19. Mai 2020 / 08:13 Uhr

"Wieso keine einfache Runde?": TKH-Boss Battersby in puncto Neustart skeptisch

"Wieso keine einfache Runde?": TKH-Boss Battersby in puncto Neustart skeptisch

Carsten Bergmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
TKH-Boss Rodger Battersby kann sich nicht vorstellen, dass es für die Basketballerinnen zu einer ganzen Saison kommen wird.
TKH-Boss Rodger Battersby kann sich nicht vorstellen, dass es für die Basketballerinnen zu einer ganzen Saison kommen wird. © Florian Petrow/Debbie Jayne Kinsey
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Die DBBL hat drei Modelle erarbeitet, die reguläre Spielzeiten zu unterschiedlichen Startzeitpunkten vorsehen. Rodger Battersby vom TK Hannover glaubt nicht, dass die Zeit nicht für eine komplette Saison reichen wird, Geisterspiele lehnt er ab. Er fragt: "Wieso spielen wir keine einfache Runde ohne Rückspiele?"

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Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Die Basketball-Bundesliga der Damen hat – anders als die Männer – die aktuelle Saison längst abgebrochen. Aber wie gelingt nun der Neustart? Während die Liga unterschiedliche Szenarien kreiert hat, wartet der Turn-Klubb Hannover die Entwicklung ab.

Battersby genießt die Ruhe im Garten

Ungewöhnlich ruhig geht es bei den Batterbys zu. Corona hat auch bei dem international agierenden Geschäftsführer und Teammanager der Basketball-Ladys für Entschleunigung gesorgt. Statt in den Play-offs zu kämpfen, genießt Rodger Battersby die Ruhe im Garten. Wirklich Gedanken braucht sich der 62-Jährige um Basketball nicht zu machen.

Jetzt Verträge abzuschließen? Was soll das bringen, wenn nicht einmal absehbar ist, wann es wieder losgeht. Aktuell dürfte er nicht einmal ein richtiges Training leiten. Die Corona-Regeln schreiben vor: Ein Freiplatz, ein Trainer, fünf Sportler – für einen ambitionierten Bundesligisten kein realistisches Umfeld.

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Beim Geschäftsführer der Damen-Basketball-Bundesliga ist von Corona-Ruhe hingegen nichts zu spüren. Der Verband hat mehrere Konzepte erarbeitet, die einen regulären Saisonstart Ende September, Ende Oktober oder Januar 2021 vorsehen. Claus-Arwed Lauprecht, seit Januar als Geschäftsführer im Amt, muss sich gleich als Krisenmanager beweisen.

"Sollen wir dann vor nur 100 Leuten spielen?"

Die gute Nachricht: Anders als etwa in der Volleyball-Bundesliga hat keine Mannschaft die Corona-Pleite angemeldet, die neue Saison startet wieder mit zwölf Teams. Ob Lauprecht damit gerechnet habe? „Ehrlich gesagt: Nein.“ Das zeige aber, wie nachhaltig und risikoarm die Klubs ihre Finanzen regeln. In den meisten Finanzkonzepten der Teams spielen Zuschauereinnahmen höchstens eine untergeordnete Rolle. Ein Start in Geisteratmosphäre kann sich der Liga-Chef also durchaus vorstellen, wenn denn die Hygienevorschriften umgesetzt werden können.

Eine Überlegung, die Rodger Battersby hingegen zu weit geht. Er hält nichts von Partien unter Ausschluss der Öffentlichkeit, ebenso wenig wie von Einschränkungen der Zuschauerströme. In der Regel schauen rund 350 Fans bei den Hannover-Ladys zu. „Sollen wir dann vor nur 100 Leuten spielen?“, fragt sich der Teammanager. Für ihn keine schöne Vorstellung.

Bilder vom Season Opening der DBBL mit dem TK Hannover

Bilder vom Season Opening der DBBL mit dem TK Hannover. Zur Galerie
Bilder vom Season Opening der DBBL mit dem TK Hannover. ©

Fakt ist: Eine Lösung, wie die Basketball-Männer ihre Saison nun zu Ende spielen wollen, ist für die Damen nicht darstellbar. Zehn Männerteams sollen in Turnierform die BBL abschließen – in der Corona-Variante versteht sich. Am Dienstag entscheidet der bayerische Landtag darüber, ob die Teams vom 6. Juni an die Finalrunde in München ausspielen dürfen. Die Kosten gehen in die Millionen. Auch Lauprecht muss gestehen: „Das ist ein wildes Konzept. Für die Sportart Basketball aber wäre das eine gute Lösung mit einer großen Öffentlichkeitswirkung.“

Lieber einfache Runde als gar keine Saison?

Einen solchen Aufwand können sich die Frauen nicht leisten. Viel zu teuer. Also geht die volle Konzentration auf die neue Saison. Der DBBL-Geschäftsführer blickt optimistisch in den September. Aus der Politik sendete unter anderem Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil Signale, für den Bundesliga-Fußball wieder Zuschauer zuzulassen – sofern es die Infektionszahlen natürlich zulassen.

Warum also nicht auch für den Basketball? Rodger Battersby lobt Weils bislang maßvolles Vorgehen. Auf seinen Sport übertragen bringt der TKH-Boss ein neues, kostenreduzierendes Modell in die Diskussion ein. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es für eine komplette Saison reichen wird. Wieso spielen wir keine einfache Runde ohne Rückspiele?“. In jedem Fall besser als gar keine Saison.