01. August 2020 / 09:40 Uhr

"Bärenstarke" Spiele: DDR-Sportler holen 1980 in Moskau 126 Medaillen

"Bärenstarke" Spiele: DDR-Sportler holen 1980 in Moskau 126 Medaillen

Gerald Fritsche
Leipziger Volkszeitung
1980
Die 350 Sportler starke DDR-Mannschaft marschiert zur Eröffnungsfeier der XXII. Olympischen Spiele in das Leninstadion ein. © dpa
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Die Olympischen Sommerspiele 1980 wurden von den Mannschaften und Sportlern der UdSSR und DDR dominiert. DDR-Hochspringer Gerd Wessig erreichte damals mit 2,36 m einen neuen Weltrekord.

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Leipzig. Bärenstark. So hatten sich die Organisatoren der Olympischen Sommerspiele 1980 in Moskau ihre Veranstaltung vorgestellt und als Maskottchen den Bären „Mischka“ gewählt. Bärenstark aber sollte auch der Auftritt der DDR-Olympiamannschaft werden. Als die Flamme am 3. August 1980 im Moskauer Leninstadion nach 203 Entscheidungen erlosch, standen 127 Medaillen auf dem Konto der DDR-Equipe – so viele wie nie davor und auch nie mehr danach.

Es hagelte nur so an Auszeichnungen. Der Vaterländische Verdienstorden wurde praktisch zur Massenware, die Olympiasieger schipperten mit der „MS Völkerfreundschaft“ durchs Mittelmeer, einige fuhren anschließend mit einem neuen Pkw Wartburg durchs Land, andere hatten zusätzlich 20.000 DDR-Mark mehr zur Verfügung. Nach Außen hin hatten die DDR-Sportler für die erhofften Erfolge gesorgt.

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Intern aber gab es auch Kritik. 47 Goldmedaillen waren nur sieben mehr als vier Jahre zuvor in Montreal. Und das,obwohl durch den Boykott der meisten westlichen Staaten große Sportnationen wie die USA nicht dabei waren. Dass man den Gastgebern, die 195 Medaillen gewannen, darunter 80 goldene, derart den Vortritt in der Nationenwertung lassen musste, war so nicht eingeplant.

Sensations-Olympiasieger

Eines war aber schnell klar: Keiner der Gewinner fühlte sich wegen des Nichtantretens von 42 NOK als nicht vollständiger Olympiasieger. „Ich war ja Weltmeisterin und wurde auch im Jahr darauf wieder Weltmeisterin“, sagte beispielsweise die bislang letzte deutsche Turn-Olympiasiegerin Maxi Gnauck.

Und dennoch: Es gab Goldmedaillengewinner, die es wohl unter normalen Umständen nicht geworden wären. Der Erfurter Volker Beck beispielsweise, der Olympiasieger über 400 m Hürden wurde. 1980 galt der Amerikaner Edwin Moses als unschlagbar, in Europa war der Westdeutsche Harald Schmid als Europarekord-Inhaber sein größter Konkurrent. „Aber es ist kein Gold zweiter Klasse, denn auch die beiden hätten in Moskau auch erst drei Mal laufen müssen“, sagte der spätere Bundestrainer Beck.

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Blick in das vollbesetzte Leninstadion in Moskau während der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele. © dpa
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Sensations-Olympiasieger wurden unter anderen Boxer Rudi Fink, Judoka Dietmar Lorenz, der damit das erste deutsche Judo-Gold überhaupt holte, oder Hochspringer Gerd Wessig. Er sprang sehr spät auf den Olympia-Zug auf und reiste aus Moskau mit 2,36 Metern als Weltrekordler ab. Auch der Erfolg von Schwimmer Jörg Woithe über 100 m Freistil war nicht erwartet worden, stand der damals 17-Jährige erst am Beginn seiner Karriere.

Leistungen relativiert

Zudem war es der einzige Olympiasieg eines DDR-Schwimmers in Moskau. Ganz im Gegensatz zu den Frauen. 13 Wettbewerbe, elf Siege, sechs Weltrekorde. 26 Medaillen fischten die Mädels aus dem schnellen Wasser des „Olympiskij Schwimmkomplex, der für damals stolze 28,5 Millionen Rubel errichtet wurde. Caren Metschuk, Barbara Krause und Rica Reinisch konnten sich als jeweils dreifache Olympiasiegerinnen feiern lassen.

Ebenso wie die Ruderinnen und Ruderer. Elfmal Gold gab es für die DDR-Flotte. Im Kanurennsport begann die einzigartige Karriere von Birgit Fischer, die im Einer-Kajak über 500 Meter den ersten ihrer acht Olympiasiege errang. In den Ballsportarten ragt der Sieg der Handballer um Wieland Schmidt und Lothar Doering heraus, der in einem dramatischen Endspiel mit Verlängerung gegen die favorisierten Sowjetrussen errungen wurde.

Es waren also die bärenstarken Spiele. 40 Jahre danach erinnert man sich aber kaum noch an die Namen vieler Olympiasieger wie die Turmspringer Martina Jäschke und Falk Hoffmann oder Weitspringer Lutz Dombrowski. Sie alle lieferten im auf Erfolg getrimmten DDR-Sportsystem etwas Normales ab, wenngleich ihre Leistungen alles andere als normal und selbstverständlich waren. Nach der Wende fand man viele Athletennamen in Unterlagen des staatlichen DDR-Dopingsystems und relativierte daraufhin die Leistungen. Um Olympiasieger oder Medaillengewinner zu werden, brauchte jeder aber viel mehr als nur Doping.