30. Dezember 2021 / 20:22 Uhr

Mit der Schluss-Sirene: BG Göttingen ringt Ulm nieder und klettert auf Platz 3

Mit der Schluss-Sirene: BG Göttingen ringt Ulm nieder und klettert auf Platz 3

Andreas Fuhrmann
Göttinger Tageblatt
Cristiano Felicio (Ratiopharm Ulm) im Zweikampf mit Philipp Hartwich (BG Göttingen).
Cristiano Felicio (Ratiopharm Ulm) im Zweikampf mit Philipp Hartwich (BG Göttingen). © Michael Schmidt/Eibner-Pressefoto
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Was für ein Spiel, was für eine Dramatik: Die BG Göttingen hat am Donnerstagabend trotz großer Foulprobleme das Topspiel bei ratiopharm Ulm buchstäblich in letzter Sekunde mit 88:86 gewonnen. Matchwinner war mal wieder BG-Topscorer Kamar Baldwin.

Die BG Göttingen hat die Negativserie gegen ratiopharm Ulm endlich gestoppt – und wie. In einem dramatischen Topspiel der Basketball-Bundesliga gewannen die Veilchen bei den Ulmern am Donnerstagabend mit 88:86 (43:39) und holten nach mehr als sieben Jahren mal wieder einen Sieg gegen das Team von Jaka Lakovic. Matchwinner war einmal mehr BG-Topscorer Kamar Baldwin – und das buchstäblich in letzter Sekunde.

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BG-Trainer Roel Moors hatte vor dem Spiel von einer sehr schwierigen Aufgabe gesprochen. „Ulm ist ein sehr gutes Team mit erfahrenen Spielern und guten Schützen“, beschrieb der Belgier die Stärken der Gastgeber. Und diese brachten die Ulmer in den ersten Minuten auch sofort aufs Parkett.

ratiopharm Ulm - BG Göttingen 2021/22

Das dramatische Spiel zwischen der BG Göttingen und ratiopharm Ulm in Bildern. Zur Galerie
Das dramatische Spiel zwischen der BG Göttingen und ratiopharm Ulm in Bildern. © Michael Schmidt/Eibner-Pressefoto

Vier Punkte erzielten die Gastgeber zum Start, und Gedanken wurden bei einigen Göttingern wach an das Spiel in Würzburg, als die Veilchen die Anfangsphase vollkommen verschlafen hatten. Diesmal aber wachten die Gäste schneller auf: Stephen Brown traf nach knapp drei Minuten zum 4:3.

Von da an entwickelte sich ein Spiel auf Augenhöhe zweier starker Teams. Wobei die BG insgesamt den abgeklärteren, souveräneren Eindruck machte und vor allem in der Defensive viel energischer zur Sache ging. Das wiederum schmeckte den Ulmern gar nicht. Insbesondere BG-Center Philipp Hartwich stand unter dem eigenen Korb wie eine Wand und brachte die Gastgeber ein ums andere Mal ins Schwitzen.

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Gibt’s da was von Ratiopharm? Eher nicht, denn die Ulmer fanden gegen die stark aufspielenden Göttinger vor allem im ersten Viertel kein Mittel. Und so zogen die Veilchen auf 22:11 davon. Brown, Baldwin, Mönninghoff: Jeder durfte mal – und diese Variabilität, diese Sicherheit, dieses Selbstvertrauen sind es vielleicht, die die Göttinger derzeit auszeichnen.

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Ulms Trainer Lakovic zog kurz vor der Viertelpause die Reißleine und nahm die erste Auszeit. Und diese brachte den Rhythmus der Veilchen tatsächlich durcheinander. Mit einem 6:0-Lauf verkürzten die Hausherren, die ohne ihre Fans auskommen mussten, noch auf 17:22.

Der zweite Durchgang ging so temporeich und unterhaltsam weiter wie der erste. Wobei die BG bei all ihrer Aggressivität das ein oder andere Foul zu viel kassierte – was sich am Ende beinahe bitter gerächt hätte.

Letztes Viertel hat es in sich

Die Ulmer kamen nun immer besser in die Partie. Die BG aber hatte stets eine Antwort parat. Mal war es Vargas per Dreier, mal Hartwich per Rebound. Und als Per Günther vier Sekunden vor der Pause auf 39:41 verkürzte, schaffte es der BG-Center nach tollem Pass von Toolson tatsächlich noch, zu kontern.

