14. Januar 2021 / 18:15 Uhr

Nach Bayern-Blamage in Kiel - diese Teams sorgten für die größten Sensationen im DFB-Pokal

Nach Bayern-Blamage in Kiel - diese Teams sorgten für die größten Sensationen im DFB-Pokal

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Nicht nur Holstein Kiel schafft im DFB-Pokal eine faustdicke Überraschung. Auch Dynamo Dresden schaltet 2011 einen Favoriten aus.
Nicht nur Holstein Kiel schafft im DFB-Pokal eine faustdicke Überraschung. Auch Dynamo Dresden schaltet 2011 einen Favoriten aus. © Getty Images/imago/ddbd/Montage
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Auf dem Papier ist die Lage in den ersten DFB-Pokal-Runden oft klar. Doch nicht immer setzt sich der Favorit aus den obersten Spielklassen durch. Das zeigte auch jüngst der Überraschungssieg von Holstein Kiel gegen den FC Bayern. Der SPORTBUZZER präsentiert die größten Sensationen des Wettbewerbs.

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Erstmals seit mehr als 20 Jahren scheiterte der FC Bayern in der zweiten Runde des DFB-Pokals. Am 1. November 2000 verloren die Münchner beim Oberligisten 1. FC Magdeburg ebenfalls im Elfmeterschießen. Die Niederlage in Kiel war auch die erste seit 17 Jahren gegen einen unterklassigen Verein. Zudem bedeutete sie das Ende einer Siegesserie nach 13 Pokal-Spielen

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"Im Moment ist das so ein Lauf, den wir haben. Wir müssen jetzt nach vorne schauen, wir müssen viel Arbeiten. Es gibt auch keine Entschuldigung mehr", sagte Flick nach dem 5:6 im Elfmeterschießen. "Natürlich ist das ein Schock, wir sind enorm enttäuscht." Doch es war nicht die erste Pokal-Sensation der Cup-Geschichte. Nach der zweiten DFB-Pokal-Runde dieser außergewöhnlichen Corona-Saison erinnert der SPORTBUZZER an große Überraschungen.

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SC Geislingen - Hamburger SV 2:0 (1984): Damals war der Hamburger SV noch groß: Doch selbst mit Stars wie Uli Stein, Manfred Kaltz oder Felix Magath war das Team von Trainerlegende Ernst Happel beim schwäbischen Drittligisten klar unterlegen. Nach der Partie klagte Magath: "Die eigentliche Katastrophe ist, dass wir überhaupt keine Siegchance hatten."

FV Weinheim - FC Bayern München 1:0 (1990): Nur wenige Wochen nach dem WM-Triumph mit der DFB-Elf war für Klaus Augenthaler am 4. August 1990 eines klar: Der große FC Bayern spaziert beim badischen Oberligisten Weinheim locker in Runde zwei. Doch am Ende siegte der Underdog sensationell durch ein Elfmeter-Tor von Hans-Peter Makan.

TSV Vestenbergsgreuth - FC Bayern München 1:0 (1994): Für den neuen Bayern-Trainer Giovanni Trapattoni wurde das erste Pflichtspiel ein Desaster. Vestenbergsgreuth ist ein kleines Dorf bei Nürnberg, gespielt wird aber im Nürnberger Frankenstadion. Millionen Fans bei der ZDF-Liveübertragung und knapp 25.000 im Stadion erlebten den Sensationssieg des Regionalligisten. "Dass alle über uns gespottet haben, ist normal", sagte der Bayern-Profi Dietmar Hamann.

SV Sandhausen - VfB Stuttgart 13:12 n.E. (1995): Auch das magische Dreieck des VfB Stuttgart mit Krassimir Balakow, Fredi Bobic und Giovane Elber konnte die Blamage beim damaligen Regionalligisten Sandhausen nach einem rekordträchtigen Elfmeterschießen nicht verhindern. Einige Kicker mussten sogar doppelt antreten. Als einziger Schütze verschoss der Stuttgarter Hendrik Herzog. Nach regulärer Spielzeit stand es 2:2.

Eintracht Trier - Borussia Dortmund 2:1 (1997): Der damalige Drittligist aus Trier besiegte erst den amtierenden UEFA-Cup-Sieger Schalke 04 (1:0) und dann auch noch den amtierenden Champions-League-Sieger Borussia Dortmund (2:1). Die Treffer gegen den BVB erzielten Rudi Thömmes und Marek Czakon (Elfmeter). Das Aus für Trier kam erst in einem dramatischen Elfmeterschießen (9:10) des Halbfinals gegen den MSV Duisburg.

