22. April 2020 / 09:00 Uhr

Basketball-Bundesliga-Boss Stefan Holz über Geisterspiele und den BBL-Plan nach Corona

Basketball-Bundesliga-Boss Stefan Holz über Geisterspiele und den BBL-Plan nach Corona

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
BBL-Boss Stefan Holz (links) spricht im <b>SPORT</b>BUZZER-Interview über die finanziellen Folgen der Corona-Krise.
BBL-Boss Stefan Holz (links) spricht im SPORTBUZZER-Interview über die finanziellen Folgen der Corona-Krise. © imago images/Eibner/Eduard Bopp
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Der SPORTBUZZER blickt in einer Interview-Serie auf die Folgen der Corona-Krise für die deutschen Teamsport-Ligen. Teil drei: Stefan Holz, Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga (BBL).

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SPORTBUZZER: Stefan Holz, nehmen Sie uns doch einmal in Ihren aktuellen Alltag mit: Welche Aufgaben müssen Sie in dieser Krise derzeit lösen?

Stefan Holz (52): Derzeit geht es primär darum, die Liquidität der Klubs sicherzustellen. Über Nacht sind ihnen zentrale Einnahmen weggebrochen. Die Kosten laufen aber weiter. Deswegen ist nun die Aufgabe für uns als Liga, bei Themen wie Kurzarbeit zu unterstützen und Hilfestellungen zu geben.

Die BBL hat den laufenden Spielbetrieb unterbrochen, ebenso wie die Fußball- und die Handball-Bundesliga. Das gilt nun bis zum 30. April. Das Ziel ist also weiterhin, die Saison mit Geisterspielen zu einem Ende zu führen?

Absolut. Die Ticketingeinnahmen machen mit etwa einem Viertel schon einen wichtigen Anteil der Erlöse für die BBL-Klubs aus. Spiele vor leeren Tribünen bedeuten erhebliche finanzielle Verluste. Doch um den Fortbestand der Vereine zu sichern, weil wir über ausstehende Medien- und Sponsoringeinnahmen sprechen, soll die Spielzeit weitergehen – idealerweise beenden wir die Hauptrunde, vielleicht an drei ausgewählten Spots, und spielen noch eine Form von Play-offs.

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Die Play-offs sind für die übertragenden Sender Telekom Magentasport und Sport1 ein zentraler Vertragsinhalt. Was bedeutet das bei der Entscheidung?

Wir machen keinen Hehl daraus, dass eine Fortsetzung der Saison neben dem sportlichen Wettbewerb auch deshalb notwendig ist, um die Fernsehpartner weiter zu bedienen. Dabei darf man aber auch nicht außer Acht lassen, dass die Geschäftsmodelle der genannten Medienunternehmen selbst hart von der Krise betroffen sind, weil derzeit kein Live-Sport stattfindet. Wir versuchen also unsererseits, unsere Medienpartner bestmöglich zu unterstützen, indem wir ihnen hoffentlich bald wieder frischen Content liefern.

"Wir stecken in einem Zwiespalt"

Die Unterbrechung der Saison hat dazu geführt, dass einige Verträge mit US-Profis aufgelöst worden sind, damit sie die Heimreise antreten konnten und die Klubs sich Gehälter sparen. Von Ihrer Seite gab es dafür lautstarke Kritik.

Das ist für mich Schnee von gestern. Das Vorgehen sorgte bei mir für Verwunderung, weil am 12. März alle Klubs einstimmig beschlossen hatten, nicht abzubrechen. Und es untergräbt diesen Beschluss, wenn danach Spielerverträge aufgelöst werden, ohne dass dabei in jedem Fall Rückkehrvereinbarungen getroffen wurden. Klar ist, dass bei einer Saisonfortsetzung jeder Klub einen konkurrenzfähigen Kader zur Verfügung haben muss.

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Mit Blick auf die neue Spielzeit hat die BBL die Lizenzierung auf die Zeit nach dem 30. Juni verlegt. Wichtige Themen sind dabei der erforderliche Mindestetat, der erst vor Kurzem auf 3 Millionen Euro erhöht wurde, und das Mindest-Eigenkapital von 250.000 Euro. Inwiefern könnte es nun zu Anpassungen kommen?

Die Klubs müssen in der aktuellen Krise monatlich ihre finanzielle Planung und Liquidität vorlegen. Auf dieser Basis werden wir dann am 30. Juni sehen, wo die Klubs stehen. Die angesprochenen Erhöhungen bei Mindestetat und Eigenkapital waren fundamentale Schritte für die Weiterentwicklung der BBL. Diese Entscheidungen haben Jahre gedauert, deshalb wollen wir diese nicht einfach wieder kassieren. Gerade die 250.000 Euro Eigenkapital helfen den Vereinen in der jetzigen Krise weiter. Klar ist aber, dass diese Hürden in der kommenden Saison aufgrund der Corona-Krise deutlich schwerer zu erreichen sind. Wir stecken in einem Zwiespalt, den wir noch auflösen müssen.

Welche weiteren Maßnahmen können und sollten die Klubs ergreifen?

Für mich ist der anteilige Gehaltsverzicht der Spieler ein zentrales Element. Wir brauchen die Solidarität der Profis, um letztlich auch Insolvenzen bei den Klubs zu vermeiden. Das wird neben der Kurzarbeit der Angestellten wirklich entscheidend sein.

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Der DFB hat jüngst auch die hohen Zahlungen an die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) angeprangert, die nun für die finanziell ohnehin angeschlagenen Klubs der 3. Liga anstehen. Das wird sicher auch in der BBL eine große Rolle spielen, oder?

Das Thema haben wir in der Interessengemeinschaft IPD (Zusammenschluss aus DFL, BBL, DEL und HBL, d. Red.) ganz oben auf der Agenda, weil es alle Ligen betrifft. Bei den Summen ist das auch für Fußball-Drittligisten unter dem Dach des DFB, mittlerweile sogar für Erst- und Zweitligisten der DFL relevant. Die Beträge liegen gerade nach der nun greifenden deutlichen Beitragserhöhung im Basketball im deutlichen sechsstelligen Euro-Bereich pro Klub, was bei der im Mai fälligen Zahlung einige Vereine in die Insolvenz führen kann, wenn die Beiträge nicht über die kommende Saison hinaus gestundet werden können. Da ist Handlung und auch Eile geboten.

"Sind mit Forderungen an die Politik ein Stück zurückhaltend"

In der Öffentlichkeit wird auch in der Krise vorrangig über den Fußball gesprochen. Wie bewerten Sie den Einfluss der anderen Teamsportligen, wenn es um politische Hilfen in der Krise geht?

Über die Zusammenarbeit in der IPD haben wir es geschafft, ein generelles Bewusstsein für den Profisport in Deutschland zu schaffen. Da geht es um den Wirtschaftsfaktor, aber auch darum, dass Profisport Lebensinhalt von vielen Millionen Menschen in Deutschland ist. Wir sind aktuell mit Forderungen an die Politik ein Stück zurückhaltend, wohl wissend, dass es derzeit drängendere Themen gibt, haben aber sehr wohl Entwicklungen wie in der Schweiz wahrgenommen, wo beispielsweise rasch 50 Millionen Franken als zinslose Kredite von der Regierung speziell für den professionellen Spitzensport bereitgestellt wurden.