26. Oktober 2018 / 14:48 Uhr

Erstaunliche Pressekonferenz: So will Heiko Herrlich seinen Bayer-Job retten

Erstaunliche Pressekonferenz: So will Heiko Herrlich seinen Bayer-Job retten

Sönke Gorgos
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Heiko Herrlich steht bei Bayer 04 Leverkusen unter Druck.
Heiko Herrlich steht bei Bayer 04 Leverkusen unter Druck. © Getty
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Am Sonntag steht Heiko Herrlich vor seinem vielleicht letzten Spiel als Trainer von Bayer 04 Leverkusen. Der Trainer ist nach der Niederlage in der Europa League schwer angeschlagen - und muss um seinen Job bangen.

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Freitagnachmittag, Pressekonferenz bei Bayer 04 Leverkusen. Der meistgesagte Satz von Trainer Heiko Herrlich ist: "Ich gebe Ihnen recht." Er gebe den Journalisten recht, dass die Leistungen der Werkself in den vergangenen Wochen sehr zu wünschen übrig ließen, auch bei der Europa-League-Pleite in Zürich. Er gebe ihnen recht, die negativen Kritiken in dieser Zeit waren berechtigt. Und er gebe ihnen recht - der kommende Gegner Werder Bremen stellt eine der aktuell besten Mannschaften der Bundesliga. Ärgerlich: Für Leverkusen kommt der Gegner zur Unzeit - es könnte das letzte Spiel des umstrittenen Trainers für Bayer 04 sein.

Heiko Herrlich: Seine Karriere in Bildern

Seit Juli 2017 ist Heiko Herrlich Trainer von Bayer 04 Leverkusen. Der ehemalige Stürmer von Borussia Dortmund hat eine bewegte Karriere hinter sich. Zur Galerie
Seit Juli 2017 ist Heiko Herrlich Trainer von Bayer 04 Leverkusen. Der ehemalige Stürmer von Borussia Dortmund hat eine bewegte Karriere hinter sich. ©

"Ich weiß nicht, ob sie mir das abnehmen - aber ich bin sehr druckresistent", sagte der 46-Jährige, der mit seiner hochveranlagten Truppe um die Jungstars Julian Brandt, Kai Havertz und Leon Bailey seit Wochen in der Krise steckt. In dieser Saison sammelten die Rheinländer gerade einmal acht Punkte, nur drei mehr als der Tabellenletzte Fortuna Düsseldorf. Längst schrillen die Alarmglocken, auch wenn Sportchef Rudi Völler am vergangenen Wochenende kurz vor einem Ultimatum halt machte. Nach dem Spiel in Zürich ging Völler allen Interviewanfragen aus dem Weg.

Herrlich: "Wichtig ist, dass ich in den Spiegel gucken kann"

Er habe über die Jahre viele negative Kritiken bekommen, sagte Herrlich, der seit Sommer 2017 Chef in der BayArena ist und früher für den BVB stürmte. "Ich mache mir keine Gedanken darüber, ob das Vertrauen noch da ist oder ob es weniger geworden ist. [...] Wichtig ist, dass ich in den Spiegel gucken kann, wenn ich nach Hause kommen kann. Mehr kann ich nicht geben", erklärte Herrlich.

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Doch die aktuellen Leistungen sind nicht gut genug, die 2:3-Pleite in der Europa League gegen den FC Zürich verschärfte die ohnehin schon dramatische Krise. "Ich habe die Hoffnung noch lange nicht aufgegeben", gibt sich Herrlich kämpferisch. "Ich bin davon überzeugt, das wir diese schwierige Situation gemeinsam meistern und möchte diese Mentalität jetzt einfach vorleben."

Den versammelten Pressevertretern gegenüber gab Herrlich sich erstaunlich devot. "Ihr macht auch nur euren Job, ihr wollt euren Kindern auch was zu Weihnachten kaufen. Wenn die Ergebnisse nicht da sind, hagelt es Kritik - und die ist meistens berechtigt." Dem einen oder anderen habe zuletzt vor dem Tor die Überzeugung gefehlt. Herrlich: "Dadurch haben wir es verpasst, Spielen eine andere Richtung zu geben. Wir sprechen das an, hauen aber nicht auf die Spieler ein, sondern versuchen sie stark zu machen."

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Am Sonntag geht es gegen Werder Bremen (18 Uhr/SPORTBUZZER-Ticker) - den Gegenentwurf zu Bayer. Gleiches Ziel (Europa), klare Unterschiede. Während Bayer 04 knapp über dem Strich im tiefen Mittelfeld der Tabelle steckt, hat Werder neun Punkte mehr und rangiert noch vor dem FC Bayern. Herrlich: "Bremen macht das richtig gut, seit Florian Kohfeldt übernommen hat. Sie verteidigen gut, haben ein sehr variables Angriffsspiel. Wir wollen dagegenhalten und das verteidigen." Er habe einen klaren Plan gegen Werder, eröffnete Herrlich. Aber auch ein Problem: Spielt Werder so schwungvoll wie in den vergangenen Wochen, dürften ihm nicht mehr viele Pressekonferenzen als Bayer-Coach bleiben...


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