SSV Ulm - 1. FC Nürnberg 2:1 (2001): Im Jahr 2001 war der frühere Bundesligist Ulm aus wirtschaftlichen Gründen bis in die fünfte Liga abgestürzt. Aus der Erstligasaison 1999/2000 stand nur noch Dragan Trkulja im Kader. Der Serbe erzielte den 2:1-Siegtreffer gegen den "Club", der damals von Weltmeister Klaus Augenthaler trainiert wurde.

Stuttgarter Kickers - Hamburger SV 4:3 n.V. (2006): Beim Drittligisten Stuttgarter Kickers lag der HSV schon mit 0:2 zurück, drehte den Rückstand aber in eine 3:2-Führung. Doch eine Minute vor dem Ende glich Recep Yildiz für die Kickers zum 3:3 aus, ehe Christian Okpala in der Verlängerung den 4:3-Siegtreffer schoss.

Blamage der TSG Hoffenheim in Berlin

Dynamo Dresden - Bayer Leverkusen 4:3 n.V. (2011): Leverkusen mit Michael Ballack führte bei strömendem Regen schon nach zwölf Minuten mit 2:0, kurz nach der Pause nach einem Tor von André Schürrle gar mit 3:0. Doch der Zweitligist schlug mit einer fulminanten Aufholjagd zurück, schaffte das 3:3. Das entscheidende Tor erzielte Dresdens Alexander Schnetzler in der Verlängerung. "Ich bin ein bisschen sprachlos und komme mir vor wie im falschen Film", sagte Bayer-Stürmer Stefan Kießling.

Holstein Kiel - FSV Mainz 05 2:0 (2011): Vor 10.649 Zuschauern im Holstein-Stadion trafen der Mainzer Anthony Ujah (6./Eigentor) und Steve Müller (64.) für den aufopferungsvoll kämpfenden Amateurklub, dem schon der dritte Zu-Null-Sieg in dieser Runde gelang. Nach Siegen gegen Energie Cottbus, den MSV Duisburg und den FSV Mainz war im Viertelfinale gegen Borussia Dortmund (0:2) aber Schluss.

Berliner AK - TSG 1899 Hoffenheim 4:0 (2012): Die von Markus Babbel trainierten Hoffenheimer blamierten sich beim Berliner Viertligisten völlig. Schon zur Halbzeit stand es 3:0 für die Amateure, die gegen die Mannschaft mit Tim Wiese, Andreas Beck und Roberto Firmino auch noch höher hätten gewinnen können.

Kickers Offenbach - Fortuna Düsseldorf (2:0) 2012: Kickers Offenbach untermauerte seinen Ruf als Pokalschreck eindrucksvoll und verdarb Bundesliga-Aufsteiger Fortuna Düsseldorf das Ende eines ansonsten tollen Fußball-Jahres. Die Stürmer Matias Fetsch (76.) und Stefan Vogler (85.) sorgten vor 18.400 Zuschauern auf dem ausverkauften Bieberer Berg für die umjubelten Tore.

Alle DFB-Pokal-Sieger seit 2000

Der <b>SPORT</b>BUZZER blickt zurück: alle Gewinner des DFB-Pokals seit 2000. Unter anderem mit dabei: die Triple-Bayern, ein Lewandowski-Dreierpack gegen den späteren Arbeitgeber und ein berüchtigtes Tor vom Ex-Frankfurter Ante Rebic. Klickt euch durch! Zur Galerie
Der SPORTBUZZER blickt zurück: alle Gewinner des DFB-Pokals seit 2000. Unter anderem mit dabei: die Triple-Bayern, ein Lewandowski-Dreierpack gegen den späteren Arbeitgeber und ein berüchtigtes Tor vom Ex-Frankfurter Ante Rebic. Klickt euch durch! ©

FC Carl Zeiss Jena - Hamburger SV 3:2 n.V. (2015): Der Bundesliga-Dino erlebte die nächste Pokalschmach. HSV-Coach Bruno Labbadia hatte vor dem Viertligisten gewarnt. Nutzte aber nichts: Nachdem Michael Gregoritsch in der vierten Minute der Nachspielzeit für die Hamburger die Verlängerung erzwang, sah es nach einem Happy End für den Favoriten aus. Doch die Akkus waren leer, Jena kämpfte und wurde durch Johannes Pieles Kopfball-Tor in der 106. Minute belohnt.