Im dritten Durchgang hatten die Ulmer wieder den besseren Start, trafen fünf Punkte in Folge und gingen nach langer Zeit mal wieder in Führung. Die BG konnte zwar wieder kontern, insgesamt ging das Viertel aber mit 20:16 an die Gastgeber. Ausgeglichen mit 59:59 ging es in den letzten Spielabschnitt – und der sollte es in sich haben.

Wie fandet ihr den Auftritt der BG? HIER könnt ihr die Spieler benoten!

Beide Teams schenkten sich nichts – und die BG musste nun ihren vielen Fouls Tribut zollen. Erst musste Hartwich nach seinem fünften Foul auf die Bank, wenig später folgte auch Kamp. Beide Center raus, und das bei der kleinen Rotation der Göttinger: Viele Teams wäre wohl spätestens jetzt eingebrochen.

Elf Sekunden vor Schluss: Der große Auftritt von Kamar Baldwin

Die Veilchen aber stemmten sich mit aller Macht gegen die Niederlage und kämpften bravourös. Als Baldwin gut eine Minute vor Schluss zwei Freiwürfe zur 86:82-Führung für die BG verwandelte, durften die Fans zu Hause auf einen Sieg hoffen. Doch Ulm konterte in diesem verrückten Spiel auch diesen Vorstoß der Göttinger und glich abermals aus.

Elf Sekunden vor Schluss nahm BG-Trainer Moors noch mal eine Auszeit – und dann begann die Baldwin-Show. Gegen drei Ulmer setzte sich der US-Amerikaner durch und bugsierte den Ball mit der Schlusssirene in den Korb. Der Rest war lilafarbener Jubel - und der Sprung auf Platz 3.

Stimmen zum Spiel

Roel Moors (Headcoach BG Göttingen): „Ich bin unglaublich stolz auf meine Spieler, sie haben wirklich hart gekämpft. Es war ein schwieriges Spiel, gegen einen sehr starken Gegner. Einen Gegner, den ich sehr hoch einschätze. Ich habe Ulm schon sehr viel spielen sehen, auch im EuroCup – deshalb habe ich sehr viel Respekt davor, was Ulm macht. Wir haben einen guten Rhythmus, den wir heute genutzt haben. Ich glaube, wir haben verdient gewonnen, da wir die meiste Zeit über die Kontrolle hatten. Aber das hätte mit den Ulmer Qualitäten natürlich auch in die andere Richtung gehen können.“

Jaka Lakovic (Headcoach ratiopharm ulm): „Ich bin der Meinung, dass Göttinger verdient gewonnen hat. Wie ich es schon vor dem Spiel gesagt habe, spielt Göttingen einen starken Basketball, das haben sie auch heute wieder bewiesen. Sie haben die Partie angeführt und hatten zum größten Teil die Kontrolle. Wir hatten nicht genug Energie, und uns fehlten die guten Entscheidungen in der Offensive, das haben die Göttinger ausgenutzt. Der entscheidende Spielzug am Ende kommt einfach durch Talent und Qualität, wir haben aber nicht deshalb verloren. Wir haben verloren, weil Göttingen gut gespielt hat und wir in der Defensive eben nicht.“


Statistik

ratiopharm ulm – BG Göttingen 86:88 (39:43)

Die Viertel im Überblick: 17:22, 22:21, 20:16, 27:29   

BG Göttingen: Toolson (13 Punkte/3 Dreier), Roberson (16/2, 5 Rebounds), Vargas (17/5, 5 Rebounds), Boakye (n.e.), Hujic (3/1), Wüllner (n.e.), Hartwich (4), Mönninghoff (6/2, 5 Rebounds), Kamp, Brown Jr. (16/2), Giotis (n.e.), Baldwin (13/1, 8 Assists).

ratiopharm ulm: Christon (13 Punkte/1 Dreier, 10 Assists), Felicio (6), Blossomgame (23/3, 7 Rebounds), Günther (6/1), Thornwell (8), Stoll (n.e.), Herkenhoff (9/1), Bretzel (6), Klepeisz (1), Krimmer, Jallow (3), Zugic (11/2).

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