19. Juli 2021 / 18:46 Uhr

Baustelle BSG Chemie: Endlich Flutlicht in Leutzsch – Zitterpartie für Viertligisten

Baustelle BSG Chemie: Endlich Flutlicht in Leutzsch – Zitterpartie für Viertligisten

Nico Schmook
Leipziger Volkszeitung
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Der Aufbau des Flutlichts wird bei der BSG Chemie zur Geduldsprobe. © Dirk Knofe
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Notlösungen und Last-Minute-Fahrten: Im Alfred-Kunze-Sportpark steht die dritte Regionalligasaison der BSG Chemie Leipzig in Folge bevor – und nach schwerer Geburt gibt es endlich auch Flutlicht. Schon am Montamorgen haben fleißige Helfer die kräftezehrende Mission gestartet. Noch stehen nicht alle Masten.

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Leipzig. Montag, kurz nach 7 Uhr. Auf den Straßen in Leipzig-Leutzsch ist noch eine morgendliche Ruhe zu spüren. Doch nicht überall. Im Wohngebiet rund um den Alfred-Kunze-Sportpark ist nichts mit Ruhe. Eher Hektik ist hier geboten. Begleitet vom bekannten Piepen der Fahrzeuge versuchen sich sowohl ein LKW als auch ein Schwerlastkran durch die engen Straßen zu schlängeln. Ziel: die Heimstätte der BSG Chemie Leipzig. Die langersehnten Flutlichter sollen aufgebaut und errichtet werden. Einen Tag hatte man dafür Zeit. Bis heute, 12 Uhr, galt die Frist, die der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) gestellt hatte. Bis dahin musste nicht nur das Flutlicht stehen, sondern auch alle Genehmigungen vorhanden sein. Eine Zitterpartie war programmiert und es sollte auch eine werden.

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Zitterpartie Flutlicht

Auf dem Platz vor der Haupttribüne fing die Mission Flutlicht am Montagmorgen an. Hier sollten die ersten drei der insgesamt sechs Masten, die in der vorherigen Woche ihren Weg aus Liverpool nach Leutzsch fanden, zusammengebaut und per Kran ins Stadion befördert werden. Rund 25 Leute, vor allem Anhänger der Grün-Weißen, fanden sich dafür zusammen, unterstützten den Verein wo sie nur konnten. Auch Hans Jerke, der eigentlich Assistent des Vorstands ist, nun aber die Bauaufsicht übernahm, schätzt den Einsatz aller Beteiligten: „Was wir für Rückhalt erfahren, ist sehr besonders.

DURCHKLICKEN: Die Bilder zur Anlieferung und Aufbau der Flutlichtanlage

Lieferung von der Anfield Road: Ein großer Kran errichtet nach langer Verzögerung die ausgeliehenen Masten vom FC Liverpool auf dem Trainingsgelände der BSG. Zur Galerie
Lieferung von der Anfield Road: Ein großer Kran errichtet nach langer Verzögerung die ausgeliehenen Masten vom FC Liverpool auf dem Trainingsgelände der BSG. ©

Mitglieder packen mit an, Sponsoren helfen uns und die Stadt tut auch alles, um uns zu unterstützen.“ Neben den Helfern war auch speziell ein Mitarbeiter der Firma, die das gelieferte Flutlicht herstellt, vor Ort. Der Tscheche kam dafür extra direkt aus seinem Italienurlaub in den Leipziger Nordwesten. Eines stand also schon fest: Der Einsatz stimmte. Auch deshalb zeigte sich Jerke zuversichtlich und verriet: „Wenn alles glatt läuft, brauchen wir bis heute Abend.“

Andauernde Geduldsprobe

Doch der Zeitplan, so schien es, war schon nach kurzer Zeit nur eine Wunschvorstellung. Das Geschehen vor der Haupttribüne wurde turbulenter und vor allem chaotischer. Benötigtes Werkzeug, um die Teile des Flutlichts zusammenzubauen, war nicht da, bestimmte Kabel fehlten. Und spezielle Seile, um das fertige Flutlicht mit dem Kran zu bewegen, suchten die Beteiligten auch vergeblich. All das befand sich wohl noch in England und hatte den Weg wunderlicherweise nicht in die Messestadt gefunden.

Es mussten Notlösungen und Last-Minute-Fahrten zum Baumarkt her. Schnell war klar: Die Mission Flutlicht könnte zu einer lang andauernden Geduldsprobe werden. Blick auf die Uhr. 11:30 Uhr. Vor vier Stunden wurde angefangen zu arbeiten. Nun hängen die ersten Scheinwerfer am Mast. Das spricht Bände. Auch bei Jerke half zeitweise nur Kopfschütteln. „Dieser ganze Aufwand, den wir uns hier für am Ende vier Spiele machen, ist schon fragwürdig“, so der Vorstandsassistent.

Intakte Beleuchtung: keine Nachtschicht

Eine Stunde später. Lange hatte es gedauert. Auf einmal aber hing der Flutlichtmast am Kran, schwebte spektakulär über das Tribünendach und wurde am Spielfeldrand – ein nicht unbedingt risikofreier Platz dafür – auf das 3,5-Tonnen-Fundament installiert. Die Worte eines Fans, der das spektakuläre Treiben zeitweise mit auf dem Stadiongelände beobachtete, fassten die Situation gut zusammen: „Schwerer könnte eine Geburt nicht sein.“ Fünf Stunden nach Beginn stand nun also der erste Mast. Das Problem: Es fehlten noch fünf.

Fußball: Aufbau der Flutlichtmasten im Alfred-Kunze-Sportpark

Bis zum Montagabend gegen 18 Uhr waren in Leutzsch zwei weitere Masten aufgebaut und funktionstüchtig. Trotz intakter Beleuchtung legten die Chemiker aber keine Nachtschicht ein – die restlichen drei Masten sollen Dienstag errichten werden. Bezüglich der Frist, die um 12 Uhr ausläuft, ist der Verein im Austausch mit dem Verband. Die Zeichen für eine Genehmigung stehen laut Jerke gut, eine verbindliche Rückmeldung lag bis Montagabend nicht vor.