmen und Sicherungen zum Spielfeld aufweist, fasst tatsächlich nur 1500 Zuschauer, und auch da wird es schon eng. Die Bereiche um diesen Auswärtsblock herum müssten zusätzlich gesichert werden.“ Das wäre für den Funktionär eine gangbare Lösung, die vom Verband moderiert werden könnte. Die nächste Sicherheitsberatung findet allerdings erst kommenden Donnerstag statt – eine sehr kurze Frist bliebe für eventuelle Änderungen und Kompromisse.

„Wir sind jederzeit gesprächsbereit“

So droht das „Barcelona“-Szenario, nämlich dass sich alle Chemie-Fans, die leer ausgehen bei der Kartenvergabe, mit Karten aus dem Heimbereich eindecken – und das in Massen. Der Online-Vorverkauf des CFC beginnt am heutigen Freitagmorgen um 10 Uhr – ungesichert und ohne Personalisierung. „Wir sind nicht blauäugig, aber die Sicherheitsorgane sind da maßgebend beteiligt bei solchen Entscheidungen. Das Risiko ist allen bewusst“, sagt SFV-Pressesprecher Alexander Rabe. Er erklärt: „Bei 15 000 Fassungsvermögen sind die üblichen zehn Prozent eben 1500. Da sind die Chemnitzer schon drüber hinausgegangen.“


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Chemie bemängelt diese Sichtweise vehement: „Diese Entscheidung empfinden wir nicht nur als einem Pokalfinale unwürdig, sondern auch aus Sicherheitsgründen als höchst fahrlässig. Es bedarf nicht viel Fantasie, sich die Folgen auszumalen, wenn tausende Chemie-Fans angesichts von nur 1800 Gästetickets befürchten müssen, leer auszugehen – während in den Heimbereichen ein Vielfaches an freien Plätzen zur Verfügung steht. Dieser Impuls könnte verstärkt werden, wenn die Chemie-Fans sich von der derzeit geplanten Vorgehensweise des CFC ungerecht behandelt fühlen. All dies haben wir dem CFC so auch deutlich kommuniziert.“

Chemie-Vorstandsvorsitzender Frank Kühne will nichts unversucht lassen, um eine bessere Lösung zu erreichen: „Der Chemnitzer FC hat ein tolles Stadion, es ist ein würdiger Austragungsort für ein Pokalfinale. Zumal die baulichen Gegebenheiten mit der großen Hintertortribüne auch viele Gästefans zulassen würden. Deshalb appelliere ich an den CFC, die Sache noch einmal zu überdenken. Wir haben hier die Chance, gemeinsam ein Zeichen im Sinne des sächsischen und ostdeutschen Fußballs überhaupt zu setzen. Die sollten wir nutzen. Wir sind jederzeit gesprächsbereit.“