12. September 2019 / 09:38 Uhr

Comeback nach Unfall: Patric Charge schlägt einarmig zurück

Comeback nach Unfall: Patric Charge schlägt einarmig zurück

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Patric Charge schlägt mit seinem linken Arm.
Patric Charge schlägt mit seinem linken Arm. © Debbie Jayne Kinsey
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Nach einem schlimmen Motorradunfall am Königsworther Platz im Jahr 2007 verlor Patric Charge das Gefühl im rechten Arm. Der Lindener blieb geduldig und kämpfte sich zurück. Charge spielt (als einziger Spieler in Deutschland) wieder Baseball und will mit Ricklingen aufsteigen.

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Der Weg zurück nach einem furchtbaren Motorradunfall ist hart gewesen. Extrem hart. Und er hat zwölf Jahre lang gedauert. Patric Charge hat sich aber nicht unterkriegen lassen, er hat viele Operationen überstanden, arge Schmerzen und etliche mentale Tiefs. Nun steht er vor einem bemerkenswerten Comeback. Am Sonntag (15.30 Uhr bei 08 Ricklingen) wird er für die Ricklingen Blue Eagles gegen die Wolfsburg Blackbirds II in der Landesliga auflaufen – als einziger Baseballspieler in Deutschland, der nur einen intakten Arm hat. „Ich will wieder richtig spielen, nicht nur ein bisschen“, sagt der 48-Jährige. „Endlich kann ich wieder den schönsten Sport der Welt betreiben.“

"Sonst wäre das wohl tödlich ausgegangen"

2007 war der Lindener mit seiner Maschine unterwegs, er kam vom Baseball-Training bei den Hannover Regents. Am Königsworther Platz erwischte ihn ein Fahranfänger mit seinem Auto, Charge hatte keine Schuld. Der gelernte Zweirad- und Automechaniker zog sich einen Trümmerbruch am Knie zu, der Oberschenkel war hin. Und alle Nervenstränge des rechten Arms waren aus der Wirbelsäule herausgerissen. „Durch den vielen Sport war ich in guter Verfassung, sonst wäre das wohl tödlich ausgegangen“, sagt der Deutsch-Brite.

Das Fangen ist kein Problem: Patric Charge schont sich auch im Training nicht. Das Zurückwerfen des Balls ist schon komplizierter.
Das Fangen ist kein Problem: Patric Charge schont sich auch im Training nicht. Das Zurückwerfen des Balls ist schon komplizierter. © Debbie Jayne Kinsey
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Ohne Tabletten geht´s nicht

Es folgten viele Eingriffe, um den Arm womöglich zu retten. Anfangs hatte Charge noch etwas Gefühl darin. „Aber es wurde nicht besser, nur schlimmer“, sagt der Mann, der zuvor ein Allrounder war. Er konnte in der technisch anspruchsvollen Sportart alle Positionen bekleiden, hatte in der 1. und 2. Bundesliga gespielt.

Geblieben sind in seinem Arm nur die Phantomschmerzen. „Es fühlt sich wie ein Kribbeln an, wenn ich Tabletten genommen habe. Ohne Tabletten ist es nicht auszuhalten. So muss es sein, wenn man in eine Fritteuse fasst“, sagt Charge. Aber es war nicht nur der Arm, auch an Laufen war lange nicht zu denken. „Durch das Knie hatte sich das Lenkrad des Motorrads gebohrt“, sagt Charge ohne Bitterkeit in der Stimme. „Ich werde nie das Geräusch vergessen, wie die Verkleidung meines Motorrads bricht. Aber Jammern bringt nichts.“

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"Nichts war wie Baseball"

Nach einigen Jahren und mehreren Eingriffen konnte der Lindener wieder halbwegs joggen. Und begann, sich einen neuen Sport zu suchen. „Ohne war ich einfach unausgeglichen, die Bewegung hat mir gefehlt.“ Er fuhr Mountainbike, versuchte Schwimmen und Tauchen. Alles funktionierte zwar, gab ihm aber nicht den wirklichen Kick. „Nichts war wie Baseball“, bemerkt Charge lächelnd.

Vor zwei Jahren probierte er eine neue Therapie, ließ die Faszien behandeln. Das schlug bestens an und bedeutete sozusagen die Wende. Charge nahm wieder Tempo auf. Der siebenjährige Sohn seiner Freundin Alexa lobte ihn beim gemeinsamen Lauf, er sei richtig schnell geworden. „Darüber habe ich mich riesig gefreut“, betont Charge, der nicht mehr berufstätig ist und nur in seiner Freizeit an seinem VW-Transporter schraubt, den er sich vom Schmerzensgeld geleistet hat. Das funktioniert mit einem Arm. „Man lernt das, weil man muss“, so Charge.

Seinen Sport muss er nicht neu lernen, einige Aktionen sind jetzt aber speziell und kniffliger als vorher. Fangen und Schlagen klappt mit einer Hand, Charge wird First Baseman sein. Für einen Homerun dürfte es noch nicht reichen, an der nötigen Kraft dafür will er als Nächstes arbeiten. „Und dann schauen wir, wie es läuft.“

Die Blue Eagles werden wohl aufsteigen in die Verbandsliga. Da zu spielen, das traut Charge sich zu – und sein Coach Yonathan Werchow ebenfalls. Nur zum Training, da wird Patric Charge künftig radeln oder mit dem Auto fahren. Von Motorrädern lässt er lieber die Finger.

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