Arminia Bielefeld - Borussia Mönchengladbach 5:4 n.E. (2015): Arminia Bielefeld sorgte in der Pokal-Saison 2014/2015 für einige Überraschungen. Der Drittligist setzte sich nach Siegen gegen die Bundesliga-Klubs Hertha BSC und Werder Bremen im Viertelfinale gegen den Bundesliga-Dritten Borussia Mönchengladbach durch. Nach regulärer Spielzeit und Verlängerung hatte es 1:1 gestanden. Manuel Junglas hatte für Bielefeld getroffen, Max Kruse für Gladbach.

Sportfreunde Lotte - Werder Bremen 2:1 (2016): Werder Bremen blamierte sich beim Drittliga-Aufsteiger Sportfreunde Lotte auf ganzer Linie. Nach dem vierten Erstrunden-Knockout seit 2011 gegen ein Drittliga-Team monierte Werders Geschäftsführer Frank Baumann mangelnde Einstellung, Disziplinlosigkeiten, taktische Mängel, eine überforderte Abwehr und ein ideenloses Mittelfeld. Zum Liga-Auftakt kam es genauso schlimm: 0:6 bei Bayern München.

Sportfreunde Lotte - Bayer Leverkusen 4:3 n. E. (2016): In einem Herzschlagspiel blamierte sich Bayer Leverkusen in denkwürdiger Weise und verpasste den Einzug ins Achtelfinale des DFB-Pokals. Beim 3:4 im Elfmeterschießen präsentierten sich die Drittliga-Kicker der Sportfreunde Lotte nicht nur kampf- sondern auch nervenstärker als die Profis aus der Bundesliga - und das, obwohl Bayer-Torwart Ramazan Özcan sogar zwei Elfmeter abwehrte.

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VfL Osnabrück - Hamburger SV 3:1 (2017): 70 Minuten lang spielte Bundesligist HSV in Überzahl, nachdem der Osnabrücker Marcel Appiah den Hamburger Angreifer Bobby Wood mit einer Notbremse gestoppt hatte. Dennoch stand am Ende eine Blamage gegen den Drittligisten. Für Trainer Markus Gisdol war es der Anfang einer missratenen Saison, an deren Ende der Abstieg stand. Acht Jahre zuvor hatte der HSV schon einmal an der Bremer Brücke in Osnabrück verloren - allerdings in der zweiten Pokalrunde.

SSV Ulm 1846 - Eintracht Frankfurt 2:1 (2018): Als Pokalsieger reiste Eintracht Frankfurt nach Ulm und blamierte sich dort. Erstmals seit dem Abstieg war das Donaustadion wieder ausverkauft - und der Regionalligist gewann gegen das Team des neuen Trainers Adi Hütter mit 2:1. Erstmals nach 22 Jahren war ein Titelverteidiger wieder in der ersten Runde ausgeschieden. Zuletzt war das dem 1. FC Kaiserslautern 1996 passiert. Insgesamt ist Frankfurt der fünfte Verein nach Lautern, Werder Bremen (1994), Kickers Offenbach (1970) und dem Hamburger SV (1963), der als Pokalsieger in der ersten Runde ausscheidet.

Kiel schaltet Dauersieger FC Bayern aus

SC Verl - FC Augsburg 2:1 (2019): Durch das 1:2 beim Regionalligisten SC Verl scheiterte der FC Augsburg zum dritten Mal binnen sechs Jahren schon in der Auftaktrunde. Für die Verler ging es anschließend bis ins Achtelfinale. Dort war dann gegen den 1. FC Union Berlin (0:1) Endstation.

FC Saarbrücken - 1. FC Köln 3:2 (2019): Dirk Lottner blamierte mit dem 1. FC Saarbrücken seinen Herzensverein. Der damalige Spitzenreiter der viertklassigen Regionalliga-Südwest setzte sich in der zweiten Runde sensationell mit 3:2 (0:0) gegen den lange harmlosen Bundesliga-Aufsteiger durch. Für die Saarländer ging es dann sogar bis ins Halbfinale gegen Bayer Leverkusen, wo dann aber Endstation war.

Holstein Kiel - FC Bayern 8:7 n.E. (2021): Der FC Bayern München flog sensationell in der zweiten Runde aus dem DFB-Pokal. Gegen den Zweitligisten Holstein Kiel verlor der Triple-Gewinner im Elfmeterschießen. Kiels Finn Bartels verwandelte den entscheidenden Elfmeter gegen Nationaltorwart Manuel Neuer. Zuvor war Münchens Marc Roca an Holstein-Keeper Ioannis Gelios gescheitert. Für die Münchener war es das erste Aus in der zweiten Runde seit über 20 Jahren und das erste gegen ein klassentieferes Team seit 17 Jahren.