06. Juni 2020 / 11:36 Uhr

Hygiene-Plan, Modus, Teilnehmer: So läuft das Final-Turnier der BBL - Liga will "zeigen, wie toll Basketball ist"

Hygiene-Plan, Modus, Teilnehmer: So läuft das Final-Turnier der BBL - Liga will "zeigen, wie toll Basketball ist"

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die BBL startet ihr Final-Turnier in München, von dem sich Liga-Chef Stefan Holz (rechts) große Aufmerksamkeit erhofft.
Die BBL startet ihr Final-Turnier in München, von dem sich Liga-Chef Stefan Holz (rechts) große Aufmerksamkeit erhofft. © dpa (Montage)
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Heute startet das Final-Turnier der Basketball-Bundesliga – und damit der Versuch, trotz der Corona-Krise sportlich einen Meister zu ermitteln. BBL-Chef Stefan Holz will den nahezu uneingeschränkten Fokus auf die Korbjäger positiv nutzen.

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Stefan Holz hat stets betont, zu kämpfen. Der Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga wollte die Saison nie aufgeben. Es wäre „ein Fehler gewesen“, wenn die BBL nicht mit aller Macht die Fortsetzung der Spielzeit angestrebt hätte. An diesem Samstag startet nun das Projekt, mit dem die Basketballer als einzige deutsche Teamsportliga abseits des Fußballs ihr Spieljahr beenden: ein Finalturnier im Audi Dome in München – selbstredend ohne Zuschauer.

BBL-Chef Holz verdeutlichte, dass alle Beteiligten „gut präpariert“ seien. Spieler, Trainer und Betreuer begeben sich in Hotelquarantäne nahe des Olympiazentrums der bayerischen Hauptstadt, sind für rund drei Wochen von der Außenwelt abgeschottet. Mitarbeiter der Klubs dürfen live vor Ort sein, sprich: die Spiele in der Halle verfolgen. Direkten Kontakt zur in Quarantäne befindlichen Mannschaft und ihrem Trainer- und Betreuerstab haben sie nicht. Das Hygienekonzept verbietet auch Besuche der Spieler durch Familie und Freunde.

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Am Turnier nehmen die Teams teil, die vor der Corona-Pause auf den Rängen eins bis zehn der Tabelle standen. Dies sind Tabellenführer und Ausrichter FC Bayern München sowie die Riesen Ludwigsburg, Alba Berlin, Crailsheim Merlins, EWE Baskets Oldenburg, Rasta Vechta, BG Göttingen, Brose Bamberg, Ratiopharm Ulm und die Frankfurt Skyliners. Die weiteren sieben BBL-Teams haben auf eine Teilnahme verzichtet. Dennoch erkennt Holz „auf keinen Fall ein Sternchen, das die deutsche Meisterschaft 2020 relativiert“.

Gespielt wird zunächst in zwei Fünfergruppen im Modus jeder gegen jeden. Aus jeder Gruppe qualifizieren sich die Erst- bis Viertplatzierten für das Viertelfinale. Ab der K.-o.-Phase gibt es Hin- und Rückspiele, auch im Finale am 26. und 28. Juli. In der Münchner Arena stehen so 35 Spiele in 22 Tagen an, die Finalisten werden letztlich neun Partien absolviert haben. Die Vielzahl an Spielen in kürzester Zeit direkt nach einer langen Wettkampfpause sorgt durchaus für Kritik. Der Frankfurter Profi Akeem Vargas sagte: „Das Verletzungsrisiko ist in meinen Augen relativ hoch.“

Meister seit 2010 entweder Bamberg oder FC Bayern

Ungewiss ist, ob der besondere Modus für eine sportliche Überraschung sorgen wird. Seit 2010 wurden entweder Bamberg (2010 bis 2013, 2015 bis 2017) oder Bayern (2014, 2018, 2019) deutscher Meister. Münchens Geschäftsführer Marko Pesic stellt klar: „Wir spielen das Turnier nicht, um am Ende Zweiter zu werden.“

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Für das Projekt war im Vorfeld ein „immenser Aufwand“ notwendig, erklärt der Göttinger Geschäftsführer Frank Meinertshagen. Weil lange nicht klar war, ob die bayerische Regierung grünes Licht geben wird, standen die Vereine vor der Herausforderung, kurzfristig einen Kader zusammenzustellen. Es mussten neue Verträge vereinbart, das von der Liga vorgegebene Hygienekonzept umgesetzt und ein Hygienebeauftragter benannt werden.

Holz: Keine Sanktion bei Rassismus-Protesten

Ein großes Thema waren abseits davon die Äußerungen von Liga-Chef Holz zum vermeintlichen Verbot möglicher Protestaktionen im Kampf gegen Rassismus nach dem Todesfall George Floyd, der in der Folge eines brutalen Polizeieinsatzes in den USA ums Leben gekommen ist. Der 52-Jährige hatte seine Aussagen wenig später aber präzisiert und sich entschuldigt. „Es stand und steht nie zur Debatte, dass derartiges Engagement in Form eines Statements gegen Rassismus sanktioniert wird“, erläuterte Holz.

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Alle Anstrengungen, die Saison zu beenden, haben derweil vor allem ein Ziel: die Klubs vor einem wirtschaftlichen Totalschaden infolge der Corona-Krise zu bewahren. Holz: „Die momentan 17 Klubs sind für diese Saison bis zum 30. Juni alle im sicheren Hafen.“ Einiges hängt nun davon ab, wie das Final-Turnier verläuft – und ob die erhoffte Begeisterung rundherum eintritt.

Neben der Fußball-Bundesliga läuft parallel kein weiterer Sport. Der kostenpflichtige Streaminganbieter Magenta Sport berichtet täglich sechs Stunden live, überträgt alle Spiele begleitet von Vor- und Nachberichterstattung. Die Situation ist laut Holz daher eine große Chance, „zu zeigen, wie toll Basketball ist, wie cool die BBL ist“.